15. Mai 2026
Hello again Ely, Nevada auf der einsamsten Strasse der USA
Heute wartet ein echter Klassiker des amerikanischen Westens auf uns. Wir fahren über den legendären Highway 50, besser bekannt als „The Loneliest Road in America“.
Eigentlich ist der Highway 50 eine der längsten Ost-West-Verbindungen der Vereinigten Staaten. Er beginnt in Sacramento in Kalifornien und endet mehr als 4.000 Kilometer später in Ocean City im Bundesstaat Maryland am Atlantik. Wir sind bereits an der Meile 0 in Sacramento auf den Highway aufgefahren und folgen ihm seitdem quer durch Nevada. Heute führt uns die Strecke von Carson City bis nach Ely, rund 320 Meilen beziehungsweise 515 Kilometer. Für uns endet das Abenteuer Highway 50 allerdings hier, denn morgen verlassen wir Nevada und fahren weiter Richtung Idaho.
Schon kurz hinter Carson City passieren wir Dayton, die erste dauerhafte Siedlung Nevadas. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier einer der ersten Handelsposten des Bundesstaates. Als wenige Jahre später in Virginia City der gewaltige Comstock-Lode-Silberfund entdeckt wurde, profitierte auch Dayton vom Bergbauboom. Heute wirkt der kleine Ort ruhig und verschlafen, erzählt aber noch immer ein Stück der spannenden Geschichte des Wilden Westens.
Je weiter wir nach Osten fahren, desto beeindruckender wird die Landschaft. Immer wieder geht es über Gebirgspässe hinunter in endlose Täler, vorbei an Salbeisträuchern und kilometerweiten Ebenen. Genau diese Mischung macht den Highway 50 so besonders. Hinter jeder Passhöhe wartet eine völlig neue Aussicht.
Mitten in Nevada erreichen wir schließlich Austin. Das kleine Städtchen liegt auf über 2.000 Metern Höhe und entstand 1862 ebenfalls durch einen Silberfund. Noch heute säumen historische Gebäude, alte Kirchen und liebevoll erhaltene Häuser die Hauptstraße. Man hat das Gefühl, als wäre die Zeit hier einfach stehen geblieben. Austin gehört zu den Orten, an denen man unbedingt kurz anhält, ein paar Schritte läuft und den Charme des alten Westens auf sich wirken lässt. Wer braucht schon Hochausschluchten in texas, wenn man ein so charmantes Örtchen gleichen namens besuchen darf.
Ein weiteres Highlight ist Eureka, das sich selbst stolz als „Friendliest Town on the Loneliest Road“ bezeichnet. Auch dieser Ort entstand während des Silberbooms und besitzt bis heute eine wunderschöne historische Main Street mit alten Backsteingebäuden, dem markanten Opernhaus und vielen liebevoll restaurierten Fassaden. Wer hier durch die Straßen läuft, fühlt sich sofort in die Zeit der Gold- und Silbergräber zurückversetzt.
Von Einsamkeit kann übrigens kaum die Rede sein. Klar, es gibt lange Abschnitte ohne größere Orte, doch immer wieder begegnen uns Motorräder, Wohnmobile oder andere Roadtrip-Fans. Der Name "Loneliest Road in America" klingt also deutlich dramatischer, als die Strecke tatsächlich ist.
Zwischendurch entdecken wir sogar einen"Shoe-Tree". An einem Parkplatz stehen mehrere Bäume und viele menschen haben schienbar ihre Schuhe hier in hohem Bogen in den Baum geworfen, so dass sie hängen bleiben. Gehört haben wir davon schon, aber noch nie gesehen. Was es mit dieser tradition auf sich hat, wissen wir nicht so genau. Einer sagt, es soll Glück bringen, der andere sagt, es ist ein garant für die Wiederkehr an den Iort. Naja, klingt einleuchtend. Aber hier so miteen in der Wüste? Egal. Jedenfalls wieder eine der Kuriositäten, die wir lieben und die uns die Amerikaner noch sympathischer macht.
Am Nachmittag erreichen wir schließlich Ely. Die Stadt entstand ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts durch den Kupferbergbau und entwickelte sich später zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Doch zunächst erleben wir eine kleine Enttäuschung: Die komplette Hauptstraße ist eine einzige Baustelle. Schade, denn eigentlich wollten wir noch gemütlich durch die Stadt bummeln.
Zum Glück wartet am historischen Bahnhof noch ein versöhnlicher Abschluss auf uns. Bereits 2024 waren wir kurz hier, und auch diesmal bestaunen wir wieder die beeindruckenden Dampflokomotiven der Nevada Northern Railway. Die historische Museumsbahn gehört zu den am besten erhaltenen Eisenbahnanlagen der USA und versprüht echtes Wildwest-Flair.
Damit endet für uns das Abenteuer auf dem Highway 50. Eine Straße voller Geschichte, grandioser Landschaften, kleiner Westernstädtchen und unvergesslicher Eindrücke. Morgen heißt es dann Abschied nehmen von Nevada und willkommen in unserem nächsten Bundesstaat: Idaho.
Wir schlafen heute übrigens im Gefängnis. Ein kultiges, altes Motel und wir haben kein Zimmer, sondern eine Zelle. Aber keine Angst, nur dem Namen nach.
Jailhouse Motel and Casino (211 5th Street, Ely, NV 89301). Kostenpunkt: knapp 70€ für eine Nacht ohne Frühstück.
Vor unserem Motel fallen uns die vielen historischen Autos auf. Das kommt uns doch bekannt vor... An der Rezeption erklärt uns eine nette ältere Dame Marke Golden Girl, dass derzeit eine Ralleye stattfindet mit einer Parade, die wir auf gar keinen Fall verpassen dürften. Die Rallye findet jedes Jahr im Mai und September statt...also deshalb kommt uns das Spektakel bekannt vor. 2024 war diese Ralleye zum gleichen Zeitpunkt, als wir hier in der Ecke unterwegs waren. Na Zufälle gibt es...
Da wir nicht wie eigentlich gedacht viel Bummeln können, verbringen wir unseren Abend im, wie könnte es anders sein, im Casino. Wir sind ja schliesslich noch in Nevada. Yepp, und wir haben wieder gewonnen. Mit fast Null Einsatz. Wir haben uns nämlich Players-Cards machen lassen, eigentlich als Souvenir. Aber es gab ein kleines Guthaben, was uns Glück gebracht hat.
Das Abendessen besteht aus selbstgemachten Sandwiches und Tortilla-Chips. Genau das Richtige heute. Es war ein toller Tag. Und mächtig warm unterwegs. Aber bald kommen wir in kühlere Gefilde, da geniessen wir das noch. Also machen wir noch doch noch einen kurzen Spaziergang und kommen an einem Briefkasten vorbei. Richtig! unser Highway-50-Pass!
Natürlich haben wir heute unterwegs fleißig Stempel für unseren "Survival Guide der Loneliest Road" gesammelt. Meist gibt es den Stempel an Tankstellen, aber wir haben in Fallon den Stempel tatsächlich im Rathaus bekommen. Hatten wir so auch noch nicht. Und wie immer: allesamt nur freundliche Gesichter, die uns viel Spass und eine gute Reise gewünscht haben.
Insgesamt fünf Stationen müssen besucht werden. Am Ende wartet sogar ein offizielles Zertifikat auf alle, die die Strecke erfolgreich gemeistert haben. Ganz ehrlich: Für solche kleinen Aktionen sind wir immer zu haben. Das sind genau die Erinnerungen, die einen Roadtrip noch persönlicher machen. Für das Zertifikat trennt man einfach die Postkarte hinten im Heft heraus, füllt sie aus und wirft sie portofrei in den nächsten Briefkasten. Ich vermute, außerhalb der USA bekommt man eine E-Mail mit dem Zertifikat, wenn die Karte überhaupt ankommt... Ja und diese karte werfen wir direkt ein.
UPDATE:
immer wieder denken wir an unsere Postkarte.
Ob sie überhaupt angekommen ist?
Eine E-Mail kam bisher nicht an...
Am 11. Juli 2026 liegt ein großer Umschlag aus Amerika
in unserem Briefkasten. Post aus Nevada!
Und darin: unsere Urkunde. Und ein paar Souvenirs.
Aufnäher, Buttons, Autoaufkleber.
Ja, jetzt ist es offiziell, daß wir
"Survivor of the Loneliest Road in America" sind.
Damit haben wir im Leben nicht gerechnet.
Was für ein tolles Andenken an dieses Tag.
Auch wenn das Datum in den Juni gelget wurde...






























































































