Route 66 - die Reise unseres Lebens
Wir starten auf die Route 66
Heute geht es endlich los auf die Route 66! Der Tag, auf den wir so lange gewartet haben, ist gekommen!
Vorweg: wie wir finden, es war eine gute Wahl, etwas außerhalb von Chicago Downtown zu nächtigen. Zum Zeitpunkt unserer Buchung kostete ein Hotel im Herzen von Chicago für 3 Nächte gute 800€ aufwärts. Plus Parkplatz, als Hotelgast für „erschwingliche“ 30€ pro Tag. Wer Wert auf Luxus und sehr kurze Wege legt, der darf das gerne machen. Aber Luxus ist schonmal so gar nichts für uns und Geld zum Fenster rauswerfen auch nicht. Also ein Motel in Morton Grove. Zum Zeitpunkt unserer Reise ein gutes Viertel, und wir sind doch nur zum Schlafen da. Hauptsache sauber, und das war es. Kostenpunkt: knapp 250€ für 3 Nächte, Parkplatz kostenlos. Unbezahlbar aber das authentische Gefühl und der Kontakt zu den Einheimischen.
Wir starten wie immer früh, die Strassen sind selbst für einen Samstagmorgen sehr leer und…die Sonne scheint!
Schnell sind wir von Morton Grove im Herzen von Chicago, eine Stadt, die uns sehr ans Herz gewachsen ist.
Und bevor man hier auf die Route 66 startet, gibt es Frühstück in „Lou Mitchells Restaurant“. Das macht man so und wir können es jedem nur empfehlen.
Das Frühstück war grandios, der Service 1A und die lieben Worte unseres Kellners zum Abschied „Take care of you and have fun. It's a long long way to Santa Monica!“ werden wir wohl nie vergessen. Ein Tipp: die hauseigene Orangenmarmelade ist der absolute Hammer. Wer sowas mag: unbedingt wenigstens ein Glas mitnehmen, damit man zuhause nochmal das Chicago-Feeling spürt.
Von Lou Mitchell geht es schnell zum Startpunkt der Route 66 auf der Adams Street. Schnell noch ein paar Fotos und ein kurzes Gespräch mit anderen Reisenden. Natürlich auf englisch, denn man geht ja davon aus, daß man es hier mit Amerikanern zu tun hat. Zumindest war kein „komisch-deutsch-europäischer“-Akzent zu hören, auch wenn das ja auch nicht wirklich was aussagt. Es gibt Auswanderer, die können heute noch nicht ihre Herkunft verleugnen, so schlecht ist die Aussprache. Mal am Rande.
Wir wurden gebeten, gemeinsame Fotos von dem netten Paar zu machen. Der Mann huschte über die Strasse, um selbst noch ein paar Bilder zu machen und sie wartete. Hätte sie nicht plötzlich „Olaf, jetzt komm doch endlich mal…“ gerufen, wir hätten wahrscheinlich weiter auf englisch geredet. So aber brachen wir in schallendes Gelächter aus und ja, da war sie schon, die erste kuriose aber nette Situation. Die beiden kommen nämlich wie wir aus Deutschland und hatten auch nicht vermutet, daß zwei Deutsche vor ihnen stehen. Auch sie bereisen die Route 66 und wir hoffen, daß auch sie eine so tolle Reise hatten wie wir.
Und dann geht es endlich los. Die heutige erste Etappe von etwa 100 Meilen führt uns vom Start in Chicago auf der Adams Street bis nach Pontiac, IL. Die Strassen sind immer noch überschaubar leer, also können wir ganz entspannt losfahren.
Bis zur ersten Baustelle. Und das sollte nicht die Einzige auf unserer Reise sein. Und wir sind noch keine 2 Meilen gefahren. Na prima…dachten wir. Aber die Amerikaner haben die Sache mit den Umleitungen super im Griff, perfekt ausgeschildert und keine riesigen Umwege ala Stadtrundfahrt wie in Deutschland. Schnell waren wir wieder auf der Route 66. Die Wolkenkratzer wurden weniger, und wir fuhren erstmal gen Süden. Die Route 66 führt uns durch Vororte von Chicago wie Cicero und Lyons, und hinter McCook wurde es schnell ländlich.
Der eine oder andere kurze Fotostopp, und kurz hinter Romeoville waren wir schon in Joliet. Vielen vielleicht bekannt durch die Blues Brothers, die hier natürlich gewürdigt werden. Aber auch andere Route-66-Sehenswürdigkeiten, also immer der Route nach, eine kleine Stadtrundfahrt. Trotzdem verpassen wir hier schon die ein oder andere Attraktion. Wir rechnen nämlich nicht damit, daß alles so nah aneinander liegt.
Natürlich wollten wir auch zum Joliet Prison, aus dem einst die Blues Brothers entlassen wurden. Gedreht wurde hier im übrigen auch Prison Break. Geschlossen wurde das Gefängnis im Jahr 2002, seitdem kommt man nur noch für Besichtigungen rein, nicht mehr für Straftaten. Wir verlassen auch kurz die Route 66 und fahren den kurzen Weg durch Joliet zum Gefängnis. Schon sehenswert und Joliet an sich gefällt uns auch. Kleine, typisch amerikanische Stadt, wie wir es lieben.
Vom Gefängnis geht es dann weiter zum Rialto-Theater. Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz wollten wir nur kurz halten, um ein paar Fotos zu machen. Und prompt werden wir von einer Dame in städtischer Uniform angesprochen. Natürlich entschuldigten wir uns sofort dafür, daß wir den Parkplatz ohne Ticket nutzten, aber daß wir auch sofort wieder weiterfahren. Sie lachte, und meinte, wir brauchen doch kein Ticket für ein paar Fotos. Sie würde das auch gar nicht kontrollieren, sie wäre doch für den Brunnen am Ende des Parkplatzes zuständig. Aber sie hatte gesehen, daß wir das Theater fotografieren und gab uns den Tipp, ins nebenan liegende Parkhaus auf das obere offene Deck zu fahren. Das Parkhaus ist am Wochenende kostenlos und von dort hätten wir den perfekten Blick auf das Theater. Wir plauderten ein wenig und sie wünschte uns noch eine schöne Reise und wir…mussten wohl endlich dieses blöde deutsche Denken ablegen. Die Amerikaner sind Menschen, die freundlich und hilfsbereit sind, und wenn es einfach nur ein Tipp ist. Dafür lieben wir sie.
Natürlich hat sie genau aufgepasst, daß wir ihren Tipp auch befolgen und winkte uns fröhlich zu, als sie uns oben auf dem Parkdeck sah. Und im Übrigen hatte sie Recht, der Blick war perfekt!
Weiter ging es über Elwood nach Wilmington. Auch hier einige kleine Sehenswürdigkeiten, aber unser Weg führte uns zielstrebig und direkt, da quasi am Ortseingang gelegen, zum Launching Pad. Eine Institution an der Route 66 und vielen bekannt durch den GeminiGiant, eine meterhohe Glasfaserfigur, wie sie überall in den USA als Werbefiguren zu finden sind. Kult! Leider ist der Launching Pad nach einigem für uns undurchsichtigen Trubel für immer geschlossen. Wir hatten also Glück, diese Institution noch zu sehen.
Wir holen im Launching Pad unseren ersten Stempel im Route-66-Passport und erfahren, dass wir sogar die erste Ausgabe haben. Naja, wir haben ja auch schon bei unserem letzten USA-Besuch 2019 gekauft. Dieser Pass ist eine nette Idee, man holt sich ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd Stempel bei teilnehmenden Händlern, Besucherzentren etc. Oft bekommt man noch ein kleines Geschenk dazu, aber wichtiger ist, daß man teilnehmende Geschäfte unterstützt, die man ohne den Pass vielleicht gar nicht besucht hätte (wie wir festellen mussten) und Kontakt zu ganz wundervollen Menschen bekommt, denn jeder ist zu einem kleinen Plausch bereit.
Leider haben wir vor lauter Aufregung hier vergessen, unsere Fahne im Launching Pad signieren zu lassen. Dafür haben wir aber nun unseren eigenen kleinen GeminiGiant im Regal stehen.
Über Godley ging es weiter nach Gardner. Hier wurde ein altes Diner, das Riviera Roadhouse, wieder aufgebaut. Es ist aber leider nicht mehr in Betrieb, man kann es nur von außen anschauen.
Gleich daneben steht ein altes, kleines Gefängnis mit 2 Zellen. Deshalb auch 2-Cell-Jail. Liebevoll erhalten, sowas sieht man ja nicht alle Tage. Hoffentlich. Auch von innen.
Quasi gegenüber befindet sich The Shop. In diversen Reiseführern erwähnt, mussten wir uns das einfach ansehen. Wir hatten einen kurzen, weiteren Fotostop im Kopf, nichtsahnend, dass hier ein netter Herr für den Empfang sorgt und die Besucher empfängt. Er hat uns wahnsinnig viel über Gardner und The Shop erzählt, alles wird hier in Eigenregie erhalten! Da erkennt man die Liebe vieler Amerikaner zur Route 66.
Es ging weiter nach Dwight, wo aus einem kurzen Fotostopp auch wieder ein längerer Aufenthalt wurde, denn in der Ambler Becker Texaco Tankstelle befindet sich das Besucherzentrum. Ein Herr, der hier für den Empfang sorgt, verschob einfach seinen Feierabend und führte uns mit vielen Erklärungen und Geschichten durch diese alte Tankstelle an der Route 66. Zum Schluss gab es einen Lolly, denn den bekommt seit Ewigkeiten jeder Reisende an dieser Tankstelle.
Über Odell kamen wir nach kürzeren Fotostops zum heutigen Ziel Pontiac. Geprägt von der Route 66 ein kleines beschauliches typisches amerikanisches Städtchen mit viel zu sehen. Wir haben unterwegs so viel rumgetrödelt, dass wir es gerade noch in die alte Feuerwache geschafft haben, denn sie beherbergt heute die Illinois Route 66 Hall of Fame. Hier treffen wir auf viele viele Andenken an den leider bereits verstorbenen Künstler Bob Waldmire. Waldmire lebte quasi auf der Route 66 in einem alten, umgebauten Bus, fertigte viele Zeichnungen und Karten an, die heute noch den Weg auf der Route 66 weisen und gleichzeitig auch Kunst sind. Waldmire prägte auch so einige Geschäfte entlang der Route 66, so zB das Cozy Dog Drive Inn in Springfield, IL, das heute noch von der Familie Waldmire betrieben, wird sowie den Hackberry Gnéneral Store, AZ. Um mal die -so finden wir- bekanntesten zu nennen.
Wir übernachten heute in einem Motel etwas außerhalb von Pontiac. Den Bummel durch Pontiac haben wir auf den nächsten Morgen verlegt, denn so langsam waren wir nicht nur von der langen Fahrt geschafft, sondern auch von diesen vielen wunderbaren Eindrücken.
Schon nach unserem ersten Tag auf der Route 66 stellen wir fest: in Illinois kommt man kaum voran, wenn man alles Attraktionen mitnimmt. Man kann gefühlt jede 2. Meile anhalten. Und so beschliessen wir, dass mitzunehmen was geht und uns nicht damit zu stressen, auch ja jeden kleinsten Stein zu sehen.