Bonanza: Entdecke das andere Las Vegas 2025

14. Mai 2026

Bonanza und das andere Las Vegas

Was für ein Tag! Ein bisschen Wilder Westen, ein neues „Land“, etwas Schnee und ein bisschen Glück. Und wir haben uns mit Lake Tahoe versöhnt. Aber der Reihe nach.

 

Wir machen uns ein kleines Frühstück und holen uns kostenlosen Kaffee in der Lobby unseres Motels. Auweia, der weckt Tote auf. Aber die nNacht war dann doch etwas unruhig und wir können ihn gebrauchen.

Die mexikanische Tarantel hat dann noch für mächtig Unterhaltung gesorgt. Wir haben das Theater aber lieber aus unserem Zimmer verfolgt. Wir sind nämlich davon wach geworden. 

 

Der Kerl verschwand ja irgendwann und kam dann wohl später mit einer riesigen Tüte aus irgendeinem Fastfood-Laden wieder. Scheinbar wurde nun Versöhnung im Auto gefeiert. Zumindest sah der Parkplatz heute Morgen danach aus. Scheinbar gesellte sich dann noch ein anders Pärchen dazu und dann war es vorbei mit der Veröhnung und unserer Ruhe. Trotzdem sind wir irgendwann eingeschlafen. Dass die beiden in der Nacht aus dem Motel geworfen wurden, haben wir gar nicht mehr mitbekommen. Das haben wir heute Morgen in der Lobby erfahren, als man sich für die Unruhe bei uns entschuldigte. Noch ein netter Smalltalk mit einem Paar aus Montana und dann machen auch wir uns auf den Weg.

 

Es ist noch früh am Morgen und wir starten zu unserem ersten Ziel für heute, es geht nach Virginia City. Da wo "Bonanza" spielt. Gedreht wurde unseres Wissens nach nicht, aber Virginia City ist der Handlungsort der berühmten Westernserie. Auch heute finden noch regelmäßig Westernfeste, historische Nachstellungen, Paraden und weitere Veranstaltungen statt, die die damalige Zeit und "Bonanza" wieder aufleben lassen. 

Der Verkehr in Carson ist wirklich überschaubar, wir nehmen ein kurzes Stück den Highway 50, übrigens gleichzeitig mal wieder der Lincoln Highway, und kurz hinter Mound House geht es auf die 341, die unbemerkt zur 342 wird. Durch Berge und schöne Landschaften, wie könnte es anders sein. Und nach noch nicht einmal einer halben Stunde Fahrt sind wir mittendrin in Virginia City. Ursprünglich war die Idee, von Carson mit einem historischen Zug hier hoch zu fahren, aber der fährt momentan leider noch nicht. Ist ja noch vor Memorial Day. 

Wir stellen unseren George kostenlos auf einem kleinen Parkplatz etwas abseits der Main Street, eigentlich C-Street, ab. Direkt im Epizentrum kostet das Parken natürlich Geld, aber erstens sind wir in einer historischen Kulisse, da sehen Fahrzeuge aus der heutigen Zeit auf Fotos und Videos einfach blöde aus und zweitens kann uns ein Spaziergang nicht schaden. Und den machen wir. Ausgiebig, und frierend. Ja, für heute ist warmes Wetter angesagt und entsprechend sind wir gekleidet. Sicherheitshalber haben wir aber unsere Jacken mitgenommen, denn Virginia City liegt auf dezenten knapp 1.900m Höhe. Das vergessen wir leider immer mal wieder...

 

Wir genießen den Spaziergang entlang der historischen Hauptstraße. Vorbei an original erhaltenen Gebäuden, hölzernen Gehwegen, traditionellen Saloons, Hotels, Kirchen, Museen und Geschäften. Und da es noch sehr früh am Morgen ist, begegnen uns kaum Touristen. Die meisten Geschäfte haben auch noch geschlossen, aber gerade das macht dieses Earlie-Bird-Sightseeing aus. Man kann in aller Ruhe alles betrachten und auch fotografieren, ohne dass irgendwer plötzlich durchs Bild hupft. Einzig das Pipi-Thema kann problematisch werden, wenn man wie ich jetzt kalte Füsse und genug Kaffee intus habe. Wir entdecken zwar auf der Karte, die hier überall aushängt, den Hinweis auf öffentliche Toiletten, aber ich habe auch ein Talent dafür, die zu übersehen, wenn ich mit anderen Ausblicken abgelenkt bin. 

 

Virginia City zählt zu den berühmtesten historischen Bergbaustädten der USA. Weltbekannt wurde der Ort durch die Comstock Lode, den spektakulären Silber- und Goldfund von 1859, der einen der größten Bergbaubooms der amerikanischen Geschichte auslöste. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Virginia City von einer kleinen Siedlung zu einer wohlhabenden Stadt mit über 25.000 Einwohnern. Heute sind es natürlich nicht mehr so viele, aber die alten Minen kann man noch besichtigen. Wir nicht und auch das Museum lockt uns nicht so sehr. Hat ja auch noch geschlossen. 

Mittlerweile ist es schon 10 Uhr morgens, wir laufen bereits 2 Stunden entlang der C Street. Die Zeit rennt. Unglaublich. Aber dafür macht ein Geschäft nach dem anderen auf und in einem kleinen Shop erfahre ich, dass im gegenüberliegenden Visitor Center eine öffentliche Toilette ist. Das wird jetzt auch langsam Zeit.

Im Visitor Center hat man das Gefühl, die Zeit ist komplett stehen geblieben. Aber ich muss erstmal was anderes erledigen, umsehen werde ich mich danach. Und die Toilette selbst, vielmehr der Bathroom, ist schon sehr sehenswert. Und als ich mich nach getaner Arbeit ein wenig umsehe, Karten und Prospekte kann man ja nie genug haben, spricht mich eine amerikanische Tourstin auf meine Tattoos an. "Is that Elvis on your leg?" Ich bin ein wenig verdattert, wieso sieht die meine Gemälde??? Ach, ich laufe zwar mit Jacke aber kurzer Hose rum! Ich erkläre ihr lachend, dass das mein Papa ist, nicht Elvis. Passiert mir öfter... Dazu muss ich erklären: mein linkes Bein ziert ein Abbild des Hochzeitsfotos meiner Eltern, und im Jahr 1969 sah mein Vater auf den ersten und vielleicht auf den zweiten Blick dem "King" ein bißchen ähnlich.

Aber so kommt man ins Gespräch und die junge Frau, die nun hinter der Theke hervorkommt, zeigt mir ihre Tattoos auf dem Arm. Die musste ich ausgiebig bewundern, auch wenn ich schon gar nicht mehr weiss, was all die Zeichen zu bedeuten haben. Und dann kommt raus, dass ich aus Deutschland bin und das hallo bei der amerikanischen Touristin war groß, stammt doch ihr Mann aus Hamburg. Der kommt jetzt auch aus dem Bathroom und ich komme nicht mehr aus dem Visitor Center. Musste ich aber, denn Thomas wartet die ganze Zeit draußen. Ich wollte ja eigentlich nur kurz mal Lulu... Irgendwann gelingt mir mit einer freundlichen Verabschiedung die Flucht, im Schlepptau Frau USA und Gatte Hamburg. Wir plauderten draußen noch ein Weilchen zu viert und dann geht es weiter.

 

Endlich hat auch einer der Saloons auf, wir wollen uns einen Kaffee gönnen. Für kalte Getränke ist es uns noch zu frisch. Was für ein toller Laden! Natürlich mit Casino, wir sind schliesslich in Nevada. Nach einer kurzen Besichtigung setzen wir uns an die Bar, kommen mit den Angestellten mal wieder ins Plaudern und merken nicht, dass es fast Mittag ist, als wir uns endlich auf den Weg zum Auto machen. Wir hätten den ganzen Tag hier verbringen können. Virgina City ist wirklich eine Reise wert. 

Und ganz ehrlich: manchmal haben wir gedacht, gleich kommen die Cartwrights um die Ecke geritten...

 

Ein weiterer Funfact zu Virginia City? Hier begann die Karriere eines weltberühmten Schriftstellers! Im Jahr 1861 zog ein gewisser Samuel Langhorne Clemens mit seinem Bruder in das damalige Nevada-Territorium und versuchte sein Glück an der legendären Comstock Lode. Als der erhoffte Reichtum ausblieb, wechselte er die Seiten und wurde Journalist bei der Zeitung Territorial Enterprise in Virginia City. Am 3. Februar 1863 verwendete Samuel Langhorne Clemens erstmals das Pseudonym „Mark Twain“. Alles klar?!

 

Etwas oberhalb von Virginia City liegt der Silver Terrace Cemetery, ein Friedhof. Er entstand ab den 1860er-Jahren, als der Silberboom  immer mehr Menschen in die Stadt zog und ein großer Friedhof benötigt wurde.

Er ist natürlich nicht so groß wie andere Friedhöfe, die wir in den USA kennen und man kann auch nicht mit dem Auto drauf fahren. Vom Friedhof aus hat man einen wirklich aschönen Blick über Virginia City und die umliegende Berglandschaft. Das ist der eigentliche Grund für unseren Besuch. Und hier merken wir, dass es mittlerweile richtig heiss geworden ist. Hier gibt es keinen Schatten und wir machen nur einen kurzen Rundgang. Dabei fällt uns auf, dass einige Namen eine deutsche Herkunft erahnen lassen.

 

Vom Friedhof aus geht es für uns auf die Six-Mile-Canyon-Road. Und sie macht ihrem Namen alle Ehre. Wieder einmal eine tolle Landschaft, mit der wir nicht gerechnet haben. Hört das denn nie auf???

Und warum fahren wir hier überhaupt lang? Weil wir Kuriositäten lieben! Denn mitten in der Wüste Nevadas, in in der Nähe von Dayton und nur wenige Meilen von Virginia City entfernt, liegt die Republik Molossia. Eine Mikronation. Sie wurde 1977 von Kevin Baugh gegründet und umfasst gerade einmal rund 4,5 Hektar. Kevin Baugh ist natürlich auch der Präsident von Molossia. International wird Molossia nicht als eigenständiger Staat anerkannt und gehört völkerrechtlich weiterhin zu den USA. Amtssprache ist Englisch, Esperanto und Spanisch.

Mit viel Liebe zum Detail wird hier eine eigene Nation inszeniert. Molossia besitzt eine eigene Flagge, eine Nationalhymne, Briefmarken, Reisepässe, eine eigene Währung namens Valora, eine Eisenbahn, und behauptet augenzwinkernd, sich noch immer im Krieg mit der längst nicht mehr existierenden DDR zu befinden. Besuchen kann man Molossia nur im Rahmen einer Führung und wir stehen vor verschlossenen Toren. Geöffnet nur am Wochenende, steht auf dem Schild. Schade, aber...wir waren mal da! Und machen natürlich viele Erinnerungsfotos von diesem besonderen Ort.

 

Von Molossia geht es wieder über den Highway 50 zurück Richtung Carson City, Das lassen wir aber erst einmal links liegen und wir fahren noch einmal zum Lake Tahoe. Der hat uns gestern echt geärgert. Nachdem wir aber gestern im Capitol den Tipp bekommen haben, zum Hidden Beach zu fahren, machen wir eben einen Umweg und versuchen noch einmal unser Glück. Mehr Chancen haben wir in diesem Urlaub nicht, Lake Tahoe zu sehen...

 

Hidden Beach ist, wen wunderts, ziemlich beliebt. Parkplatz rappelvoll und ein Hinweisschild sagt uns: wir dürfen maximal 20 Minuten hier bleiben. Aber das reicht uns. Und in dem Moment fährt jemand aus einer Parklücke und macht uns Platz. Eine kurze Wanderung und wir können nur sagen: Wow! Lake Tahoe ist wunderschön und hat wirklich dieses glasklare Wasser, was man auf Fotos gern sieht. Der Abstecher hat sich gelohnt! Nochmal ein grosses "Thank you!" an James aus dem Capitol in Carson City.

 

Wir befolgen einen weiteren Tipp und fahren über in Incline Village hoch zum Mount Rose und von dort weiter Richtung Reno. Und hier haut es uns dann wirklich aus den Socken. Ein "Scenic Overlook" auf über 2.000m Höhe legt uns Lake Tahoe noch einmal in seiner ganzen Schönheit zu Füssen. Der Wahnsinn!

Wir fahren weiter über eine tolle Bergstrasse und es liegt vereinzelt sogar noch Schnee. Unglaublich! Ehrlich gesagt unser erster Schnee zum Anfassen in den USA! Und ja, auch diese Bergstrasse ist streckenweise wieder nichts für schwache Nerven. Aber wunderschön. Bis wir in den Ausläufern von Reno sind.

 

Es wird flacher und wir stellen fest, dass unser Golden Girl im Motel nicht ganz Unrecht hatte. Je näher wir Reno kommen, umso mehr wird der Verkehr. Angenehm ist das nicht. Aber irgendwie finden wir unseren Weg und dann sind wir in der Stadt. Und gespannt was uns erwartet. Wir nehmen das nächste Parkhaus und machen uns auf, Reno zu erkunden. 

 

Reno ist „The Biggest Little City in the World“ und wird oft als kleine Schwester von Las Vegas bezeichnet. Die Stadt entstand 1868 als Eisenbahnknotenpunkt und entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem der bekanntesten Glücksspielorte der USA und zwar lange bevor Las Vegas weltberühmt wurde. 

Mitten durch Reno fließt der Truckee River, am Ufer befindet sich der Riverwalk District. Auf dem Weg dorthin machen wir bereits einen Bummel über das, was man in Las Vegas den Strip nennt. In Reno ist es die Virginia Street...Wir machen ein Foto am Reno Arch uind blicken uns ein wenig um. Uns ist klar, dass reno nicht Las Vegas ist und deshlab haben wir hier keinen Glanz und Glamour erwartet. Aber zumindest Sauberkeit, wie man sie eigentlich in allen Wir wollen nicht die Menschen be- und verurteilen, die hier scheinbar auf und an der Strasse leben. Die gibt es auch in Vegas. Aber alles in allem macht Reno auf uns insgesamt einen heruntergekommenen und schmuddeligen Eindruck. Die Schaufenster dreckig und unattraktiv, zumindest dort, wo kein Leerstand ist. Auch am Riverwalk, auf den wir unsgefreut haben, finden wir es nicht "besser". Und so machen wir das, was man in einer Casinostadt macht. Also wir, für uns gehört es dazu. 

Wir gehen ins "El Dorado". Ein Resort mit Themenwelt? Hm. Aber wir haben Spaß im Casino. Und entdecken einen neuen Lieblingsautomaten. "Planet Moolah". Da werden Kühe von Außerirdischen entführt. Glaub ich. Und wenn genug Kühe in den Ufos sitzen, scheppert und klingelt es, man hat ein paar Freispiele...und gewinnt mehr, wie man reingesteckt hat. Im Idealfall. Und für uns läuft es ideal. 20$ Einsatz, am Ende 190,35$ ausgezahlt bekommen! Von unserem Gewinn wollen wir uns ein Abendessen gönnen. Als wir aus dem Casino gehen, merken wir, dass schon langsam die Sonne hinter den Bergen verschwindet. So im Schatten des Tages wirkt Reno auf uns noch, ja wie soll ich es sagen? Unschöner, unattraktiver, schmuddeliger? Mir fehlt da der richtige Begriff. 

Jedenfalls beschliessen wir, unser Abendessen in Carson City einzunehmen. Also geht es zum Parkhaus, von dort auf die Interstate und eine knappe halbe Stunde später haben wir unseren Lieblingsasiaten in Carson City erreicht. Panda Express. Eine Kette, die man jedem nur empfehlen kann, der jemals in die USA reist und asiatisches Essen mag. Spezialität des Hauses: Orange Chicken.

 

Gut gesättigt und voller neuer Eindrücke sitzen wir nun bei einem Absacker in unserem Motel und lassen den Tag Revue passieren. Heute war wirklich alles dabei. Eine tolle Westernstadt, eine Kuriosität, beeindruckende und wirklich atemberaubende Natur und ja, auch eine Enttäuschung. Die heisst Reno. Aber auch das gehört dazu.

 

Wir sind auf morgen gespannt. Da geht es auf den legendären Highway 50. Ob es wirklich so einsam ist? Und bekommen wir unsere Stempel in unserem "Highway-50-Pass" zusammen?

Auf unser Ziel morgen freune wir uns. Ely, Nevada. Dort sind wir im September 2024 schon einmal gewesen, auf unserem Weg von nach Las Vegas nach Salt Lake CIty. Was wir gesehen haben, hat uns gefallen. Ely wird der einzige Ort unserer Reise sein, in dem wir schon einmal waren.

© 2026 Silke & Thomas Geipel – Alle Rechte vorbehalten

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