22. Mai 2026
Präsidenten, Bisons und eine der schönsten Panoramastraßen der USA
Der Tag beginnt in Hill City und obwohl es fast Ende Mai ist, begrüßen uns die Black Hills heute mit überraschend kühlen Temperaturen. Die Sonne kämpft sich zwar immer wieder durch die Wolken, aber ohne Jacke wäre es heute definitiv zu frisch. Aber wenigstens regnet es nicht mehr.
Nach dem Frühstück wartet direkt das erste Highlight des Tages: eine Fahrt mit dem berühmten 1880 Train. Die historische Museumsbahn verbindet seit 1957 die Orte Hill City und Keystone auf einer Originalstrecke aus der Zeit des Goldrausches. Früher transportierten hier Dampflokomotiven Gold, Zinn, Holz und Menschen durch die Black Hills. Heute erleben Besucher eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen.
Schon beim Einsteigen fühlt man sich um mehr als hundert Jahre zurückversetzt. Die liebevoll restaurierten Waggons versprühen nostalgischen Charme, bevor die Dampflok laut pfeifend und mit kräftigen Dampfwolken langsam in Bewegung kommt. Viel schneller als etwa 15 Kilometer pro Stunde wird sie nicht und genau das macht den Reiz aus. Die Fahrt führt durch dichte Kiefernwälder, vorbei an Granitfelsen, alten Minengebieten und kleinen Brücken. Immer wieder erzählt das Zugpersonal spannende Geschichten über den Goldrausch, die Eisenbahn und die Geschichte der Black Hills. In Keystone angekommen bleibt kurz Zeit, den kleinen Ort zu erkunden, bevor sich der Zug wieder schnaufend auf den Rückweg nach Hill City macht. Für Eisenbahnfreunde ein absolutes Highlight, für alle anderen einfach eine herrlich entschleunigte Reise durch eine wunderschöne Landschaft.
Zurück in Hill City steigen wir ins Auto und machen uns auf den Weg zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Vereinigten Staaten: Mount Rushmore.
Schon die Anfahrt ist spektakulär. Immer wieder blitzen zwischen den Bäumen die gewaltigen Präsidentenköpfe hervor, bis wir schließlich auf dem Parkplatz stehen. Der Eintritt zum National Memorial ist kostenlos, lediglich die Parkgebühr von 10 US-Dollar wird fällig. Das finden wir mehr als fair. Übrigens gilt das Ticket fü ein ganzes Jahr!
Mount Rushmore wurde zwischen 1927 und 1941 in den Granitfelsen gemeißelt. Dargestellt sind die vier Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Jeder einzelne Kopf ist rund 18 Meter hoch und steht symbolisch für unterschiedliche Epochen der amerikanischen Geschichte, von der Gründung der Nation über die territoriale Erweiterung bis hin zur Bewahrung der Union und dem wirtschaftlichen Aufstieg.
Wir laufen über die Avenue of Flags. Entlang des Weges wehen die Flaggen aller 50 US-Bundesstaaten, der fünf US-Territorien sowie des District of Columbia. Zu jeder Flagge gibt es Informationen über das jeweilige Beitrittsjahr zur Union und das Motto des Bundesstaates. Der Weg führt direkt auf die Aussichtsterrasse und schafft bereits vor dem ersten Blick auf die Präsidentenköpfe eine ganz besondere, patriotische Atmosphäre. Wir sind nicht den Presidential Trail gelaufen, aber allein einmal hier zu sein, ist für uns wieder so ein Gänsehautmoment.
Für uns ist klar: Wer die USA liebt, sollte diesen Ort einmal im Leben besucht haben.
Und dann gibt es da noch eine kleine kulinarische Besonderheit: die berühmte Thomas Jefferson Ice Cream. Bekommt man wirklich nur hier am Mount Rushmore! Serviert wird Vanilleeis nach einem Rezept, das auf Thomas Jefferson zurückgeht. Er brachte das Rezept Ende des 18. Jahrhunderts aus Frankreich mit in die USA und machte Eiscreme dort überhaupt erst populär. Natürlich können wir da nicht widerstehen und tatsächlich schmeckt das cremige Vanilleeis wirklich sagenhaft gut.
Nach so viel amerikanischer Geschichte zieht es uns wieder hinaus in die Natur. Über den Norbeck Scenic Byway erreichen wir den Custer State Park. Schon diese Straße gehört zu den schönsten Fahrstrecken der Black Hills. Immer wieder fantastische Ausblicke auf die Granitlandschaft und die dichten Wälder. Aber die Straße ist so eng, daß wir mit unserem George fast an die Grenzen stoßen. Ein noch größeres Auto möchte ich hier nicht lenken... und auch diese Fahrt ist nicht nur wunderschön, gute Nerven sind hier wieder von Vorteil. Irgendwie verfolgt mich das in diesem Urlaub.
Anschließend fahren wir den berühmten Wildlife Loop. Bereits nach kurzer Zeit stehen wir mitten zwischen riesigen Bisonherden. Einige Tiere laufen direkt vor unserem Auto über die Straße, andere grasen gemütlich nur wenige Meter entfernt. Es ist beeindruckend, diesen gewaltigen Tieren so nah zu kommen. Dazu beobachten wir zahlreiche Präriehunde, die neugierig aus ihren Bauen schauen, und natürlich die berühmten wilden Esel, die hoffnungsvoll auf einen kleinen Snack spekulieren. Der Custer State Park macht seinem Ruf als eines der besten Wildlife-Gebiete der USA heute alle Ehre. Ich mag eigentlich gar nicht weiterfahren, aber es wartet noch ein
Highlight: der Needles Highway.
Diese rund 23 Kilometer lange Panoramastraße gilt völlig zurecht als eine der schönsten Straßen der Vereinigten Staaten. Sie schlängelt sich in zahllosen Kurven durch die Granitberge der Black Hills, vorbei an gewaltigen Felsnadeln, nach denen der Highway benannt wurde. Immer wieder eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf bizarre Felsformationen und dichte Kiefernwälder.
Besonders beeindruckend sind die extrem schmalen Felstunnel. Manche sind so eng, dass größere Wohnmobile oder Busse hier gar nicht hindurchpassen. Teilweise wirkt es fast so, als würde das Auto millimetergenau durch den Felsen passen. Hinter jeder Kurve wartet das nächste Postkartenmotiv. Kein Wunder, dass hier unzählige Autos an den kleinen Parkbuchten stehen, denn ständig möchte man anhalten und fotografieren.
Schließlich erreichen wir den wunderschönen Sylvan Lake, der oft als einer der schönsten Seen South Dakotas bezeichnet wird. Eingebettet zwischen gewaltigen Granitfelsen wirkt er fast wie eine Filmkulisse. Das glasklare Wasser spiegelt die umliegenden Felsen und Kiefern. Ein Ort, an dem man problemlos Stunden verbringen könnte. Trotz bewölktem Himmel und langsam knurrendem Magen.
Von hier fahren wir hinunter nach Custer, gönnen uns einen kleinen Snack undwollen uns anschließend wieder auf den Rückweg Richtung Hill City machen. Wir entdecken auf dem Parkplatz des "Dairy Queen", was wir nun endlich auch einmal probiert haben, ein Auto. Auf dem Kennzeichenhalter steht das Wort "Heidelberg". Als ich ein Fotomache, stehen plötzlich die besitzer hintermir und fragen, ob mit ihrem Auto entwas nicht stimmt. ich entschuldige mich und erkläre ihnen, dass ich dsas Wort heidelberg gesehen habe und da wir aus Deutschland kommen, ist das für uns etwas besonderes. Sie lachen und dann erzählen sie mir die geschichte, die dahinter steht. Sie kommt aus einem kleinen Ort, ich glaube in Pennsylvania aber leg mich nicht darauf fest, der heidelberg heisst. Ihr Mann hat an einer Heidelberg-Universität in Ohio studiert. Kennengelernt haben sie sich, als sie beide gleichzeitig aber unabhängig voneinander Heidelberg in Deutschland besucht haben. Das Ganze liegt über 30 Jahre zurück, und Heidelberg ist für die beiden so etwas wie die Stadt zum Glück. Zufälle gibt es und die Geschichte ist wirklich süss. Wir verabschieden uns und dann geht es auf die letzte Fahrt für heute. Endgültig.
Unterwegs nach Hill City kommen wir noch am Crazy Horse Memorial vorbei. Den Eintritt sparen wir uns allerdings ganz bewusst. Seit 1948 wird hier am weltweit größten Bergdenkmal gearbeitet, doch ein Ende ist bis heute nicht in Sicht. Wenn das Bautempo so weitergeht, dürfte das Monument wohl auch in hundert Jahren noch nicht vollständig fertig sein. Für den recht hohen Eintritt ist uns das einfach zu viel. Ein kurzer Blick vom Highway genügt uns vollkommen.
Am Abend erreichen wir wieder Hill City und sind ehrlich überwältigt. Eine historische Dampflokfahrt, amerikanische Geschichte am Mount Rushmore, riesige Bisonherden, spektakuläre Panoramastraßen und einige der schönsten Landschaften der Black Hills. Mehr Abwechslung passt eigentlich kaum in einen einzigen Reisetag.
Wir besuchen noch den wie wir denken kleinen Supermarkt gegenüber unseres Motels und wollen Proviant für morgen einkaufen. Von wegen kleiner Supermarkt! Es gibt dort wirklich alles, was das Herz begehrt und die Fläche ist riesig. Eine junge Frau mit gesundheitlicher Beeinträchtigung (das schreibe ich so, weil es nicht beleidigend klingen soll) bedient uns an der Kasse so fröhlich, dass einem das Herz auf geht. Das ist glaube ich das letzte Fitzelchen, was gefehlt hat. Hill City ist in unseren Herzen angekommen.
Im Abendlicht lassen wir den wunderschönen Tag ausklingen. Wie sollen wir bitte all die Eindrücke jemals verarbeiten? und morgen geht es wieder in einen Nationalpark...

















































































































