Route 66: 4 Corners & Monument Valley – Sandsturm

Route 66 - die Reise unseres Lebens

Vier Ecken und ein Sandsturm

Gallup liegt natürlich an der Route 66, aber für uns als Übernachtungsoption eigentlich nur, weil man von hier relativ gerade hoch Richtung 4-Corners-Monument und dem Monument Valley kommt. Das ist nämlich unser Plan. Wir verlassen heute auch die Route 66 und machen einen Abstecher nach Colorado und Utah. Auf dem Weg dorthin kommen wir auch kurz nach Arizona. Morgen, so der Plan, soll wieder Gallup unser Ziel sein, wo wir die Route 66 fortsetzen. Wie gesagt, so der Plan. Heute Abend haben wir auf jeden Fall wieder gut 200 Meilen mehr auf dem Tacho, dank Verfahren und Umwegen.

Wir frühstücken in Sandra's Place, auch eine Empfehlung der Tourismus-Managerin, die wir gestern in ABQ getroffen haben. Von außen mehr wie unscheinbar, aber das Frühstück können wir nur weiterempfehlen. Frisch zubereitet und günstig.

Auch unser Hotel, das historische El Rancho ist eine absolute Empfehlung. Ok, es gibt sicher günstigere Motels in Gallup, aber wenn man schon hier übernachtet, sollte es wirklich im El Rancho sein! Für die üblichen Motel-Ketten gibt es andere Orte. Und wenn wir ehrlich sind – das El Rancho ist auch die einzige wirkliche Attraktion hier. Wer auf Indianer-Tineff steht, der wird in Gallup sicher fündig, wir persönlich mögen es nicht und wollen diese Läden auch nicht unterstützen. Zumindest nicht nach der gestrigen Begegnung.

Wir fahren durch New Mexico durch einsame Landschaften. Sehr sehr einsam. Aber schön. Es gibt wenig Möglichkeiten zum Anhalten, also nutzen wir jede Tankstelle, um uns kurz die Beine zu vertreten und uns mit frischem Kaffee zu versorgen. Natürlich auch, um den Alten zu entsorgen. Ihr versteht, was wir meinen.

Gefühlt geht es nur geradeaus, aber hin und wieder kommt ne Kurve. Und plötzlich ist es wieder eine andere Landschaft. Absolut faszinierend.

Am 4-Corners-Monument merken wir, dass ein ziemlich heftiger Wind weht. Uns ist das Sandgestöber schon die ganze Zeit aufgefallen, aber im Auto merkt man es halt nicht so.

Das 4-Corners-Monument ist in den ganzen USA der einzige Punkt, an dem 4 Bundesstaaten aufeinandertreffen. Sonst sind es maximal 3. New Mexico, Arizona, Utah und Colorado. Mitten in der Wüste setzte man diesem Punkt ein Denkmal. Und da das Ganze auf Navajo-Gebiet liegt, zahlt man hier natürlich Eintritt. 8$ pro Person ist selbst für Indianer ein fairer Preis. Zahlen wir. Wann ist man sonst nochmal hier? Ein Tipp: Selbstverpflegung ist angesagt! Abzockerpreise für Snacks und Getränke braucht kein Mensch, die Souvenirs sind auch das Geld nicht wert. Finger weg! Und das sagen wir, die sich gerne überall ein Andenken mitnehmen!

Für die insgesamt 16$ durften wir immerhin auf einem unbefestigten Schotterplatz parken, war schon etwas abenteuerlich, vor allem die Fahrt über die Schotterpiste. Aber unser treuer Gefährte Doc hat es ohne Blessuren überstanden. Die Toiletten haben wir übrigens vermieden, Dixis sind auch zu Hause für uns keine Option. Unser Besuch beschränkte sich auf einen kurzen, aber doch interessanten Rundgang, der Wind war aber echt übel. Aber dafür kann ja keiner was.

Wir haben es sogar geschafft, mit allen 4 Gliedmassen gleichzeitig in 4 Staaten zu sein. Und das ohne Verrenkung, wir haben da doch etwas merkwürdige Turnübungen beobachtet. Geht auch in einfach.

Wer uns kennt, der kennt auch unsere USA-Staaten-Bucketlist. Also nur am 4 Corners stehen zählt jetzt nicht, da müssen wir schon richtig hin. Kaffee haben wir auch dabei also…

Von 4 Corners weg geht es noch ein Stück durch New Mexico und dann sind wir in Colorado. Der nächste Staat auf unserer Liste zum abhaken. 

Wir übernachteten heute übrigens in Bluff, Utah. Der Ort heisst tatsächlich so und es gibt ihn, also kein „Blöff“. Und somit geht es in den nächsten Bundesstaat, der zählt. Wenn da nicht der Stau wäre. Baustelle. Und typisch amerikanisch lang. Irgendwann müssen wir Links abbiegen, haben aber die Abfahrt verpasst. Die einzige auf dem Stück, wohlgemerkt. Also komplett durch die Baustelle gefahren, irgendwann gedreht und wieder zurück. In den Stau. Und dann standen wir auf der Pole-Position, bis wir weiterfahren konnten. Der nette Stopp-Schild-Mensch, der da bei dem Wind und der Hitze tapfer sein Schild hielt, hat sich übrigens über die Flasche Wasser, die wir ihm gegeben haben, gefreut.

Und dann kam sie, unsere Abfahrt Richtung Utah. Der Spass durch die Baustelle hat uns etwas Zeit gekostet, aber wir sind gut im Plan für unseren Monument Valley Loop. Es wird mal wieder anders kommen.

Irgendwie haben wir den Eindruck, dass Utah schon wieder etwas anders aussieht als New Mexico und Colorado. Gleiche Wüste, andere Landschaft. Und es zieht sich. Und dann endlich eine Tankstelle. Seit den Dixies am 4 Corners sind schon 3 Stunden vergangen und man kann ja nicht alles ausschwitzen. Mittlerweile bringt die Klimaanlage nicht mehr so viel, wir haben fast 40 Grad draussen. Und Wind. Angenehm ist das nicht. Die Tankstelle gehört zu Aneth, dem südöstlichsten Ort von Utah. Naja, eigentlich ist Aneth mehr eine Ansiedlung und es gab zur Volkszählung 2020 immerhin 427 Einwohner. Ehrlich gesagt haben wir aber außer der Tankstelle nicht mehr gesehen. Montezuma Creek scheint da schon größer zu sein.

Unterwegs fallen uns immer wieder Ölpumpen auf, die in Betrieb sind. Hier in der Gegend hätten wir das niemals vermutet, aber damals wussten wir ja auch nicht, dass die weltersten Ölbohrungen in Deutschland waren. Irgendwann im Frühjahr 1856 nämlich in Dithmarschen nördlich von Hannover. Soviel am Rande.

Das Navi hat dann die Idee uns eine Alternativroute vorzuschlagen. Aber…das lassen wir dann doch lieber, eine Schotterstrecke  ist nicht das, was wir möchten. Also geht es über die Mesas, wieder durch wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften. Hinter jeder Kurve, wenn denn mal eine kommt, sieht es anders aus. Und dann ganz plötzlich sind wir in Bluff. Eine kleine Siedlung kurz vor dem Monument Valley. Immerhin eine gut sortierte Tankstelle, an der wir uns mit Lebensmitteln versorgen. Denn die brauchen wir auch. Seit dem Frühstück heute Morgen gab es nichts mehr.

Mittlerweile hat sich der Wind zu einem kleinen Sandsturm entwickelt und unsere liebe Gastgeberin im Mokee Motel riet uns ab, heute noch ins Valley zu fahren. Zu gefährlich und man sieht nichts.

Das wurde uns von einem jungen Schweizer, der auch in unserem Motel übernachtete, bestätigt. Also Planänderung! Wir haben es wirklich schön und gemütlich in unserem Motel angetroffen, also wir werden es genießen. Ein wenig entspannen. Und aus dem Kaffee auf der kleinen Terrasse und dem Austausch von kurzen Nettigkeiten entwickelte sich ein schöner, unterhaltsamer und gemütlicher Abend mitten in der Wüste von Utah. Danke an Jan aus der Schweiz und Ulrike und Lars aus Dresden. Es war schön mit Euch, wir denken noch oft an den Abend mitten in der Wüste von Utah und folgen Euch auf Insta.

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