5. Mai 2025
Multnomah Falls und ein etwas anderes Capitol
Nachdem wir unser Motel in Astoria verlassen haben, machen wir noch einen kleinen Bummel durch den Historic District. Astoria ist die älteste dauerhaft besiedelte amerikanische Siedlung westlich der Rocky Mountains und liegt an der Mündung des Columbia River in den Pazifik. Die Stadt hat heute rund 10.000 Einwohner.
Der Name geht auf den deutschstämmigen Unternehmer John Jacob Astor zurück. Astor wurde ursprünglich als Johann Jakob Astor in Walldorf in Baden-Württemberg geboren und wanderte später in die USA aus. Er wurde einer der reichsten Männer Amerikas und verdiente sein Vermögen vor allem mit Pelzhandel und Immobilien.
1811 gründete seine Pacific Fur Company dort einen Handelsposten. Daraus entwickelte sich später die Stadt Astoria. Der Ort wurde nach Astor benannt. Wenn man jetzt Namen und Geburtsort in einen Zusammenhang bringt, dann kommt man schnell auf das früher grösste Hotel der Welt. Das Waldorf Astoria in New York.
Eigentlich wurden damals zwei Hotels zusammengelegt, weil sich die Familie in die Haare bekam, das Waldorf und das Astoria. Und tatsächlich ist Astoria heute noch die Partnerstadt von Walldorf in BaWü.
Soviel mal zur Geschichte. Ein bißchen interessant finde ich das schon.
Wir parken übrigens kostenlos mitten in der Stadt auf einem großen Parkplatz. Zumindest um diese Uhrzeit ist er kostenlos. Und machen uns zu Fuß auf, die kleine Stadt zu erkunden.
Heute noch sind in Astoria viel alte Gebäude erhalten, und es wirkt gepflegt. Sogar die Mülltonnen haben ansprechende Bemalungen. Kann das nicht immer so sein? Astoria ist zudem ganz schön hügelig, vielleicht ein erster Vorgeschmack auf San Francisco? Wir werden sehen… Wir bummeln ein wenig durch die Strassen, auf denen natürlich noch nicht viel los ist. Hier und da jemand, der miit dem Hund Gassi geht oder auf dem Weg zur Arbeit ist. Aber…alle grußen freundlich! Das ist hier in den USA so üblich und das ist etwas, was wir so mögen. Grüß mal einer einfach so bei uns auf dem Markt einer einen Fremden!? Auf die Reaktion kann ich sicher verzichten…
Die Geschäfte haben natürlich noch geschlossen ganau wie das Filmmusuem. Das wollten wir zwar sehen, aber nicht noch 3 Stunden warten. Jepp, wir sind mal wieder als Earlie Birds unterwegs. Dann muss man mit sowas rechnen.
Wir schlendern zum Fluss runter und erwischen leider eine Strasse, die dann nicht so schön ist. Hier gibt es auch das, was wir leider nur aus größeren Städten kennen. Keine Zeltstadt, aber hier tummeln sich dann etwas weniger vertrauenswürdige Gestalten. Nicht viele, aber wir legen einen Schritt zu. Passiert ist nichts, aber angenehm ist anders.
Wir haben auf eine geöffnete kaffeebude am Fluss gehofft, aber auch hier ist noch alles geschlossen. Nachdem wir noch ein wenig die großen Schiffe auf dem Columbia River beobachtet haben, machen wir uns auf den Weg Richtung Parkplatz. Und was fällt uns da siedend heiss ein? Wir haben unsere Kühltasche und sämtliche Lebensmittel im Motel vergessen! Also zurück durch die Neighborhood, auch hier wieder schöne alte Häuser, die wirklich gepflegt wirken. Trotz des grauen Himmels. Gut dass Astoria nicht riesig groß ist. Man hat uns ohne Probleme nochmal in unser Zimmer gelassen. Diesmal packen wir alles ein und dann geht es wirklich los. Die Strasse hat uns wieder und wir sind gespannt auf unser erstes Ziel, die Multnomah Falls.
Vor uns liegen knapp 2 Stunden Fahrt, entlang des Columbia River. Mehr oder weniger. Aber dass wir nochmal zurück nach Washington kommen, damit haben wir gar nicht gerechnet. Naja, wer sich die Route vorher anschaut ist dann doch im Vorteil, oder!? Übrigens haben wir hier auch keine Chance bei unserer Jagd auf Welcome-Signs. Oder wir haben sie wieder nicht gesehen. Naja, touristisch ist das hier nicht, eher industriell. Aber der kürzeste Weg zu unserem Ziel. Glauben wir. Unser Navi hat da manchmal ein Eigenleben…
Zweimal überqueren wir diesen gewaltigen Fluss, durchqueren Vancouver und dann ist sie auch fast da, unsere Ausfahrt. Mittlerweile sind wir in der Columbia River Gorge Scenic Area angekommen und sind angenehm überrascht. Die Strecke geht ein Stück über den Historic Highway 30, den kannten wir noch gar nicht. Schön ist es, etwas abenteuerlich, aber schön. Und dann sind wir am Parkplatz. Denken wir. Dies ist aber erst einmal der Parkplatz zu dem kleineren Wahkeema Falls. Auch ein Wasserfall. Auch schön. Aber nicht der, zu dem wir hin möchten. Also schnell ein paar Fotos, wieder ins Auto und zum nächsten Parkplatz. Wären wir auch gelaufen, aber ob da ein Weg hinführt, haben wir bis jetzt nicht herausbekommen. Auf der Strasse laufen jedenfalls ist verboten, genug Schilder weisen darauf hin. Also fahren wir.
Als wir auf den Parkplatz einbiegen sehen wir schon: kostenpflichtig. Wieviel, steht da aber lieber nicht dran.
Ein junger Mann kommt auf uns zu. Der, der das Geld eintreiben soll, vermuten wir. Ob ihm das Ganze selbst nicht so geheuer war? Er klärt uns jedenfalls darüber auf, dass er 20$ von uns kassieren müsse, wenn wir dort parken. Oder, fuhr er fort, wir fahren wieder ein Stück zurück auf der I-84, nehmen die Ausfahrt 31 und parken dort auf dem Parkplatz, der ist zumindest bis Memorial Day kostenlos. Von dort ist es ein kurzer Fußmarsch zum Wasserfall.
Genau das machen wir. Also 5$ für den Parkplatz hätten wir bezahlt. Aber 20$? Wofür? Man schaut sich den Wasserfall an und fährt wieder. Also wir zumindest. Zeitaufwand vielleicht eine Stunde.
Der kurze Weg zurück ist schnell gemacht und vom Parkplatz können wir schon den Wasserfall sehen. Nicht ganz, aber ein wenig. Und wir sind ehrlich erstaunt, dass der Weg tatsächlich so kurz ist. Wir haben mit einer kleinen Wanderung gerechnet. Aber kaum eine Viertelstunde später stehen wir schon auf der Brücke, die immer so schön auf den Fotos zu sehen ist. Und geniessen einen tollen Blick auf den höchsten Wasserfall hier in Oregon. Fast 188m fällt das Wasser hinunter. Ein toller Anblick. Ja, man hätte auch bis ganz oben laufen können. Hätte. Genau. Alles bergauf. Aber uns reicht das hier. Und wir gehen gemütlich zurück zum Parkplatz.
Wir fahren Richtung Salem, unserem heutigen Tagesziel. Wir wollen es nicht übertreiben mit der Fahrerei, die langen Strecken kommen noch früh genug. Nach gut 2 Stunden, inklusive einer Pause um noch ein letztes Mal den Blick auf den Columbia River zu geniessen, und einem kleinen Mittagssnack in unserer Lieblingsburgerbude „Wendys“, stehen wir vor dem Capitol Building in Salem. Salem ist nämlich die Hauptstadt von Oregon, und eigentlich nur deshalb sind wir hier. Wenn man schonmal in der Nähe ist.
Das Capitol haben wir erst einmal fast übersehen. Wir haben natürlich nach der typischen Kuppel Ausschau gehalten. Hat es nicht. Das Gebäude sieht komplett anders aus, wie wir es gewohnt sind. Schön, ja. Aber eben anders. Ein bißchen enttäuscht sind wir schon…
Als wir erfahren, dass es in der Zeit 1938/39 nach einem Brand neu gebaut wurde, erklärt sich uns irgendwie die Bauweise. Monumental könnte man es bescheiben, alles klar!?
Der Außenbereich ist genauso so schön gestaltet, wie wir es gewohnt sind. Nur hier iwirkt das alles etwas kühler, passend zum Gebäude selbst. An der Baustelle stören wir uns nicht großartig, dagegen kann man nichts machen. Aber hier wird gerade alles barrierefrei umgebaut. Trotzdem wirkt alles sehr sauber.
Gegenüber vom State Capitol ist der typische, kleine Park. Informationen zum Staat Oregon sind im Bürgersteig eingelassen, und wir lernen, dass das „Staatsgemüse“ von Oregon die Kartoffel ist. Unter anderem. Aber das mit der Kartoffel kann ich mir merken…
Im Innern werden wir komplett überrascht. Keine Verschnörkelungen, sondern klare Linien und heller Marmor. Schlichte Eleganz könnte man sagen und ja, es gefällt uns nun doch ganz gut, wie wir bei unserem Bummeln durch die fast leeren Gänge feststellen. Eben weil es vielleicht anders ist.
Auch mit unserem Besuch im Capitol sind wir schneller durch wie gedacht und mittlerweile ist es richtig warm und schwül geworden. Viel mehr gibt es in Salem nicht wirklich zu sehen, unsere Meinung. Historic Downtown ist vom Auto aus ganz nett, aber uns lädt es nicht wirklich zum Anhalten und Bummeln ein.
Am Willamette Riverm der durch Salem fließt, soll ein netter Riverfront Park sein. Bei der schwülen Luft genau das richtige für uns. Ein kühles Getränk auf einer Bank mit Blick auf den Fluss…weit gefehlt. Gut, dass wir vorher mal geschaut haben, heutzutage ist das ja nicht schwer. Spazieren könnte man, oder Radfahren. Eine Veranstaltung ist gerade nicht und ein altes Karrussel ist nicht das, was wir unbedingt sehen müssen, Eine Möglichkeit, Getränke zu kaufen finden wir auch nicht. Also lassen wir das mit dem Park und geht es Richtung Motel. Gemütlich vor dem Zimmer noch etwas trinken und zur Ruhe kommen. So wie wir es lieben. Das ist zumindest der Plan.
Nacht Nummer 2 in Bundestaat Nummer 2 verbringen wir im Howard Johnson by Wyndham Salem (2250 Mission Street South East, Salem, OR 97302). Kostenpunkt für eine Nacht: knapp 90€ mit Frühstück.
Also nicht falsch verstehen. Wir brauchen keinen Luxus. Aber Luft zum Atmen. Und was unser Motel leider nicht hatte, war die Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten. Kein Aussenlauf, keine Bank, einfach nichts. Die Angestellten waren alle wirklich superfreundlich, es war sauber und das Zimmer war groß und mit allem ausgestattet, was man braucht. Aber wir fühlten uns irgendwie eingesperrt.
Neben dem Hotel ist eine Drive-in Kaffeebude. Sieht man hier im Norden recht oft. "Dutch Bros", eine Kette. Die wollten wir auf Empfehlung auch mal probieren. Also nichts wie rüber. Zu unserem Glück gab es da dann auch einen Picknick-Tisch, an dem wir unseren Kaffee hätten geniessen können. Irgendwie haben wir das auch. Was uns bei dieser Kette allerdings immens gestört hat: die Hektik! Klar, für den Drive-in muss man nicht rumtrödeln, die Leute wollen ja weiter.
Wir schlendern also auf den Picknicktisch zu und wir werden sofort von einem jungen Mann in Empfang genommen, der gleich nach unserer Bestellung fragt.
Ja ich muss aber erstmal wissen, was ich möchte, oder? Service ist ja schön, aber übertreiben muss man nicht. Genau das mögen wir ja auch schon in den Restaurants nicht…
Aber der junge Mann ist wirklich nett und holt dann auch unseren Kaffee aus dem kleinen Häuschen. Wie sich herausstellt, ist er eigentlich ein Fahrradkurier, der Kaffeebestellungen ausliefert. Sachen gibt es. Und so entschwand er auch kurz darauf mit einer Bestellung. Ruhe hatten wir trotzdem nicht. In dem kleinen Häuschen, die für diese Drive-In-Kaffeebuden typisch sind, können wir mehrere junge Damen beobachten, die lautstark und übertrieben hektisch ihre Bestellungen abarbeiteten. So viel ist gar nicht los am Drive-in… Ne, das ist uns dann irgendwie too much. Vielleicht sollten sie selbst nicht so viel Kaffee und diese Energy.mischungen, die dort angeboten werden, zu sich nehmen!? Andere Kaffeebuden sind da gemütlicher und auch nicht so laut. Dann doch lieber wieder eine unabhängige Bude oder meine "Lieblingskette" Bigfoot Java. Da schmeckt es auch besser...
Um keinen Zimmerkoller zu bekommen, sind wir ein wenig shoppen gefahren. Diese kleinen Einkaufszentren, meist am Rande der Stadt gelegen, mögen wir gerne. Man ist unter Einheimischen, man hat mehrere Geschäfte zur Auswahl und wenn man Hunger hat, gibt es auch noch diverse Möglichkeiten.
Der kleine, ungeplante Ausflug hat uns gut getan, und ich bin nun endlich im Besitz von gleich 2 Stanley-Cups. So günstig hätte ich die in Deutschland nie bekommen. Und wir sind noch ein wenig durch die "Neighborhood" gefahren auf dem Weg zurück zum Motel. Ok, mehr dem Umstand geschuldet, daß wir falsch abgebogen sind...aber so lernt man die Umgebung bekanntlich am besten kennen.
Aber wirklich „warm“ werden wir mit Salem trotzdem nicht. Keine Ahnung warum. Hatten wir Vorstellungen, wie es hier ist? Nicht wirklich. Wir waren ja wegen des Capitols hier und das haben wir gesehen. Alles andere wollten wir auf uns zukommen lassen. Hätten wir vorab ein wenig recherhiert, dann wären wir sicher noch ein Stück weiter gefahren. So sitzen wir dann in Anbetracht fehlender Sitzmöglichkeiten im geöffneten Kofferraum von George, trinken noch einen kühlen Absacker und hängen unseren Gedanken nach. Wir haken Salem einfach als „nur Übernachtungsstopp“ ab und ärgern uns nicht weiter. Ansonsten haben wir ja viel schönes heute gesehen und morgen geht es schon weiter. Wir freuen uns auf die Küste Oregons, an die es gehen soll. Allerdings macht uns die Wettervorhersage ein wenig Bauchschmerzen…