19. Mai 2026
Bye bye Wyoming, hello South Dakota
Gosh! Wyoming macht uns heute wirklich fertig und zwar im allerbesten Sinne. Eigentlich denken wir, dass dieser Tag ein klassischer Fahrtag wird. Rund 350 Meilen liegen vor uns. Einfach Strecke machen, Wyoming hinter uns lassen und nach South Dakota fahren.
Tja... daraus wird nichts.
Stattdessen hören wir gefühlt alle paar Minuten: "Schatz, wir müssen anhalten!" Das kann doch keiner glauben!"
"Wie schön ist das denn bitte?"
Wyoming überrascht uns heute mit einer Landschaft nach der anderen.
Am Morgen starten wir in Cody, der Westernstadt, die Buffalo Bill Cody gegründet hat und die als Tor zum Yellowstone Nationalpark gilt. Auch wenn es in Cody einiges zu sehen gibt...wir fahren nur durch und verzichten auf Sightseeing. Eben, weil wir ja noch viele meilen fahren müssen.
Schon nach wenigen Meilen verändert sich die Landschaft komplett. Über den Highway 14 und dann über die 16 fahren wir Richtung Buffalo. Der kürzeste Weg Richtung Interstate. Wir fahren vorbei an kleinen Ranches und verschlafenen Orten, ehe sich plötzlich wieder bizarre Felsformationen und tiefe Canyons vor uns auftun. Genau das macht diesen Bundesstaat so faszinierend. Gerade glauben wir zu wissen, wie Wyoming aussieht, und wenige Meilen später verändert sich wieder alles. Dass wir hinein in die beeindruckenden Bighorn Mountains fahren, davon hat uns keiner was gesagt. Immer höher schrauben wir uns die Serpentinen hinauf bis auf fast 3.000 Meter Höhe. Diesmal ist es aber eine entspannte Fahrt, die Straßen sind breit und gut ausgebaut. Und plötzlich liegt tatsächlich noch Schnee am Straßenrand. Kaum zu glauben, denn vor kurzer Zeit fahren wir noch durch die warme Prärie.
Mitten im Bighorn National Forest erwarten uns dichte Wälder, glasklare Bergbäche, tiefe Schluchten und immer wieder spektakuläre Aussichtspunkte. Der National Forest umfasst mehr als 4.000 Quadratkilometer und ist Heimat von Elchen, Hirschen, Schwarzbären und vielen anderen Wildtieren. Eigentlich könnte hinter jeder Kurve schon wieder der nächste Fotostopp auf uns warten. Doch Wyoming hat noch lange nicht genug.
Wenig später geht es wieder hinunter und wir erreichen Buffalo. Was wir erwartet haben, kann ich gar nicht sagen. Aber Buffalo hört sich irgendwie nett an, so typisch Cowboy, oder? Naja, viel gibt es nicht zu sehen , Hunger haben wir auch. Die Auswahl ist nicht groß und so landen wir ausnahmsweise in einem "Pizza Hut". Wir lieben Pizza, aber die Pizza dort hat mit italienischem Essen genauso wenig zu tun wie dieses eklige "Taco Bell" mit mexikanischem Essen. Aber im Gegensatz zu "Taco Bell" ist das Essen hier genießbar. und unser Hunger erstmal gestillt. heute Abend dann lieber wieder Sandwiches...
Schließlich erreichen wir die Interstate 90. Eigentlich verbinden wir mit einer Interstate lange, gerade Straßen und eher wenig Abwechslung. Aber wir nehmen sie, weil wir unterwegs so rumgetrödelt haben, daß wir voran kommen müssen. Links und rechts entdecken wir immer wieder die typischen Förderpumpen, die sogenannten Pumpjacks. Sie fördern Erdöl aus den tiefen Gesteinsschichten. Damit haben wir hier mal wieder nicht gerechnet. Wyoming gehört allerdings zu den wichtigsten Energieproduzenten der USA und verfügt über große Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen. Wieder was dazugelernt.
Ein Highlight wartet noch auf uns. Schon viele Meilen vorher ragt plötzlich der Devils Tower am Horizont auf. Fast wirkt der gewaltige Felsen wie aus einer anderen Welt. Rund 386 Meter erhebt sich der Monolith über seine Umgebung. Entstanden ist er vor Millionen Jahren aus erstarrtem Magma, das durch Erosion freigelegt wird. Seine markanten senkrechten Gesteinssäulen machen ihn ziemlich einzigartig. Da wir nicht drumherum laufen wollen, sparen wir uns den Eintritt und begnügen uns mit einem ausgiebigen Stopp am Generel Store. Eigentlich ist es ein ziemlich großer Souvenirshop mit "netten" Preisen. Ja, man merkt die hier fehlende Konkurrenz...
Der Devils Tower ist übrigens 1906 das erste National Monument der Vereinigten Staaten, das Präsident Roosevelt unter Schutz stellt. Kennt jemand den Film "Unheimliche Begegnung der dritten Art"? Dann wisst ihr, wie der Devils Tower aussieht. Und da wir quasi in der Gegend sind...
Es geht weiter durch sanfte grüne Hügel und weite Wiesen. Und dann ist es endlich so weit. Da wir mittlerweile wieder auf der Interstate sind, halten wir an einem Welcome Center und dann heisst es für uns: Willkommen in South Dakota! Ein weiterer Bundesstaat auf unserer Reise. Einer, auf den wir uns schon lange freuen.
Hier bleiben wir die nächsten Tage. Zwar nicht an einem Ort, sondern wie immer auf unserem Roadtrip ständig unterwegs. Doch nach dem, was Wyoming uns heute noch einmal zeigt, sind wir unglaublich gespannt, welche Überraschungen South Dakota für uns bereithält.
Unsere erste Nacht in South Dakota verbringen wir in der legendären Stadt Deadwood. Und sogar günstiger wie erst befürchtet. Wir zahlen im Deadwood Gulch Resort (304 Cliff Street, Deadwood, SD 57732) gerade einmal 55€ für eine Nacht, allerdings ohne Frühstück.
Eigentlich wollten wir heute nur Strecke machen. Aber genau solche Tage gehören mit zu den Schönsten eines Roadtrips. Wyoming hat uns heute absolut überrascht. Positiv. Deshalb haben wir wieder mehr Zeit gebraucht, wie erst gedacht. Einziger Wermutstropfen: es gab kein Welcome-Schild mehr für uns. Dafür hätten wir nochmal auf die Interstate in die Gegenrichtung gemusst, mit allem hin und her. Aber wir wollten endlich in Deadwood ankommen. Sightseeing machen wir morgen früh. Denken wir...
Nachdem wir gelernt haben, daß es auch in South Dakota massenhaft Casinos gibt und unser Hotel ein eigenes hat, war uns klar, wie wir den Abend ausklingen lassen. Es ist anders wie in Nevada, aber auch hier gibt es unseren Lieblingsautomaten. Und der ist äußerst großzügig. Da wir grundsätzlich aufhören zu spielen, wenn wir etwas gewonnen haben, man soll das Glück nicht herausfordern, gehen wir auf unser Zimmer. Im Fernsehen läuft der lokale Sender und wir trauen unseren Augen nicht: am Sonntag gibt es hier in Deadwood ein Rodeo! Wir wollten das Spektakel immer gerne mal erleben, aber da, wo wir geschaut haben, ist erst nach unserer Abreise aus den USA "Saison". Man glaubt gar nicht, wie schnell man Karten bestellen kann. Und so haben wir knapp 60$ aus unserem Casino-Gewinn in 2 Karten investiert, die auch noch für einen guten Zweck sind. Wir planen ein wenig um und werden nun einen Tag später Richtung Montana aufbrechen. So sparen wir uns auch morgen das Sightseeing in Deadwood, denn wir werden am Sonntag noch einmal hier schlafen. Diesmal in einem kleinen Motel fast mitten im Ort.
Wir sind schon jetzt ziemlich aufgeregt, was uns am Sonntag erwartet. Aber dazwischen liegen noch ein paar Tage, auf die wir uns auch sehr freuen.
Morgen geht es nach Sioux Falls. Ganz am anderen Ende von South Dakota. Bis vor wenigen Tagen bestand für die Ecke noch eine ziemliche Tornado-Gefahr, so daß wir nicht wussten, ob wir diesen Teil des Roadtrips fahren können. Oder vielmehr wollen. Sicherheit geht schließlich immer vor. Aber seit gestern ist klar: wir können und wollen fahren. Wir wissen, daß es zwei anstrengende Tage werden, die wirklich reine Fahrtage sind. Warum wir uns das antun? Na, wir wollen Staatenpunkte sammeln!





































