Legendäres Alcatraz: Erinnerungen an den 11. Mai 2025

11. Mai 2026

Legendäres Alcatraz

Heute klingelt der Wecker ziemlich früh. Aber das macht uns nichts aus, denn heute geht es für uns zu einem absoluten Highlight in San Francisco, auf das wir uns wahnsinnig freuen. Es geht nach Alcatraz. Das wohl berühmteste Gefängnis der Welt. Und heute noch ein absoluter Magnet. Wenn man da nicht frühzeitig Tickets bestellt, wird es schwierig. Die sind teilweise schon Monate im voraus ausgebucht. Es gibt nur einen offiziellen Anbieter, um AUF die Insel zu kommen. Von allen anderen lässt man besser die Finger!

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Unser Tag beginnt ganz entspannt. Mit einem Waymo fahren wir zum Pier. Und wir müssen wirklich sagen: Diese fahrerlosen Taxis haben uns in San Francisco total begeistert. Alles funktioniert zuverlässig, unkompliziert und man kommt ganz entspannt ans Ziel.

Am Fährterminal angekommen, merken wir sofort wieder, wie gut hier alles organisiert ist. Vom Check-in über das Boarding bis zum Einsteigen auf die Fähre, alles läuft ruhig, strukturiert und ohne Hektik. Genau so kennen wir das von vielen Sehenswürdigkeiten in den USA.

 

Wir haben ganz bewusst die erste Fähre des Tages gebucht. Man kann bleiben, solange man möchte, denn wir wollen nicht die Zeit im Nacken haben.

 

Auf Alcatraz selbst gibt es keine Möglichkeit, etwas zu essen. Es gibt zwar einen großen Souvenirshop, in dem man Wasser kaufen kann, Lebensmittel oder Snacks werden dort aber nicht angeboten. Deshalb gönnen wir uns auf der Fähre erst einmal einen Kaffee und ein Croissant. Nicht so spektakulär lecker wie im Roundhouse an der Golden Gate Bridge, aber durchaus genießbar. Und ganz ehrlich: Mit einer Tasse Kaffee in der Hand, frischer Seeluft und dem Blick auf die langsam näher kommende Gefängnisinsel kann ein Urlaubstag kaum besser beginnen. Mit jedem Meter kommt die Insel näher und irgendwie steigt auch die Spannung. Alcatraz hat einfach eine ganz besondere Ausstrahlung.

 

Alcatraz, eigentlich ein großer Felsen, liegt mitten in der San Francisco Bay, nur rund zwei Kilometer vom Festland entfernt. Heute gehört Alcatraz zum Golden Gate National Recreation Area und wird vom National Park Service betreut. Wo früher Schwerverbrecher einsaßen, laufen heute jedes Jahr über eine Million Besucher durch dieselben Gänge.

 

Schon wenn man die Insel betritt, spürt man diese besondere Atmosphäre. Wir werden von einem Ranger des NPS begrüsst, der ein paar Verhaltensregeln mitgibt und erklärt, wo man was erkunden und anschauen kann. Auch wo man die Toiletten findet. "Davon gibt es auf Alcatraz sehr viele, aber benutzen sollte man nur die, die auch ausgeschildert sind. Alle anderen funktioniren nicht mehr so gut..." erklärte er fröhlich lachend. Bei manchen umliegenden Gesichtern machte sich Ratlosigkeit breit. Entweder verstehn sie kein Englisch, oder...

 

Von 1934 bis 1963 war Alcatraz das berühmteste Hochsicherheitsgefängnis der USA. Hier wurden nur Gefangene untergebracht, die in anderen Gefängnissen als besonders gefährlich oder kaum kontrollierbar galten. Namen wie Al Capone oder George “Machine Gun” Kelly machen Alcatraz weltweit bekannt.

 

Was überrascht: das Gefängnis war gar nicht besonders groß. Obwohl deutlich mehr Platz vorhanden gewesen wäre, lebten hier meistens nur rund 270 Gefangene. So konnten die Wärter jeden Einzelnen ständig überwachen.

Die Zellen selbst sind erstaunlich klein. Ein Bett, ein Waschbecken, eine Toilette und ein kleiner Klapptisch, mehr gab es nicht. Wenn man davorsteht, fragt man sich unweigerlich, wie Menschen hier jahrelang leben konnten.

 

Der Alltag war streng geregelt. Jeder Gefangene hatte lediglich Anspruch auf vier Dinge: Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Alles andere mussten sie sich verdienen. Besuche, Briefe, Bücher oder Freizeit gab es nur bei gutem Verhalten. Dieses sogenannte Privilegiensystem wurde später sogar zum Vorbild vieler anderer Hochsicherheitsgefängnisse in den USA.

 

Übrigens fanden wir eine Geschichte besonders spannend: ausgerechnet das Essen auf Alcatraz soll richtig gut gewesen sein. Die Gefängnisleitung war überzeugt, dass gutes Essen für weniger Ärger sorgt. Ehrlich gesagt klingt das sogar ziemlich logisch. Die Gefangenen wünschten sich, daß es mal Nudeln mit Tomatensoße gibt. Dieser Wunsch wurde auch erfüllt. ALs sie allerdings 4 oder 5 Tage hintereinander ihr "Wunschgericht" bekamen, fanden sie daß dann aber nicht mehr so toll. Fast wurde daraus ein kleiner Aufstand...

 

Ein ziemlich beklemmendes Gefühl hatten wir im D-Block. Dort befanden sich die berüchtigten Isolationszellen. Teilweise saßen Gefangene hier tagelang in völliger Dunkelheit. Wenn man heute dort steht, bekommt man eine Gänsehaut. Und spätestens, wenn sich während der Audiotour eine schwere Zellentür mit einem lauten Knall hinter einem schließt, läuft einem wirklich ein Schauer über den Rücken. Wir wussten natürlich, dass die Tür gleich wieder aufgeht, aber für diesen kurzen Moment bekommt man eine kleine Vorstellung davon, wie sich die Gefangenen damals gefühlt haben müssen.

 

Doch auch im sichersten Gefängnis Amerikas blieb es nicht immer ruhig. Im Mai 1946 kam es zur „Battle of Alcatraz“, einem der blutigsten Gefängnisaufstände der US-Geschichte. Sechs Gefangene wollten fliehen. Weil ihnen jedoch ein entscheidender Schlüssel fehlte, scheiterte der Plan. Aus der Flucht wurde eine Geiselnahme und schließlich ein zweitägiger Schusswechsel. Erst als Marines der US Navy eingriffen, konnte der Aufstand beendet werden. Zwei Wärter und drei Gefangene verloren dabei ihr Leben.

 

Und dann gibt es natürlich noch die Geschichte, die Alcatraz endgültig zur Legende gemacht hat.

1962 gelang Frank Morris und den Brüdern John und Clarence Anglin die wohl spektakulärste Flucht der Gefängnisgeschichte. Mit selbstgebauten Werkzeugen gruben sie sich aus ihren Zellen, bauten aus Regenmänteln ein Floß und verschwanden in der Nacht.

Ob sie tatsächlich überlebt haben oder in den eiskalten Fluten der San Francisco Bay ums Leben kamen, weiß bis heute niemand. Genau dieses ungelöste Rätsel macht Alcatraz bis heute noch geheimnisvoller.

 

1963 wurde das Gefängnis geschlossen. Nicht, weil es unsicher geworden wäre, sondern weil der Betrieb schlicht zu teuer war. Alles, vom Trinkwasser bis zu den Lebensmitteln, musste per Schiff auf die Insel gebracht werden. Nicht nur für die Gefangenen, sondern auch für die Wärter und ihre Familien. Auch sie lebten auf Alcatraz. Ein sehr abgeschiedenes Leben.

 

Mit der Schließnug war die Geschichte von Alcatraz noch lange nicht vorbei. 1969 besetzte die indigene Gruppe „Indians of All Tribes“ die Insel. Ganze 19 Monate lang protestierten sie gegen die Benachteiligung der indigenen Bevölkerung und machten weltweit auf ihre Forderungen aufmerksam. Noch heute erinnern die roten Schriftzüge auf den Gebäuden an dieses bedeutende Kapitel der amerikanischen Geschichte.

 

Alcatraz kann man eigentlich nicht beschreiben, man muß es selbst gesehen und erlebt haben. Was ich hier festgehalten habe, ist nur ein kleiner Teil dessen, was wir bei der kostenlosen Audiotour gehört haben. Die gibt es in 12 Sprachen und ganz ehrlich: für uns ist es die beste Audiotour, die wir gehört haben. Aufgebaut mehr wie ien Hörspiel und kein langweiliges Runterquatschen. Man hört ehemalige Wärter und Gefangene erzählen, läuft durch die originalen Zellen und taucht so tief in die Geschichte ein, dass man stellenweise vergisst, dass man eigentlich nur Besucher ist.

 

Für uns ist Alcatraz deshalb viel mehr als nur ein ehemaliges Gefängnis. Es ist ein Ort voller Geschichten, voller Geheimnisse und voller Gänsehautmomente.

 

Nach unserem Besuch können wir absolut verstehen, warum die Tickets oft Wochen oder sogar Monate im Voraus ausgebucht sind. Die Kombination aus der Überfahrt, der beeindruckenden Geschichte und der außergewöhnlich guten Audiotour macht Alcatraz zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.


Nachdem wir wieder an Land sind, überkommt uns eine gewisse Wehmut. Uns wird nämlich bewusst, dass dies unser letzter tag hier in San Francisco ist. Wir bummeln mal wieder Richtung Pier 39, aber diesmal, um den Seelöwen "tschüss" zu sagen. 

Uns fallen ein paar Polizisten auf, die sich mit ihren schweren Harleys vor dem Pier postiert haben. Was ein Anblick! Zwei von ihnen bewachen die Maschinen, die anderen beiden entschwinden, um Kaffee zu holen. Das bekommen wir noch mit…

Wir fragen freundlich, ob wir ein Foto von den Maschinchen machen dürfen…und bekommen als Antowrt erstmal ein ernstes „Nein,“ und dann fährt der Polizist lachend fort "wir machen die Fotos zusammen mit Euch!“ Na das war eine Überraschung. Wir sind ehrlich gesgat ein wenig verdattert, das sieht man auf den Fotos. Und dann plaudern wir fast eine Vierteltunde mit den beiden, die der Highway Patrol angehören. So nett kennen wir das aus Deutschland nicht. Eine schöne Erinnerung für uns und wieder einmal der Beweis: die amerikanischen Polizisten sind nicht so, wie sie gerne hier in der Presse dargestellt werden. Wussten wir zwar vorher, aber dieses Erlebnis hat es uns wieder einmal bestätigt.

 

Ein wenig traurig bummeln wir ein letztes Mal zu unseren Seelöwen. Und bleiben diesmal nicht ganz so lange. Die Sache mit dem schnellen Abschied.

Uns zieht es weiter zur Fishermans Wharf. Es ist nicht so voll wie am Wochenende, so können wir in aller Ruhe die letzten Souvenirs aus Frisco shoppen. Und noch einmal die Burger bei In`n Out geniessen. Mittagessen muss sein.

 

Und dann setzt bei uns der Rückreise-Blues ein. Naja, eher der Weiterreise-Blues, denn nach Hause geht es noch. lange nicht. Gott sei Dank.

 

Wir fahren ein letztes Mal mit dem Bus bis zu unserem Hotel und stellen fest, dass sich unsere 3-Tage-Tickets mehr wie bezahlt gemacht haben. 

Im Hotel angekommen fangen wir an, unsere Koffer zu packen. Wir wollen morgen früh los und es soll alles vorbereitet sein.

Und so sitzen wir jetzt hier zwischen all den Gepäckstücken und lassen die letzten Tage Revue passieren.

Natürlich haben wir nicht alles gesehen in Frisco. Aber alles, was wir sehen wollten und noch ein bißchen mehr. Union Square in der Nähe vom Problemviertel Tenderloin haben wir bewusst ausgelassen. Wir wüssten auch nicht, was man dor anschauen sollte. Oder besser gesagt: dort gibt es nichts, was uns direkt interessiert hätte. Downtown halt, dort hat uns nichts hingezogen. 

 

San Francisco hat uns wahnsinnig gut gefallen. Anders wie andere Städte, wir haben uns sehr sehr wohl gefüjlt. Mit ein bißchen Info landet man nicht in Problemvierteln und „merkwürdige Gestalten“ haben wir sehr wenige gesehen. Ganz das Gegenteil von LA und dem, was viele berichten.

 

Ja, nach Frisco würden wir jederzeit wieder reisen und wir hoffen wirklich, das wir das irgendwann auch nochmal machen können.

 

Morgen geht es weiter. Wir verlassen das süflichste Ziel unserer Reise und fahren b morgen Richtung Osten, und wir sind schon sehr gespannt, was wir dort überall alles neues entdecken.

 

 

 

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