Route 66 – Ein Tag in St. Louis | Reisebericht

Route 66 - die Reise unseres Lebens

Ein Tag in St. Louis

St. Louis begrüsst uns am Morgen mit dicker Wolkendecke und Regen. Und wenn es in Amerika regnet, dann regnet es richtig. Aber…wie die Amerikaner sagen „It‘s just water!“ Wir geniessen erstmal ein wirklich ausgezeichnetes Frühstück. Und das ist mit ein Punkt, warum wir das Hotel auf jeden Fall weiterempfehlen. An und für sich sowieso, aber falls es etwas zu bemängeln gäbe, wie zB zu weit außerhalb weil eine halbe Stunde Fahrt nach Downtown, dann macht es das Frühstück wieder gut. Statt der üblichen abgepackten Gebäcke und Saft aus der Dose…erwarteten uns hier frische Zutaten, nach Wunsch zubereitete Omeletts und ein erstklassiger Service. Wer also wert auf ein gutes Frühstück legt, der ist hier im Clayton Plaza Hotel bestens aufgehoben.

Wir machen uns auf den Weg Richtung Downtown, bereits von Deutschland aus hatten wir Tickets für den frühen Morgen für eine Fahrt auf den Gateway Arch gebucht. Die Fahrt führt durch wirklich hübsch gepflegte Viertel, aber die Straßen sind eine Vollkatastrophe. Hoffen wir mal, dass sich der Zustand durch die vielen Baustellen bald bessert. Schlaglöcher tief bis sehr tief und nicht immer vorhersehbar. Da braucht es gute Stossdämpfer. Aber es ist alles gut gegangen. 

Für Mr Capone hatten wir Downtown ein Parkhaus gebucht. 20$ für den ganzen Tag und bewacht finden wir einen fairen Preis. St. Louis hat leider nicht den allerbesten Ruf und wir hatten keine Lust, am Abend vor einem aufgebrochenen Auto zu stehen. Tatsächlich kommt man zum Auto nur mit gültigem Ticket, allen anderen bleiben die Türen verschlossen. Also eine wirklich sichere Sache. Auch hier hat Spothero wieder gute Dienste geleistet.

Der Regen lässt mittlerweile nach und wir machen uns zum ersten Sightseeingpunkt auf unserer ToDo-Liste.

Gateway Arch, auch Tor zum Westen genannt, ist – wie der Name schon sagt – ein riesiger Bogen mit Edelstahl verkleidet und hat eine Höhe von 192m. Man fährt in kleinen Gondeln mit 5 Sitzen hoch, Platzangst wäre hier ein Problem. Im Bogen oben ist die Aussichtsplattform, kleine Fenster erlauben einen Blick auf Illinois und einen phantastischen Blick auf St. Louis. Im Bereich unter dem Bogen befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte von St. Louis und Amerika an sich. Das fällt schon auf – die Amerikaner haben wirklich ein glückliches Händchen für Ausstellungen und Museen. Es ist alles so liebevoll und detailgetreu arrangiert, auch mit wenig Englischkenntnissen kann man was lernen. Es macht Spaß, sich die Ausstellung anzusehen und wir bleiben wieder mal länger wie geplant. Als wir endlich wieder ins Freie kommen hat der Regen aufgehört und es kommt sogar ab und an die Sonne raus.

Wir laufen weiter zum Busch-Stadion. Wir haben zwar keine Ahnung von Baseball, aber die St. Louis-Cardinals sind wohl ziemlich berühmt und vor allem erfolgreich und sehen möchten wir das Stadion schon gern. Mittlerweile wissen auch wir, daß die Redbirds, wie die Cardinals auch genannt werden, eines der ältesten und mit 11 gewonnenen World Series Championships eines der erfolgreichsten Teams der USA sind. Nur mal so am Rade erwähnt.

Es ist mitten in der Saison. Und in unseren Gefilden sind Ligaspiele mitten in der Woche und dann auch noch zur Mittagszeit sehr, sehr selten. Aber nicht in den USA. Außerdem pflegt man hier eine wahnsinnig schöne, turbulente, aber ziemlich friedliche Fankultur. Und hier standen wir plötzlich mittendrin. Das Spiel haben wir nicht besucht, aber der Trubel drumrum ist schon ein Erlebnis. Kann man kaum beschreiben, muss man sehen. Ziemlich geflasht laufen wir über die Fanmeile und entschliessen uns zu einem kurzen Bummel durch den Citygarden. StL hat viele und schöne Parks. Die laden wirklich zum Innehalten und Luftholen ein. Wir besorgen uns im Supermarkt einen kleinen Snack, es ist Mittagszeit und das viele Laufen macht dann doch ein wenig hungrig. Schliesslich liegt noch ein langer Tag vor uns.

In St. Louis liegen die von uns angepeilten Sehenswürdigkeiten nicht so nahe aneinander wie zB in Chicago. Damit wir uns selbst die Fahrerei ersparen, nehmen wir für die längeren Strecken gerne Uber. Es geht schnell, es ist günstig und man weiss vorab, wer einen aufsammelt. Bewerten kann man die Fahrer hinterher auch, im Übrigen wird man auch als Gast bewertet. Eine faire Sache für beide Seiten. Ehrlich gesagt: seitdem wir Uber entdeckt haben, meiden wir Taxis. Aus Gründen. 

Es geht also mit einem netten Uber-Fahrer zur berühmten Anheuser-Busch-Brauerei. Als er unser Ziel bestätigte meinte er, daß wir dann wohl den saubersten Ort der ganzen USA besichtigen würden. Ok… 

Bei Anheuser-Busch wird das berühmte Budweiser Bier hergestellt. Übrigens waren wir 2019 bereits in Budweis, Tschechien. Und haben dort auch schon die Brauerei besichtigt. Um einiges kleiner wie hier in St. Louis, aber Budweiser wird dort auch gebraut.

Wer jetzt das „original“ Budweiser herstellt? Darüber gibt es den wohl ältesten Schutzmarkenstreit überhaupt. Der Budweiser-Streit bezieht sich auf einen langjährigen Rechtsstreit zwischen der amerikanischen Brauerei Anheuser-Busch und der tschechischen Brauerei Budějovický Budvar (Budweiser Budvar). Beide Unternehmen beanspruchen das Recht, den Namen "Budweiser" zu verwenden, was zu zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen und markenrechtlichen Konflikten weltweit geführt hat.

Die Ursprünge des Streits reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Budějovický Budvar wurde 1895 in České Budějovice (Budweis) gegründet und beansprucht den Namen "Budweiser" aufgrund der geografischen Herkunft. Anheuser-Busch, das 1876 in den USA gegründet wurde, hat den Namen "Budweiser" für sein Bier ebenfalls verwendet, da hier ein Bier pilsener Brauart von böhmischen Immigranten aus Budweis als Vorbild genommen wurde.

Der Rechtsstreit hat in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. In einigen darf Anheuser-Busch den Namen "Budweiser" exklusiv verwenden, während in anderen Ländern Budějovický Budvar die Rechte an der Marke zugesprochen wurden. Es gibt auch Länder, in denen beide Unternehmen gezwungen waren, alternative Namen zu verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden. Zum Beispiel wird das tschechische Bier in den USA als "Czechvar" vermarktet, während das amerikanische Budweiser in einigen europäischen Ländern als "Bud" verkauft wird.

Wir bummeln ein wenig durch den obligatorischen Souvenirshop und die öffentlich zugänglichen Bereiche, verzichten aber auf eine der Führungen. Es wäre sicher interessant gewesen, aber da so eine Führung gute 2 Stunden dauert, war die Zeit für uns zu knapp. Allein für Anheuser-Busch hätten wir einen halben Tag einplanen müssen, so riesig ist diese Brauerei.

Aber eine Kostprobe muss natürlich sein. Und ganz ehrlich: das amerikanische Budweis schmeckt bei weitem nicht so gut wie das tschechische. Die US-Variante ist viel wässriger, hat weniger Aroma. Also für die Bierkenner: man könnte auch Kölsch trinken statt US-Budweiser. Kommt unten raus wie es oben reingeht… Ein kleiner Spaß am Rande. Jeder wie er mag.

Wir bestellen wieder ein Uber. Weil es der gleiche Preis ist, nehmen wir mal „Uber-green“. Wer ahnt denn, das keine 5 Minuten später ein Tesla vor uns steht? Unsere Premiere. E-Autos sind absolut nicht unsere Welt, aber wenn es irgendwann mal einer sein muss…dann nur ein Tesla! Punkt. Diese technischen Feinheiten, das Tempo…wow. Wir waren absolut fasziniert und unser Fahrer merkte das. Schon gab es eine kleine Kostprobe, daß so ein Tesla auch autark fahren kann. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zumindest. Als sich der Fahrer mit verschränkten Armen dann entspannt zurücklehnte und das auf ner 4 spurigen Autobahn…ging uns dann aber doch ein gewisser Körperteil auf Grundeis. Aber auch das merkte der Fahrer und legte sofort wieder die Hände ans Steuer. Anfänglich etwas wortkarg fragte er dann doch neugierig, woher wir kämen. Deutschland war natürlich die Antwort und da wurde er gesprächig. Erzählte uns stolz, daß er sich den Tesla mit mehrerern Jobs zuammengespart hatte und nun als Uber Fahrer das machen kann, was er am liebsten macht: Auto fahren. Und damit kann er sogar seine kleine Familie ernähren. Ohne kriminell zu sein, darauf legte er sehr viel wert. Unser Uber-Fahrer war dunkelhäutig. Für uns absolut kein Problem, aber er hat wohl schon genug schlechte Erfahrungen gemacht was Vorurteile angeht.

Durch die App kannte er ja unseren Zielort und fragte, was wir denn tagsüber am Delmar Loop wollten. Da wäre am Abend vor allem am Wochenende viel los, aber so tagsüber und mitten in der Woche kein allzu schönes Viertel!? Wir erklärten ihm, daß wir zum Walk of Fame wollen. „Wie bitte? Soll ich Euch bis Hollywood fahren?“ scherzte er. Wir erklärten ihm, was es mit dem Walk of Fame in St Louis auf sich hat. Der ist viel kleiner als der in Hollywood, und dort werden definitiv nur die geehrt, die auch etwas mit St. Louis zu tun haben, sprich dort geboren oder ihre prägenden Jahre dort verbracht haben. 

Der nette Uber-Fahrer ist erstaunt. Er sei hier in St Louis geboren und aufgewachsen, wäre auch am Abend schon öfter mit seiner Frau dort ausgegangen. Aber auf die Sterne, da hat er noch nie geachtet. Das werde er direkt nachholen. 

Die Fahrt verging rasch und als wir uns von diesem netten Menschen verabschiedeten, bedankte er sich doch tatsächlich bei uns. Wofür? Wir hatten doch zu danken.

Der Delmar Loop ist das Ausgehviertel in StL, am Wochenende soll dort richtig was los sein. Bars und Restaurants, kleine Geschäfte. So tagsüber wirkt das Ganze ein wenig trostlos, aber das stört uns nicht. Wir sind ja hier, weil wir die Sterne sehen wollen. Auf dem Boden. Von berühmten Menschen. Und einen ganz besonderen, nämlich den von Tina Turner. Den haben wir auch gefunden. 

Zum Walk of Fame gibt es ein Buch, nur erhältlich im Blueberry Hill. Das musste ich natürlich unbedingt haben. Ein ganz beonderes Souvenier. Warum wir gedacht haben, dass es sich hier um ein kleines Café handelt, keine Ahnung. Das Blueberry Hill hatte geöffnet und wir sind in einer der schönsten Bars überhaupt gelandet. Riesengroß. Verschiedene Themenräume und in riesigen Schaukästen die verrücktesten Figuren. Simpsons, Flintstones, alle irgendwie jemals erfundenen Comicfiguren verewigt. Ein Wahnsinn. Und dann die Bildergalerie. Unzählige Promis vor allem aus der Musikszene, immer mit dem Besitzer des Blueberry Hill Joe Edwards abgelichtet. Und dieser Joe Edwards ist auch der Initiator des Walk of Fame. Und war höchstpersönlich anwesend. Das Buch gab es dann für uns sogar signiert.

Auch hier verbringen wir wieder mehr Zeit wie gedacht. Wir können uns einfach nicht sattsehen. Wir beschliessen, hier auch direkt unser Abendessen einzunehmen. Das war eine gute Idee, denn das Essen im Blueberry Hill kann man empfehlen. Typisch amerikanische Gerichte zum fairen Preis. 

Und dann wird es wieder Zeit für Uber. Unser letzter Punkt für heute steht an und dazu müssen wir zurück zum Gateway Arch.

Diesmal kommt kein Tesla, aber wieder ein besonders netter Fahrer. Unser Ziel ist ihm bekannnt und er fragt höflich, ob wir Lust hätten, auf dem Weg dorthin ein wenig über seine Stadt zu erfahren? Kostet auch nichts extra, wie er betonte, denn er liebt seine Stadt und freut sich immer, wenn er Touristen auf ihrem Weg etwas erklären und zeigen darf. Er selbst fahre noch nicht so lange Uber. Er war durch die Pandemie arbeitslos geworden und verdient sich nun auf diesem Weg seinen Lebensunterhalt. Und er hat gemerkt, daß es ihm unheimlich Spaß macht, seinen Gästen etwas auf ihrem Weg zu zeigen und zu erklären. Wir waren wirklich dankbar für sein Angebot, denn sonst hätten wir so einiges wahrscheinlich kaum wahrgenommen. St. Louis hat sehr viele Kirchen, das Uni-Gelände hätten wir als solches vermutlich gar nicht erkannt. Klar, sagte er, St. Louis hat wie alle anderen Städte auch schlimme Viertel. Aber ihn mache es besonders traurig, daß St. Louis durch seinen schlechten Ruf viele Menschen gar nicht sehen wollen. Dabei gäbe es hier so schöne Sachen zu sehen. Und da hat er recht. Er hat sich gefreut, daß uns St. Louis gut gefällt und wir nicht nur den Gateway Arch sehen wollten. Ja, das macht das Reisen aus. Die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen und ihre Geschichten. Auch diese Fahrt war viel zu schnell vorbei. Unser Trinkgeld mussten wir ihm fast aufzwingen. Aber er hat es sich auch mehr wie verdient.

Der krönende Abschluss unseres Tages sollte eine Fahrt mit einem echten Mississippi-Dämpfer sein. The Mighty Mississippi. Wenn man schon am mit bedeutenstenden und bekanntesten Fluss der USA einen Tag verbringt, gehört das für uns zum Pflichtprogramm. Macht man ja nicht so oft. Also wir nicht.

Wir schippern gute 1 1/2 Stunden über diesen beeindruckenden Fluss. Die Ausblicke waren nicht immer die schönsten, aber ne Hafenrundfahrt in Hamburg hat auch nicht nur schöne Aussichten. Der Kapitän hat viel erklärt, es war beeindruckend und schön zugleich. 

Und dann sind wir fertig in St. Louis. Also für heute. Ein überraschend viel schönerer Tag, wie wir ihn uns ursprünglich vorgestellt hatten. Sogar das Wetter hat dann mitgespielt. Wir haben viel gesehen, viel erfahren. St. Louis hat was, vor allem mehr, wie der schlechte Ruf vermuten lässt. Der Besuch hat sich gelohnt! Gesehen haben wir sowieso wieder nicht alles. Und auch die Route 66 haben wir heute komplett außen vor gelassen. Die hat hier in St. Louis nämlich mehrere Verläufe, die wollen wir irgendwann gesehen oder gefahren haben. Wir haben also einen guten Grund, nochmal herzukommen. Irgendwann. Es gibt schlimmeres. Wir mögen St. Louis.

© 2026 Silke & Thomas Geipel – Alle Rechte vorbehalten

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.