2. Mai 2026
Sightseeing in Olympia, WA
Der Plan für heute: Wir erkunden Seattle! Und was können wir mit Plänen besonders gut? Genau, ändern. Auch wenn wir viel planen, es ist ja nichts in Stein gemeisselt.
Auf dem Weg gestern nach Buckley habe ich den Gedanken, dass wir es vielleicht am ersten Tag etwas ruhiger angehen sollten. Der Weg nach Seattle rein ist doch länger, wie gedacht. Und dann mit Jetlag in den Knochen durch die Stadt laufen? Machbar, aber wir werden echt kaputt sein.
Thomas spricht das aus, was ich denke. Passiert uns häufig. Und wir geben beide zu, dass wir auf den geplanten Start-in-den-Roadtrip-Einkauf im Walmart am Anreisetag auch echt keinen Nerv mehr hatten.
Wir legen Seattle an das Ende der kompletten Reise und machen das, was wir am Ende machen wollten: wir erkunden Olympia, die Hauptstadt des Bundestaates Washington. So ist es etwas entspannter, denn der Jetlag steckt uns noch ziemlich in den Knochen.
Und dank genau diesem Jetlag sind wir bereits früh am Morgen wach. Sehr früh. Es ist erst 01:00 morgens, als wir fertig sind mit schlafen. Kein Wunder, wenn man bereits um 05:00 nachmittags im Land der Träume ist. Zu unserer Verteidigung: unser Biorythmus hat noch nicht mitbekommen, daß wir eine Zeitverschiebung von 9 Stunden haben und denkt, es ist Deutschland-Zeit, somit 2 Uhr morgens! Also wird geschlafen. Punkt.
Was macht man, wenn man so früh wach ist? Genau, erstmal Kaffee. Zu meinem ganzen Glück steht genau gegenüber vom Motel eine Kaffeebude, die 24/7 geöffnet hat. Bigfoot Java. Kaffee gibt es zwar auch aus unserer Kaffeemaschine im Zimmer, aber der hier ist viel besser!
Frisch gestärkt springen wir erst einmal unter die Dusche, danach packen wir die Koffer für den Roadtrip um. Da haben wir mittlerweile Routine drin. Ein Koffer ist für "was wir jeden Tag so brauchen", der andere enthält alles, was wir irgendwann mal brauchen und in den "Tageskoffer" getauscht wird. Oder was man mithat, falls es gebraucht werden könnte. Also ein Koffer, der nicht jeden Tag umgeladen werden muss und auch mal im Auto bleiben kann.
Nur um Unkenrufen vorzubeugen: ja, wir wissen, keine Wertsachen sichtbar im Auto lassen! Das machen wir auch nicht! Unser Auto hat sehr dunkle Scheiben hinten und da SUV's in den USA, zumindest als Mietwagen, selten eine Hutablage haben, decken wir immer mit zwei schwarze Bettlaken alles komplett nochmal ab, was über Nacht drinbleibt. Und das ist in der Regel der "Ersatzteilekoffer" und eventuell noch Getränke. Aber auch tagsüber unterwegs sind diese Bettlaken wirklich eine prima Idee, wenn man mal irgendwo parkt, denn man sieht dann durch die Scheiben wirklich gar nichts vom Kofferauminhalt! Das ist übrigens etwas, was wir seit dem ersten USA-Besuch 2018 machen, die Bettlaken haben wir damals in Phoenix gekauft. Und seitdem begleiten sie uns in jeden USA-Urlaub.
Und obwohl wir noch gemütlich einen zweiten Kaffee gegenüber holen, mal kurz in Deutschland anrufen und wie schon gesagt, die ersten Vorbereitungen für den Roadtrip getroffen haben, ist es noch früh am Morgen, als wir in Richtung Olympia aufbrechen. Durch grüne Hügel und Hügelchen, kleine Ansiedlungen und hübsche Örtchen. Hier in Washington gibt es viel Landwirtschaft und Farmen, wie wir feststellen. Und auch der Baustil ist irgendwie anders. Aber schön anders.
Nach einem schnellen Frühstück irgendwo im Nirgendwo sind wir nach etwa 2 Stunden in Olympia, direkt am Capitol. Parken dürfen wir kostenlos, denn es ist Wochenende.
Groß ist das Capitol nicht, aber doch sehenswert. Allein diese Ausstattung mit Marmor ist sehr beeindruckend. Und auch wenn im Innern eine Veranstaltung für Jugendliche ist (irgend so eine „wie werde ich Politiker“-Geschichte), können wir einen Blick in die Kammern werfen. Ja, wir mögen diese Beuche in den Capitol-Buildings. Grundsätzlich kostenlos und für jeden zugänglich, nicht so ein Theater wie in Deutschland. Wenn ich daran denke, was für ein Aufwand nötig ist, um in Berlin…naja, ich lasse das lieber.
Wir drehen noch eine Runde über den Campus, geniessen die sauberen Gartenanlagen und den Blick auf den Capitol Lake. Im Moment findet eine Gedächtnisfeier statt, bei der wir aber nicht stören wollen. Also fahren wir mit unserem George Richtung Downtown. Die Altstadt soll ebenfalls sehenswert sein…
Die Temperaturen bringen uns um den Verstand. Hallo, wir sind im mit regenreichsten Staat der USA und die Sonne knallt gnadenlos vom Himmel!? Die Klimaanlage ballert heute schon auf vollen Touren!
Olympia ist ziemlich voll, einige Strassen gesperrt wegen eines Marktes. Einen Parkplatz zu finden, ist auch nicht so einfach. Jepp, Wochenende in den USA! Der Jetlag meldet sich auch wieder, also bewundern wir die Altstadt vom Auto aus, ist auch schön. Aber ein Stopp an einem Zebrastreifen, den müssen wir einlegen. Gesehen haben wir das bei Youtube.
Diesen Zebrastreifen überquert man nicht einfach so, nein, da gibt es qietschorangefarbene Fähnchen. Die nimmt man in die Hand und erst dann geht man rüber. Eine Gebrauchsanweisung, wie man das richtig macht, gibt es natürlich auch. Typisch für Amerika. Aber an sich keine schlechte Idee, oder?
Und dann ruft der kleine Hunger. Mittlerweile ist es Mittag und das Frühstück heute Morgen war nicht gerade üppig. Wir googeln nach einem „Texas Roadhouse“. Das wird uns immer wieder ans Herz gelegt, denn das Essen soll sehr gut sein. Und tatsächlich, ganz in der Nähe von Olympia ist eines. Na dann, nichts wie hin, oder?
Denkste! Wir nehmen brav wie vom Navi angegeben die Ausfahrt 122A auf der Interstate 5. Ok, wir fahren schon die ganze Zeit an einer Miltäranlage entlang. Aber dass uns die Ausfahrt direkt dort hinein führt, merken wir erst beim Rausfahren. Drehen ist nicht, One Way in den Checkpoint. Ach du heiliger Bimbam!
Der junge Soladat ist erst einmal hoffnungslos überfordert mit uns, denn wir müssen natürlich unsere Pässe zeigen. Ich erkläre ihm, dass uns das Navi hierher geführt hat, weil wir zum „Texas Roadhouse“ wollen. Er ruft nach seinem Sergeant, gibt ihm unsere Pässe. Hallo!?
Der nette Seargent tritt ans Auto, ich erkläre ihm noch einmal, warum wir hier gelandet sind. Er lacht. Passiert öfter, meint er. Und wenn wir möchten, dann können wir auch gerne zum Roadhouse fahren. Nur er selbst dürfe uns mit ausländischen Pässen nicht so einfach durchfahren lassen. Wir könnten uns im Visitor Center aber Besucherausweise holen, dann wäre das kein Problem. Das ist uns aber zu abenteuerlich und wir lehnen dankend ab. Der Sergeant lässst uns drehen, gibt uns unsere Pässe wieder und wünscht uns noch eine schöne Zeit in den USA. Na das war ein Erlebnis…und das „Texas Roadhouse“ testen wir dann lieber woanders.
Unsere Rückfahrt verläuft dann auch nicht mehr so spektakulär. Wir nehmen die nächste Ausfahrt, und halten an einem "Denny‘s" zum Essen. Übrigens darf Thomas nun hier die Seniorenteller bestellen, und das macht er auch. Hat ja auch Vorteile, wenn man wie wir in den 50ern ist. Bisher fanden wir "Denny's" immer ganz gut. Typisch amerikanisches Essen, ausreichend Auswahl, preislich und geschmacklich absolut in der Norm. Entweder liegt es an diesem Laden oder wir sind mittlerweile zu verwöhnt. Erst schockieren uns die Preise. Gut 5$ war jedes Gericht teurer wie noch 2024 in Las Vegas. Dafür hat die Qualität wirklich nachgelassen. Es war ok, wir sind satt geworden. Aber die Begeisterung, die uns ein "Denny's" sonst entlockt hat, ne, die gab es nicht. Schade. Aber wir sind in den USA und da gibt es genug Alternativen. Wir persönlich haben uns von "Denny's" irgendwie innerlich verabschiedet.
Weiter geht es in den nächsten Walmart, unser Start-in-den-Roadtrip-Einkauf steht noch an. Was man halt so braucht für unterwegs. Getränke, ein wenig Kleidung (also ich hab keine 30 Schlüppis im Schrank, die ichhätte einpacken könnte), ein paar Knabbereien und natürlich Getränke. Und da besonders ich von Kaffee lebe, musste ein Wasserkocher her. Es gibt zwar in fast jedem Motel die Möglichkeit, an Kaffee zu kommen, der schmeckt aber meist nicht sonderlich gut. Löslichen Kaffee haben wir aus Deutschland mitgebracht, natürlich brav deklariert und angemeldet. Hat aber niemanden interessiert. On top kamen dann direkt zwei Dosen Milchpulver Geschmack "French Vanilla" in den Einkaufswagen. Unser Zauberpulver. Wir lieben das. Für uns der absolute USA-Urlaub-Kaffeegeschmack.
Jeden Tag Essen gehen…das hat man bald über. So haben wir uns noch einen kleinen Sandwichmaker zugelegt. Nebst Zutaten natürlich und eine kleine Kühltasche mit ein paar Akkus für unterwegs. Bei Walmart gibt es leckere, abgepackte Salate. Kostenpunkt 3$. Lecker. Davon wandern direkt 4 Stück in den Einkaufswagen. und noch ein spezieller Salat, der bei Youtube auf einem bestimmten Kanal immer so angepriesen wird. Southwest Style. Auch nicht teuer, und die Packung ist schon recht groß. Müssen wir unbedingt probieren. Für abends in Kombi mit nem frischen, warmen Sandwich perfekt für uns. Und warum kaufen wir die Elektrogeräte hier? Weil die Steckdosen und Stromspannung das komplette Gegenteil von Deutschland sind. Damit keine Fragen aufkommen...
So gut gerüstet geht es noch den kurzen Weg zurück zum Motel und wir lassen den Abend ausklingen. Habe ich erwähnt, dass wir einen tollen Blick von hier auf Mount Rainer haben? Den knapp 4300m hohen Vulkan? Nein? Konnte ich auch nicht, denn den Ausblick haben wir gestern komplett verpeilt. Dafür geniessen wir ihn heute umso mehr.
Morgen starten wir dann richtig auf den Roadtrip. Die erste Etappe wird uns auf die Olympic Peninsula bringen. Und raus aus der Komfortzone. Denn wenn die Hotelbeschreibung stimmt, sind wir fernab von Internet und Telefonempfang. Hat doch auch mal was...













































