Redwoods und Küstenroute 1: Kalifornien 2025

07. Mai 2025

Redwoods & Route 1 entlang der kalifornischen Küste

Wir starten früh am Morgen in Crescent CIty. Bevor wir losfahren legen wir unser Ziel für heute fest. Wir wissen, wir wollen so Einiges sehen, wollen aber auch halbwegs nah an San Francisco sein, damit wir morgen nicht zu spät dort eintreffen werden. Der Verkehr in Frisco macht mir schon ein wenig Sorgen, denn ich kann es nicht einschätzen. Also wird das Super 8 by Wyndhm in Frort Bragg gebucht, 888 South Main Street, Fort Bragg, CA 95437. Die Nacht kostet uns mit Frühstück auch wieder knapp 85€, ein fast normaler Preis, wie wir finden.

Von Crescent City selbst haben wir nur ein wenig bei der Durchfahrt gesehen. Ein typischer Küstenort halt, der einen enormen Vorteil hat: es geht von hier direkt auf den Redwood Highway. So wird der Abschnitt der 101 genannt. Ganz offiziell, mit Schildern. Bis auf ein paar Baustellen kommen wir auch ganz gut voran und plötzlich stellen wir fest: wo fängt eigentlich der Redwood Nationalpark an? Denn da wollen wir ja eigentlich hin. So richtig gut ausgeschildert ist er nämlich nicht. Natürlich fahren wir seit Crescent City durch Waldabschnitte mit Bäumen, die schon wahnsinnig hoch sind. Aber da soll es ja noch mehr geben…

Nachdem wir durch ein merkwürdiges Örtchen namens Orick durch sind, weist uns ein Schild den Weg zu einem Visitor Center. Merkwürdig, weil wir erst denken, Orick ist eine Ghosttown. Aber es gibt sogar eine Schule und tatsächlich sollen hier rund 320 Menschen leben. Wir entdecken sogar die ein oder andere Unterkunft, die man rund um Orick mieten kann. Hm. 

Im Visitor Center wird uns geholfen. Der Nationalpark setzt sich im Prinzip aus mehreren State Parks zusammen, erklärt man uns, der eigentliche Nationalpark wäre mit dem Auto schwer zu erobern, er ist mehr für Wanderer ausgelegt. Schön, aber da wir nur auf der Durchreise sind, für uns nicht so ideal. Die junge Dame empfiehlt uns einen wirklich schönen Loop, den Newton B. Drury Scenic Byway. 

Also geht es wieder durch Orick ein kurzes Stück zurück und wir nehmen genau die Ausfahrt, an der wir uns eben gefragt haben, wo wir wohl hinmüssen. Und der Scenic Byway führt uns zum ersten Mal durch einen Wald, in dem es unzählige dieser wunderschönen, großen Bäume gibt. Wow! Wir sind erschlagen, von dem, was wir sehen. Diese Bäume wachsen ja fast in den Himmel. Oder sogar noch ein Stück weiter?

Wir halten immer wieder an und laufen kleine Trails, die uns zwischen den Riesen entlangführen und können uns kaum satt sehen. Die Natur schafft immer wieder kleine Wunder, und hier können wir es sogar berühren. Viel zu schnell sind wir durch den Loop durch und wir setzen unsere Fahrt beeindruckt fort. Aber wir wissen, es kommt noch was…

Wir fahren weiter die 101, die uns durch Eureka führt. Viel Verkehr für das knapp 26.000-Seelen-Örtchen. Mittlerweile haben wir den schönsten Sonnenschein und von den morgigen knapp 12 Grad ist nicht mehr viel übrig. 27 Grad sind es mittlerweile. Das ist also das typische Pacific-Coast-Wetter. Morgens kühl und wolkig, dann kommt die Sonne raus, die Wolken verziehen sich und man hat das schönste Wetter. Im Idealfall natürlich, das ist ja nicht immer gleich. Und die 101 führt uns mittlerweile weg von der Küste, das mag auch noch eine Rolle spielen…

Die 101 führt uns durch das Städtchen Fortuna und kurz hinter Stafford fängt sie an, die berühmte „Avenue of the Giants“. Eine 32 Meilen lange Strasse, parallel zur 101, bekannt auch als State Route 254 im Humboldt Redwood State Park. Wie Soldaten aufgereiht tausende dieser wunderschönen Bäume. Die kalifornischen Redwoods gehören übrigens zu den höchsten Bäumen der Welt. Wie hoch sie sind? Keine Ahnung. Die lateinische Bezeichnung für diese Küstenmammutbäume ist Sequoia sempervirens, und sie können bis zu 110m hoch werden. Sie gehören übtigens der Fammilie der Zypressen an, das haben wir gelernt. Kaum vorzustellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Und auch jetzt ist das alles noch irgenddwie surreal. Diese Bäume sind tausende von Jahren alt, haben Stürme, Feuer und so manche Geschichte überlebt. Wenn die reden könnten…

Noch ein Fun Fact, den wir gelernt haben: natürlich ist der Redwood der Staatsbaum von Kalifornien.

Man hat hier und auch später in Leggett die Möglichkeit, sogar durch einen Baum hindurchzufahren. Mit dem Auto, wenn es passt. Dafür muss man tatsächlich 15$ bezahlen. Ganz ehrlich, das sehen wir nicht ein. Wir unterstützen die Nationalparks und State Parks wirklich gerne mit unserem Eintritt und dem ein oder anderen Souvenir natürlich. Einfach weil wir wissen, dass man damit den Erhalt, den Schutz und natürlich die Mitarbeiter unterstützt. Aber hier versucht man mit einem kurzen, für uns fragwürdigem Vergnügen, Geld zu scheffeln. Das unterstützen wir nicht. Fragwürdig deshalb, weil man dafür diese wunderschönen Bäume extra verletzt und beschädigt hat, um solche Durchfahrten zu ermöglichen. Es gibt doch auch so genug Möglichkeiten, sich auch einmal in einen Baum zu stellen. Ja, richtig gelesen. Es gibt Bäume, die zum Beispiel durch Feuer und Blitzschläge, ausgehölt sind, und da kann man rein. Die Bäume sind aber nicht tot, sondern sie haben sich regeneriert und wachsen oben ganz normal weiter. DAS ist ein Erlebnis. 

Irgendwann sind auch die schönsten 32 Meilen durchfahren und kurz darauf geht es für uns auf die berühmte Calidornia 1, den Pacific Coast Highway. Sie verläuft hier fast parallel zur 101, die bereits in Washington startet und bis Los Angeles führt und die wir immer wieder ein Stück unserer Route fahren.

Wenn man denkt, die CA-1 verläuft nur am Pazifik entlang, der irrt. Wir auch. Die ersten Meilen führen eine Bergstrasse mit Kurven und Windungen den Berg hinauf, auf der anderen Seite wieder genauso herunter. Nur dass dann das Wetter wieder ein ganz anderes ist. Gerade noch knapp 27 Grad und strahlender Sonnenschein, landen wir plötzlich auf der anderen Bergseite wieder im Nebel und haben nur noch 12 Grad! Und die Kälte bleibt bis Fort Bragg, soviel kann ich schon verraten. 

Nachdem wir den Berg überwunden haben, geht es am Pazifik entlang. Aber nicht in gerader Linie. Und wenn man sieht, wo man sich nur Minuten später entlangschlängelt, dann wundert es einen nicht, dass immer wieder mal Abschnitte des PCH gesperrt sind, weil ein Stück abgerutscht ist. Herrje, also Spass macht die Strecke schon zu fahren, aber starke Nerven können nicht schaden. Auch hier haben wir immer wieder schöne Ausblicke auf den wilden Pazifik. So, wie wir es von Bildern kennen. Das hat was. Ja, der Norden Kaliforniens gefällt uns. Das komplette Gegenteil von dem, was wir bisher von Kalifornien kannten.

Aber irgendwann sind auch wir an unserem Ziel angekommen. Fort Bragg macht jetzt nicht gerade den schönsten Eindruck. Aber einen Historic District gibt es, aber den schauen wir uns morgen früh an. Bevor es auf die letzten Meilen nach San Francisco geht.

Unser Motel macht auf den ersten Blick auch nicht den schönsten Eindruck, aber wir wollten für den kurzen Übernachtungsstopp keine Luxusherberge zum dreifachen Preis im nächsten Ort. Dafür ist unser Zimmer eine Augenweide. Hübsch eingerichtet, sauber. Und draussen sitzen kann man auch. Mit Jacke, aber es geht.

Was gar nicht ging: das Einchecken! Statt eines Menschen quatscht uns plötzlich ein Bildschirm an. Darauf zu erkennen ein Jüngling, dessen Englisch absolut unterirdisch war. Trotzdem hat das ganze Prozedere irgendwie geklappt. Die Keycard kam aus dem Automaten. Was wir nicht wussten: unsere Zimmernummer! Na super. Ein junger Mann, also diesmal ein Mensch aus Fleisch und Blut, erschien hinter dem Desk im Office, der uns aber weiterhelfen konnte. Er entschuldigte sich, dass das digitale Einchecken noch nicht so gut funktioniere. Die Telefonhosts sässen in Indien und sprächen noch nicht so gut englisch. Als ob ich das nicht schon gemerkt hätte… Aber er teilte uns die Zimmernummer mit und war wirklich nett. Geht doch. Naja, vielleicht hätte ich diesen digitalen Heini nicht mit „sehr schlecht“ bewerten sollen, dann hätte er uns die Rechnung auch ausgedruckt…

Wir haben nichts gegen Digitalisierung und Fortschritt. Aber in gewissen Situationen arbeite und rede sogar ich lieber mit "richtigen" Menschen. Zum Beispiel beim Einchecken...

Wirklich viel gegessen haben wir heute noch nicht. In unserem Motel in Crescent City gab es nur Kaffee, den wir zu unseren Donuts, die wir immer als Notreserve dabei haben, getrunken haben. Und irgendwie fehlte unterwegs auch der Hunger. Der kommt dann dafür jetzt mit voller Wucht, nachdem wir unser Auto ausgeladen haben und zur Ruhe kommen. Aber Lust, uns selbst noch etwas zuzubereiten, haben wir auch nicht. Also haben wir uns ein wenig die Füsse vertreten und sind zu: "TACO BELL"! Eine Fastfood-Kette, mit angeblich mexikanischem Essen. Bei einigen Leuten scheint das das Nonplusultra zu sein, so wie diese Kette angepriesen wird. Ich persönlich liebe mexikanisches Essen und so wollten wir das auch unbedingt mal probieren. Gut besucht ist der Laden, also kann es ja nicht schlecht sein, das Essen…

Was soll ich sagen? Wir haben die verschiedensten Sachen bestellt, damit wir uns durchprobieren und eine Meinung bilden können. Egal, was wir probiert haben… Ja, Geschmäcker sind unterschiedliches, aber für uns war es einfach nur widerlich. Ganz ehrlich, das hat nichts mit mexikanischem Essen am Hut. Das ist eine Beleidung an die mexikanische Küche. Wer das isst, der isst auch kleine Kinder. Oder weiß es nicht besser. Schade um das Geld und es war einfach nur PFUI. Was wir sonst nie machen: das Essen wandert in den Müll. Und wir auf dem Weg zurück zum Motel in die nächste Taankstelle. Da gibt es auch einen mexikanischen Grill. Einfach, aber wirklich gut. Und sogar Thomas, der sonst kein großer Fan der mexikanischen Küche ist, haben die Burritos und Tacos sehr gut geschmeckt. Also wir werden nie wieder so einen „Taco Bell“ betreten. Und hoffen, daß das Gerücht, daß diese kette nach Deutschland kommen soll, auch ein Gerücht bleibt. Alter Falter…was ein Frass…

Aber das Kapitel „Taco Bell“ ist geschlossen und trübt unsere Laune keinesfalls. Morgen geht es nach Frisco…und wir sind mega gespannt. Wir haben viel gehört und ehrlich gesagt nicht so viel Schlechtes wie über Los Angles. Aber es ist auch eine Großstadt. Und von LA sind wir heute noch nach 4 Jahren absolut enttäuscht. Wie wird es uns also in Frisco ergehen? Und werden wir die Golden Gate Bridge wenigstens einen Tag in voller Pracht sehen können? Mit diesen Gedanken schlafen wir heute ein.

© 2026 Silke & Thomas Geipel – Alle Rechte vorbehalten

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