Roadtrip-Stop in Leavenworth: Ein Hauch von Bayern

29. Mai 2026

Wo san ma denn do g'landt? Leavenworth, WA

Heute bricht unser letzter richtiger Tag „on the road“ an. Rund 130 Meilen trennen uns noch von Seattle. Eigentlich keine große Etappe, zumindest auf dem Papier. Doch wie so oft sind es die letzten Meilen einer Reise, die sich irgendwie ganz besonders anfühlen. Die Vorfreude auf Seattle mischt sich langsam mit dem Gedanken, dass unser großer USA-Roadtrip sich seinem Ende nähert.

 

Bevor wir die Großstadt erreichen, legen wir einen längeren Zwischenstopp in Leavenworth ein. Mitten in den Bergen des Bundesstaates Washington liegt plötzlich ein Ort, der aussieht, als wäre er direkt aus Bayern hierher versetzt worden.

Leavenworth war allerdings nicht immer ein Touristenmagnet. Nachdem die Holzindustrie in den 1960er-Jahren einbrach, verlor der Ort viele Arbeitsplätze und Einwohner. In den 1980er-Jahren entschied man sich deshalb für einen ungewöhnlichen Neuanfang: Das gesamte Stadtbild wurde im alpenländischen Stil umgestaltet. Die umliegenden Berge erinnerten viele an die Alpen, also setzte man konsequent auf Fachwerkhäuser, Biergärten und bayerisches Flair. Mit großem Erfolg. Heute besuchen jedes Jahr Millionen Gäste das kleine Städtchen.

Ganz ehrlich? Hübsch ist es wirklich geworden. Die liebevoll gestalteten Häuser, Blumenkästen und die Bergkulisse machen schon etwas her. Nur die permanente Beschallung mit volkstümlicher Musik hätte für unseren Geschmack ruhig etwas leiser ausfallen dürfen.

 

Was uns allerdings wieder einmal zeigt: In den USA verbindet man Deutschland häufig mit Bier, Bratwurst und Lederhosen. Dass unsere Kultur deutlich vielfältiger ist, bleibt dabei meistens außen vor.

Natürlich lassen wir es uns trotzdem nicht nehmen, im berühmten Münchner Haus einzukehren. Der Biergarten ist gemütlich, das Essen schmeckt wirklich gut, auch wenn es mit dem Original aus Deutschland nur bedingt vergleichbar ist. Und beim Bier müssen wir dann doch kurz schlucken: Rund 24 Dollar für eine „Hoibe“ sind schon eine echte Ansage. Authentisch? Eher nicht. Aber als Erlebnis gehört Leavenworth definitiv auf unsere persönliche Roadtrip-Liste.

 

Anschließend verlassen wir den kleinen Alpenort und verzichten bewusst auf die Interstate. Stattdessen wählen wir die landschaftlich schönere Strecke durch die Cascade Mountains in Richtung Seattle. Bei Sonnenschein dürfte diese Straße traumhaft sein. Doch wir sind eben in Washington, und hier zeigt sich das Wetter wieder von seiner typisch nordwestlichen Seite. Regen und dichter Nebel begleiten uns über weite Teile der Strecke.

 

Eigentlich wollten wir unterwegs noch die berühmten Snoqualmie Falls besuchen. Mit der schlechten Sicht macht das jedoch wenig Sinn, sodass wir den Stopp schweren Herzens ausfallen lassen.

 

Der verkehr wird immer dichter, aber Stau gibt es nur auf der gegenfahrbahn. Die Amerikaner machen Wochenende und es zieht sie in die Berge. Irgendwann erreichen wir schließlich Seattle. Passend zu unserer Ankunft hört der Regen wieder auf, sodass wir direkt noch einen besonderen Ort besuchen können: den Lake View Cemetery. Hier befinden sich die Gräber der Legende Bruce Lee und seines Sohnes Brandon Lee. Ein ruhiger, würdevoller Ort, den viele Filmfans aus aller Welt besuchen. Und wenn man schon einmal in Seattle ist, gehört dieser Abstecher irgendwie einfach dazu.

 

Und auf dem Weg zum Hotel haben wir das gefühl, wir fahren durch San Francisco! So hügelig haben wir uns Seattle nicht vorgestellt. Aber wir fahren durch überwiegend schöne Neighborhoods, und sehen so etwas von Seattle, was sicher nicht jeder Touri sieht. 

 

Wir sind erst einmal sprachlos, aös wir in unserm Hotel ankommen. Gebuicht hatten wir es von unterwegs, als wir mal wieder nach einer Alternative gesucht haben. Das Angebot konnten wir uns nicht entgehen lassen und das ist auch gut so! Mit so einer Unterkunft haben wir überhaupt nicht gerechnet. Schon beim Betreten ist klar: Das wird ein ganz besonderer Abschluss unseres Roadtrips. Das Hotel haut uns schlichtweg aus den Socken.

Einzig die Kurbelei durch die schlecht beschilderte Tiefgarage hat genervt. Aber Hauptsache unserer George steht sicher und behütet, denn Seattle hat nicht unbedingt den allerbesten Ruf. 

 

Level Seattle Downtown South Lake Union (110 Boren Avenue, Seattle, WA 98109). Angebot für 270€, + Parkplatz und Resortfee lagen wir dann bei 400€. Normalerweisde hätte das Zimmer, was wir bekommen haben, das für eine Nacht gekostet.

 

Wir geniessen den Abend auf unserem Balkon, bis wieder leichter Nieselregen einsetzt. Wir können die Intertstae von Weitem sehen und sind froh, sie wieder einmal gemieden zu haben. Der Verkehr ist immer noch heftig.

Wir sind gespannt, was uns morgen bei unserem Sightseeing durch Seattle erwartet. Das Wetter soll besser werden. Wir drücken die Daumen.

© 2026 Silke & Thomas Geipel – Alle Rechte vorbehalten

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