4. Mai 2025
Welcome to Oregon
Wir müssen gestehen, wir wären gerne noch länger im Reservat am Pazifik geblieben und packen ein wenig wehmütig unsere Koffer. Aber es geht weiter, wer weiß, was noch alles auf uns wartet. Aber der Aufenthalt hier gehört sicher jetzt schon zu einem unserer Highlights der Reise.
Im übrigen haben wir im Reservat noch eine Tankstelle entdeckt. Unser George bekommt also noch ein gutes Frühstück, bevor wir uns auf die Straße begeben. Tatsächlich ist hier der Sprit gut 1 Dollar günstiger wie außerhalb des Reservats.
Wir fahren zurück nach Forks, wo wir wieder auf die 101 stoßen. Wir holen unseren ersten On-The-Road-Kaffee an der Tankstelle und überlegen, was wir uns hier auf der Olympic Peninsula noch ansehen wollen. Immerhin gibt es hier ja auch einen Nationalpark...Was uns aber gestern schon die ganze Zeit verwirrt: was auf der Olympic Peninsula ist nun Nationalpark und was nicht? Normalerweise liegt der Olympic Nationalpark ja mehr im Kern der Halbinsel. Aber Lake Crescent gestern liegt auch im Nationalpark, eine Entry-Station haben wir allerdings nicht passiert. Wahrscheinlich ein schmaler Ausläufer...
Und da es früh am Tag ist, beschliessen wir, daß wir noch einen kleinen Abstecher in einen der Regenwälder machen. Hoh Rainforest Nationalpark. Ist uns mehrfach empfohlen worden und auch, was wir so lesen, hört sich ganz vielversprechend an. Der liegt quasi auf dem Weg. Denken wir...
Nach der Abzweigung zum Hoh Rainforest geht es erst einmal 12 Meilen rein ins Landesinnere. Ok, die Fahrt ist stellenweise wirklich schön. Interessant. Dann kommt die Entry-Station, an der wir eigentlich entweder bezahlen oder unseren Nationalparkpass hätten vorzeigen müssten. Da sitz aber niemand. Aha. Also noch einmal 6 Meilen weiter bis zum Visitor-Center. Normalerweise unser erster Anlaufpunkt n einem Nationalpark. Spätestens dort sollte man seinen Pass vorzeigen oder bezahlen, wenn die Entry-Station nicht besetzt ist. Und eigentlich informieren wir uns hier ein wenig. Was man wo machen und sehen kann, wie sind die Wanderwege beschaffen, gibt es einen Loop, den man fahren könnte? Nach also fast 30 Kilometern kommen wir an einen Parkplatz, der schon recht gut gefüllt ist. Aber hier: nur eine einsame Rangerin, die die Mülltonnen geleert hat. Ansonsten: Toiletten geöffnet, Visitor-Center zu. Ist wieder Lockdown? Wir haben nichts gehört…
Wir machen uns selbst auf den Weg über einen Mini-Trail. Gut ausgeschildert, gute Hinweise zu anderen Wanderwegen, sehr informativ. Aber wenn wir ehrlich sind: nicht, was wir erwartet haben. Schön, ja. Aber mehr was der Hoh Rainforest ist wohl mehr was für ausgedehnte Wanderungen oder Backpacker. Für ersteres reicht unsere Zeit heute nicht, die Kondition lassen wir mal außen vor. Und lange Wanderungen bergan sind zudem nichts mehr für meine Arthrose-Knie. Schade, aber nicht zu ändern. Wir sind ja beide keine 20 mehr… Backpacking ist auch nichts für uns. Also machen wir uns auf den Weg zurück. Uns hat der kleine Abstecher gut 2 Stunden gekostet und darüber ärgere ich mich. Aber ändern können wir es nicht mehr.
Also wieder fast 30 Kilometer zurück zur 101. Und der weitere Weg über die Olympic Peninsula ist auch wenig spektakulär und abwechslungsreich. Erst einmal führt die Straße uns ein Stück an der Küste entlang. Wenn man aber schöne Ausblicke erwartet, dann muss man immer wieder anhalten und durch die Bäume laufen. Wir fahren nämlich durch ziemlich bewaldetes Terrain. Von der Straße sieht man keinen Pazifik. Natur ist wunderschön, und wir lieben das normalerweise. Aber hier gibt es keine große Abwechslung, alles sieht irgendwie gleich aus. Wir hatten zwar auf ein Picknick in der Natur gehofft, wir entdecken leider weder Parkplätze und schon gar keine Picknickarea. Aber mittlerweile ist es Mittag und wir haben ja nicht viel gefrühstückt heute Morgen. Bei Queets halten wir an einer Tankstelle, weil wir hier einige Picknicktische sehen. Also dann Picknick an der Tankstelle. Hat ja auch was, und normalerweise beobachten wir gerne das Treiben an solchen Orten. Aber außer dem Wind trieb hier nichts...
Wir haben noch zwei Salate, die wir bis hierhin gut gekühlt transportieren und in den Motels auch sofort im Kühlschrank verstauen. Auf meinen Salat habe ich mich besonders gefreut, denn ich probiere gerne Kreationen, die ich von zuhause nicht kenne. Hirtenkäse, Granatapfelkerne, Nüsse mit einem wirklich sehr leckeren Himbeerdressing. Thomas Santa-Fe-Style-Salat und auch meiner waren noch haltbar und haben wirklich gut geschmeckt. Dass ich das hier extra erwähne, hat seinen Grund...
Beim Essen blicken wir auf unseren Besuch auf der Olympic Peninsula zurück und wir stellen für uns fest: gestern war schon echt ein Highlight, der Norden der Olympic Halbinsel ist wirklich schön. Sonst ist das hier eher ein Wanderparadies. Und natürlich kann man hier alle Möglichen Arten von Wassersport betreiben. Aber wenn man wirklich was vom Nationalpark sehen möchte, sollte man da mehr Tage einplanen wie wir. Für uns liegt der Fokus aber auf dem, was noch kommt und die Olympc Peninsula war für uns mehr der Weg zum nächsten Ziel. Wir wollen einen großen Teil der Strecke die berühmte 101 fahren, und die geht nunmal hier oben lang. Obendrauf soll die Pazifikküste hier besonders schön sein und das ist sie wirklich. Also für uns ein lohnender Umweg, denn wir hätten auch einen kürzeren Weg nach Oregon nehmen können...
Wir genehmigen uns noch einen guten Kaffee und telefonieren mit New York, denn Verwandtschaft von uns startet dort heute den ersten USA-Besuch und wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden und versorgen uns mit Informationen. Und dann hat die 101 uns wieder und wir fahren weiter.
Etwa eine Stunde später sind wir kurz vor Aberdeen, und mittlerweile ist es etwas abwechslungsreicher geworden, denn wir kommen durch kleine Ortschaften, die die Eintönigkeit etwas unterbrechen. Auch der Verkehr wird wieder etwas mehr, aber trotzdem ist es nicht stressig hier zu fahren. Trotzdem bricht mir plötzlich der Schweiss aus, obwohl die Klimaanlage läuft, als wir an einer Ampel stehen und mir wird speiübel. Gut, daß direkt eine Tankstelle neben uns ist. Ich fahre vor den Shop und laufe direkt rein zu den Toiletten. Und kaum, daß ich die Kabine betrete, lasse ich mir den Salat nochmal durch den Kopf gehen. Es wird erstmal besser, aber ich bekommen schlimme Magenkrämpfe und mein Kreislauf will nicht so, wie ich das möchte. Ich verlasse die Kabine und setze mich auf einen kleinen Hocker, der dort steht. Mannomann, ist mir das peinlich und ich bin froh, daß gerade niemand sonst im Bathroom ist. Langsam beruhigt sich mein Kreislauf, am Waschbecken lasse ich mir kaltes Wasser über die Handgelenke laufen. Dass ich noch die Sonnenbrille anhabe, merke ich erst beim Blick in den Spiegel.
Ich verlasse den Bathroom, Thomas steht mit besorgtem Blick vor mir. Ich war tatsächlich fast eine halbe Stunde da drin... Im Kofferraum haben wir noch ungekühltes Wasser, das trinke ich erstmal. Eine Wohltat, obwohl der Magen noch mächtig zwickt. Aber dagegen habe ich was mit, was auch meine Fahrtüchtigkeit nicht einschränkt. Und nach einer weiteren halben Stunde bin ich wieder soweit fit, daß wir weiterfahren können. Thomas hatte Gott sei Dank keine Probleme, also gehen wir mal davon aus, daß mein Salat nicht mehr so in Ordnung war, wie er aussah und geschmeckt hat. Nochmal habe ich ihn übrigens nicht geholt. Sicherheitshalber, auch wenn er super geschmeckt hat.
In Aberdeen überqueren wir den Chehalis River...und sind runter von der Olympic Peninsula. Weiter geht es über Land, es ist teils schön und teils...wieder nur Asphalt und Wald. Aber auch das gehört zu einem Roadtrip. Aber kurz hinter Raymond wird es wieder richtig schön. Und somit für uns persönlich auch sehenswerter. Zumindest vom Auto aus. Jetzt bemerken wir: der 2-Stunden-Abstecher in den Regenwald, der zumindest für uns nicht das war, was wir uns vorgestellt haben, hat uns ziemlich zurückgeworfen in der Zeit. Und sicher auch mein Ausflug in die Toilette der Tankstelle. Jetzt in der schönen Landschaft ist kein großer Spielraum mehr für unsere spontanen „och, lass mal hier anhalten“-Momente. Können wir sonst besonders gut und das fehlt uns ein wenig heute. Aber wenn wir eines nicht möchten, dann im Dunkeln fahren. Man sieht dann ja nix. So verlassen wir auch kurz die 101 und nehmen den direkten Weg über die 4 und dann die 401. Spart uns eine gute halbe Stunde.
Und dann liegt er plötzlich vor uns: der Columbia River! Wenn wir schon vom Mississippi beeindruckt waren, fehlt mir hier die Superlative. Dass der Fluß so riesig breit ist, damit haben wir nicht gerechnet und dachten erst, wir fahren auf einen See zu. Herrschaftszeiten, kann einen denn niemand vorwarnen? Wir sind platt. Und begeistert von der Landschaft. Ok, zumindest, bis es etwas „industrieller“ wird. Aber muss ja auch sein.
Wir stoßen wieder auf die 101 und überqueren den Columbia River auf der Astoria-Megler-Bridge, die fast 4 Meilen lange Brücke, die im Staat Washington beginnt und in Oregon endet. Genauer gesagt in Astoria, unserem heutigen Tagesziel. Sie ist die längste durchgehende Fachwerkbrücke in Nordamerika. Die Brücke ist übrigens seit 1993 mautfrei, nachdem die Baukosten durch Mauteinnahmen abbezahlt waren. Zu Fuss kann man nur einmal im Jahr drüber, wenn die Brücke für den jährlichen 10km-Lauf, dem "Great Columbia Crossing", geöffnet ist.
Die Brücke ist nur vor Astoria sehr hoch, damit die großen Schiffe drunter her fahren können. Also mit Höhenangst ganz gut zu bewältigen...ich weiss, wovon ich rede.
Und somit sind wir in Oregon angekommen. Was uns etwas ärgert: es gibt kein "richtiges" Welcome-to-Oregon-Sign. Also keins, wo man sich davorstellen und Fotos knipsen kann. Gehört doch irgendwie dazu, oder? Ein Schild hängt da, wo Oregon beginnt, also mitten irgendwo auf der Brücke, die Grenze verläuft nämlich durch den Columbia River. Da kann man nicht anhalten. Das andere Schild hängt zwar in Astoria, aber an der großen Kreuzung, wenn man die Brücke runterkommt. Da man dort nicht parken kann, müsste man ein mittelschweres Verkehrschaos anzetteln, um sich mal eben vor das wenig schöne Schild zu stellen. Das machen wir natürlich nicht, unsere Chance wird sicher noch kommen. Von Washington haben wir ja auch noch kein Foto. Auf der anderen Seite des Columbia River gibt es zwar ein Schild auf einem Parkplatz, aber das haben wir vor Begeisterung dezent übersehen.
Unsere erste Nacht in Oregon verbringen wir übrigens direkt an der berühmten Astoria-Bridge. Wir haben das Motel 6-Astoria, OR (288 West Marine Drive, Astoria, OR 97103) gewählt und zahlen für eine Nacht ohne Frühstück etwa 95€. Das Motel ist einfach, aber ganz ok. Außen könnte es mal etwas Farbe vertragen, aber der Pazifik ist nicht weit weg und die berühmte Seeluft fordert hier halt ihren Tribut. Die Zimmer sind wirklich sehr groß und sauber. Was uns stört: der Geruch! Es stinkt nicht, aber hier hat man scheinbar etwas zu tief in die Duftkiste gegriffen. Den Duft von Räucherstäbchen muss man mögen. Aber immerhin gibt es im Motel den berühmten Parkplatz vor dem Zimmer und kostenlosen Kaffee. Und dauerhaft den Blick auf diese imposante und berühmte Brücke. Das ist uns wichtiger.
Fluss und Stadt erkunden wir dann morgen früh. Die Fahrt war wieder länger wie gedacht und hat uns echt angestrengt...und auch mein Magen meldet sich wieder, also gibt es zum Abendessen eine heiße Nudelsuppe, die hilft. Und ein Mittel gegen die Übelkeit. Davon schlafe ich tief und fest, nachdem wir den Abend gemütlich vor dem Motel Blick auf die Brücke habe ausklingen lassen.













































