Route 66 - die Reise unseres Lebens
Powersightseeing in Chicago
Welcome to Chicago!
Leider hat das Wetter überhaupt nicht mitgespielt, es regnet. Kalt ist es nicht, aber ungemütlich. Nicht das Wetter, was zum Sightseeing einlädt…aber wir haben nur noch diesen einen Tag in Chicago. Und wir haben uns wahnsinnig auf die Stadt gefreut. Es hilft nichts, Regenjacke an, Augen zu und durch.
Auf dem Highway ist die Hölle los, aber wir kommen trotzdem gut durch und die Fahrt in die Grant Park South Garage klappte problemlos. Die hatten wir bewusst ausgewählt, liegt sie doch recht zentral für unseren Sightseeing-Tag in Chicago. Wir hatten das Parkticket wieder über SpotHero vorab gebucht. Schnapperpreis für Chicago: 20$ für den ganzen Tag. Early Bird lohnt sich!
So beginnen wir unseren Tag in Chicago tatsächlich am offiziellen Startpunkt der Route 66, dort, wo wir morgen unseren Roadtrip von hier bis zum Pazifik starten werden. Es regnet immer noch in Strömen! Aber - es gibt kein schlechtes Wetter! Punkt. Ab jetzt heißt es laufen, laufen, laufen. Und vor allem: staunen!
Das erste Mal in unserem Leben laufen wir durch solche Hochhausschluchten. Nicht, dass wir keine Hochhäuser kennen. Wir sprechen hier von Wolkenkratzern. Automatisch läuft man mit dem Kopf im Nacken, aber trotzdem sieht man rundum noch genug. Und wir sind auch nirgendwo vorgelaufen, das schonmal vorab.
Wir laufen über die Adams Street. Unser erstes Ziel heute ist das höchste Gebäude von Chiacago. Der Willis Tower. Mit 442m Höhe -mit Antennen sind es über 500m- war er bis 1998 das höchste Gebäude der Welt, bis 2009 hiess der Willis Tower Sears Tower und so wird er noch heute von vielen genannt. Die Umbenennung erfolgte, nachdem ein Londoner Versicherungskonzern nicht nur eine risesige Büroflache anmietete, sondern sich auch direkt die Namensrechte einverleibte.
Von Deutschland aus hatten wir bereits Tickets gebucht. Auf der 103. Etage, also in knapp 412m Höhe, befindet sich das Skydeck. Die Aussichsplattform verspricht bei guter Sicht einen Blick auf 4 Bundesstaaten. Wie gesagt, bei guter Sicht. Und jetzt konnte man von unten nichtmal den oberen Teil des Wolkenkratzers sehen, denn der lag in den Wolken.
Aber in den USA ist man da recht kundenfreundlich. Wir wurden am Eingangsbereich des Skydeck bereits freundlich empfangen und man teilte uns direkt mit, wir könnten rauf, aber wir würden nichts sehen. Man bot uns direkt an, die Karten auf einen anderen Tag oder eine spätere Uhrzeit umzubuchen. Später würde das Wetter und somit auch die Sicht besser werden. Erwarte das mal einer hier in der Servicewüste Deutschland. Da hätte man einfach Pech gehabt und fertig. Nagut, die Menchen hier kennen ihr Wetter sicher besser wie wir, also haben wir die Tickets auf 17:00 umgebucht. Und weiter geht es.
Wir hatten uns einen ziemlich detaillierten Plan für den Tag zurecht gelegt, denn wir wollen natürlich so viel wie möglich sehen. Chicago hat den eindeutigen Vorteil, daß die meisten Sehenswüdigkeiten nahe aneinander liegen. Also nah für amerikanische Verhältnisse. Also auf zum nächsten Programmpunkt, der nur etwa 5 Minuten Fußmarsch vom Sears Tower entfernt liegt.
Ehrlich gesagt, hatten wir keine großen Erwartungen. Warum sollten wir uns unbedingt einen Bahnhof anschauen? Die bei uns sind ja nicht gerade ein Highlight, vor allem, wenn wir an den grässlichen Bahnhof in unserer Heimatstadt Neuss denken. Aber wenn in so vielen Reiseführern ein Besuch empfohlen wird, warum nicht? Der Regen wurde auch nicht weniger, und so waren wir froh, erstmal Unterschlupf zu finden. Union Station ist quasi der Hauptbahnhof von Chicago. Und was für einer! Ein Prachtbau aus dem Jahr 1925, da wurde er eröffnet. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Den sollte man auf jeden Fall einmal anschauen, wenn man hier ist.
Aber der Bahnhof ist nicht die einzige Attraktion, wenn es um den Verkehr geht. In Chicago fährt seit Ewigkeiten eine Hochbahn durch Downtown. The Loop, oder einfach nur „The L“ genannt. Der Preis von 3$ gilt für 3 Fahrten innerhalb von 2 Stunden und ist somit doch recht günstig. Das war zumindest der Stand 2022.
Da unser nächster Programmpunkt eine Stück entfernt liegt und wir sowieoso unbedingt einmal mit der Hochbahn fahren wollten, ging es zur nächsten Haltestelle. Quincy. Zufällig sogar eine noch sehr gut erhaltene, alte historische Haltestelle. Die Fahrt über der Straße, unter uns der Verkehr und durch die Hochhausschluchten - für uns etwas Besonderes, das kennen wir aus Deutschland nicht. Lustig fanden wir es, und die Fahrt war viel zu schnell vorbei.
Denn schon waren wir am Chicago Theatre, ein weiteren Wahrzeichen von Chicago, die Leuchtreklame hat sicher der ein oder andere schon gesehen. Ursprünglich 1921 als Kino erbaut, ist es heute noch das älteste erhaltene Theater in Chicago. Eine Führung konnten wir leider nicht buchen, da hier Aufführungen stattfanden. Aber auch von außen war es sehenswert. Ein fast kleines, hübsches, altes Gebäude zwischen den modernen Hochhäusern. So typisch für Chicago.
Wir lassen uns weiter durch die Straßen von Chicago treiben. Es ist noch nicht voll, aber die Menschen, denen wir begegnen, die lächeln oder grüßen freundlich. Nein, wir kennen sie nicht, das ist hier in den USA einfach so.
Unterwegs gibt es Kaffee und einen kleinen Snack, wir haben nämlich vor lauter Staunen und Aufregung vergessen, dass wir ja eigentlich erstmal gemütlich frühstücken wollten. Egal, to-go ist USA und hebt unser Wohlgefühl noch ein wenig mehr an.
Und dann sind wir am Chicago River, Blick auf die berühmte Skyline. Ein Gänsehautmoment. Vorgestern hatte uns Chicago bei einem kurzen Eindruck schon in seinen Bann gezogen, heute können wir uns vor Begeisterung kaum halten. Und auch jetzt beim Schreiben überkommt mich diese Begeisterung erneut für diese tolle Stadt. Der Regen ist uns mittlerweile egal.
Wir schlendern am Ufer des Chicago River entlang, sind fasziniert vom Ausblick. Besonders haben uns die beiden runden Parkhäuser fasziniert. Also parken möchten wir da aber nicht, nicht dass unser Mr Capone ein Bad im Fluss nimmt.
Wir wollen zur DuSable Bridge, eine doppelstöckige Klappbrücke, eröffnet 1920 und immer noch in Betrieb. Auch ein Wahrzeichen hier. Und vor lauter Aufregung laufen wir in die falsche Richtung. Typisch wir. Wir nehmen dann einfach eine andere Brücke und laufen und laufen und laufen…zum nächsten Ziel.
Wir wollen mal schauen, ob das Rainforest Cafe tatsächlich geschlossen hat. Steht so im Internet. Wäre schade, wir mögen diese Cafes, die man bei uns kaum kennt. Wie der Name schon vermuten lässt, ist alles im Dschungel-Ambiente gehalten. Man sitzt zwischen brüllenden Affen, kreischenden Papageien und Alligatoren mitten im Regenwald. Natürlich nachgebaut und keine echten Tiere. Aber dieses in Chicago existiert leider nur noch als Fassade.
Weit ist es nicht mehr zum Hard Rock Cafe, und das ist für uns Pflichtprogramm. Egal wo wir sind. Und egal wie weit der Weg ist. Das ist so ein Spleen von uns. Wir sind an diesem Tag die ersten Gäste und man nimmt sich unheimlich viel Zeit, um uns herumzuführen und alles zu zeigen und zu erklären. Gäste aus Europa und vor allem Deutschland sind durch die Pandemie sehr selten im Moment. Es ist so schön und gemütlich, dass wir uns total verplaudern und länger bleiben, wie geplant. Aber irgendwann brechen wir auf, mit vielen Tipps für unseren restlichen Tag in Chicago im Gepäck.
Mittlerweile hat der Regen aufgehört und wir lernen, warum Chicago den Spitznamen "Windy City" trägt. Je mehr wir uns dem Lake Michigan nähern, umso stärker scheint der Wind zu werden. Wir laufen staunend weiter durch diese großen Straßen, in denen sich alte mit neuen Fassaden den Platz teilen - und für diese einzigartige Chicago-Atmosphäre sorgen.
Lake Michigan ist schon eine Naturgewalt für sich! Er gehört zur Gruppe der Großen Seen der USA und beeindruckt allein schon durch seine Größe. Also uns zumindest. Ein paar Fakten: 494km lang, eine Breite von 190km und eine Uferlänge von etwa 2600km. Seine Gesamtfläche beträgt gute 58.000km² und somit ist Lake Michigan größer als die ganze Schweiz. Mal so als kleiner Vergleich.
Lake Michigan ist wunderschön und leuchtet in vielen Blautönen, selbst bei dem trüben Himmel, den wir hier heute haben. Bei den Wellen haben wir das Gefühl, wir stünden an der Nordsee. Vom Laufen qualmten uns mittlerweile die Socken und wir hätten gerne wenigstens kurz unsere Füsse ins Wasser getaucht, aber das haben wir dann bei durchschnittlich 7°C Wassertemperatur (im Mai!!!) doch lieber sein gelassen.
Weiter geht es zum Navy Pier, die nächste Attraktion auf unserer Liste. 1916 als Handels- und Frachthafen erbaut, ist es heute ein Unterhaltungs- und Kulturzentrum. Hier befindet sich nicht nur das Childrens Museum sondern auch das Shedd Aquarium, dafür haben wir aber heute leider keine Zeit. Aber auf uns warten im Inneren unzählige Shops und ein riesiger Foodcourt. Und da wollen wir hin. Hot Dogs essen. Macht man so in Chicago. Den Tipp gab es im Hard Rock Cafe, da war die Küche noch zu und Hot Dogs gibt es dort leider nicht. "Wenn ihr richtig gute Hot Dogs essen wollt, dann geht zu AD&B im Navy Pier." Und da wir jetzt wirklich hungrig sind, befolgen wir den Tipp natürlich gerne. Lange Rede, kurzer Sinn: die Hot Dogs waren nicht nur frisch und appetitlich zubereitet, sie haben super geschmeckt. Auf jeden Fall empfehlen wir AD&B weiter. Auch wenn die French Fries am Ende zu viel waren. Ok, an die amerikanischen Portionen müssen wir uns noch gewöhnen.
Das Navy Pier ist gut besucht und dadurch ziemlich laut und wuselig. Wir wollen aber sowieso noch raus, denn da steht das Centennial Wheel. Ein Riesenrad mit gut 60m Höhe, von dem man einen tollen Blick auf die Skyline haben soll. Tickets hatten wir bereits von Deutschland aus gebucht...und das Riesenrad ist geschlossen. Bei dem Wind ist eine Fahrt nicht möglich. Natürlich sind wir enttäuscht, aber Sicherheit geht nunmal vor. Das Geld haben wir übrigens anstandslos zurück erhalten.
Wir bummeln den Pier zurück und machen uns stattdessen auf zu einem Spaziergang entlang des Lake Michigan. Immer wieder eine neue Perspektive auf die Skyline von Chicago, ein bißchen mediterranes Flair...uns gefällt es hier. Mittlerweile ist sogar die Sonne heraus gekommen und es wird richtig warm, trotz dem Wind. Ohne Grund machen wir den Spaziergang natürlich nicht, er führt uns zum nächsten Programmpunkt.
Buckingham Fountain, dem Überbleibsel der Weltausstellung von 1893. Die Meisten kennen den Brunnen aber sicher aus dem Vorspann von "Eine schrecklich nette Familie". AL Bundys haus haben wir ja gestern einen Besuch abgestattet. Ganz schön imposant, und viel grösser als man denkt, wenn man diesen Brunnen so im Fernsehen sieht. Aber sehr schön.
Mittlerweile wird es auch voller, Wochenende in den USA. Das kennen wir mittlerweile, da ist es halt überall voll, wo es was zu sehen und zu erleben gibt. Die Freizeit der Amerikaner hat irgendwie eine andere Wertigkeit wie bei uns. Das ist zumindest unser positiver Eindruck.
Deshalb ist es im Millenium Park auch ganz schön voll. Es ist ein ziemlicher Andrang an der Bohne. So wird diese Skulptur, die eigentlich Cloud Gate heißt, liebevoll genannt. Die Form hat ja auch was von einer Bohne. Und in der Bohne spiegelt sich die Skyline von Chicago. Daß man an solchen Punkten nicht alleine ist, versteht sich von selbst. Trotzdem haben wir unser Foto hinbekommen.
Übrigens ist im Millenium Park wie auch am Navy Pier besonders im Sommer immer etwas los. Veranstaltungen, Konzerte...wir haben zwar keine miterleben können, sind aber für einen weiteren Besuch in Chicago auf unserer Bucketlist. Ja, wir wollen irgendwann auf jeden Fall nochmal hierher.
Unsere Einkäufe und Jacken haben wir im Auto abgeladen und sind dann diesmal ohne Regen wieder die Adams Street hinauf. Das Skydeck ruft, denn mittlerweile ist es schon fast 17:00.
Der Eingangsbereich des Skydeck ist toll gestaltet. Das hat man hier in den USA wirklich drauf. Egal wo man hinkommt, schon vor der eigentlichen Attraktion gibt es viel zu sehen. Ausstellungen, Information zur Entstehung, Foto-Optionen. Und nicht auf einfachen Hinweistafeln, sondern mit viel Liebe zum Detail. Toll.
Aber es ist auch ziemlich voll, also sind wir tatsächlich bis zur 99. Etage mit dem Lieferantenaufzug gefahren. Macht man ja auch nicht jeden Tag. Und ganz oben auf dem Skydeck angekommen war die Aussicht atemberaubend. Ehrlich gesagt schöner als auf dem 360Chicago, denn man sieht viel mehr von der Stadt. Auf ein Foto im "The Ledge" haben wir verzichtet. Das ist ein gläserner Balkon, unter einem nur der Abgrund. Ok, vielleicht hätte ich es trotz meiner Höhenangst gewagt. Aber wir wollten nicht noch eine gute Sunde oder länger anstehen.
Mittlerweile schmerzten unsere Füsse, ein Blick auf den Schrittzähler: 20km per Pedes durch Chicago. Das kam uns gar nicht so weit vor, denn wir haben so viel gesehen, da merkt man die Entfernungen kaum. In 2 Stunden hätten wir noch eine Bootsfahrt. Aber nochmal eine halbe Stunde Fussmarsch zurück zum Chicago River und danach wieder eine halbe Stunde Fussmarsch zum Parkhaus? Jetzt, wo wir ziemlich entschleunigt am Ausgang des Skydeck sitzen merken wir, daß wir auch ziemlich müde werden. Auf dem Boot wären wir aller Wahrscheinlichkeit nach eingeschlafen. Also beschliessen wir, die Bootsfahrt ausfallen zu lassen.
Müde, aber auch wahnsinnig glücklich, weil uns Chicago so begeistert hat, machen wir uns auf den Weg zu unserem Motel.
Ja, es war nur dieser eine Tag in Chicago. Im Nachhinein wären wir besser noch länger hier geblieben und hätten L.A. einen kürzeren Besuch abgestattet. Aber wir werden wieder kommen. Alles haben wir nicht gesehen. Und Chicago ist sowieso definitiv eine weitere Reise wert. Irgendwann.
Nachtrag: Zuhause mussten wir feststellen, daß viele Aufnahmen nichts geworden sind, weil unsere Speicherkarte kaputt ging. Das haben wir erst am nächsten Tag bemerkt. Aber was es gab, das haben wir in einem Film zusammengefasst. Zwar mit kleinen Sprüngen, aber uns ist es eine liebe Erinnerung.