25. Mai 2026
Abschied von den Black Hills und zurück nach Montana
Heute heißt es Abschied nehmen von den Black Hills und von South Dakota. Ein Bundesstaat, der uns mit seiner Landschaft und den vielen besonderen Eindrücken wirklich begeistert hat.
Wir verlassen früh unser Motel in Deadwood. Unser betrunkener Nachbar ist gestern tatsächlich noch mit dem Auto zurückgekommen. Sein Pickup steht auf dem Parkplatz neben unserem George. Aber dem geht es gut, da haben wir uns heute nacht nochmal versichert. Durch das Getöse sind wir natürlich wach geworden und als der Kerl in seinem Zimmer war, haben wir natürich nachgeschaut. Ansonsten war es ruhig.
Wir tanken noch einmal in Deadwood und fahren rüber nach Sturgis. Sicher dem ein oder anderen ein Begriff. Eigentlich ist Sturgis ist eine Kleinstadt rund 7.000 Einwohnern. Weltberühmt wurde sie durch die Sturgis Motorcycle Rally, die seit 1938 jedes Jahr Anfang August stattfindet. Mittlerweile hat sich die Ralleye zum größten Motorradtreffen der Welt gemausert. Dann hier zu sein ist für viele Biker ein Lebenstraum.
Das sonst ruhige Sturgis verwandelt sich für rund zehn Tage in das Mekka der Motorradfahrer: es reisen über 500.000 Besucher aus den gesamten USA und aus aller Welt an. Während der Rallye sind die Straßen voller Harleys und anderer Maschinen, es gibt Live-Musik, Motorradshows, Paraden und unzählige Händler.
Wir haben Mai und da ist Sturgis eine entspannte Kleinstadt mit historischem Stadtkern und typisch amerikanischem Western-Charme. So früh ist noch alles geschlossen, Viel zu sehen gibt es für uns also nicht und so machen wir uns auf den Weg Richtung North Dakota.
Bevor wir Sturgis aber endgültig hinter uns lassen, erleben wir noch einen dieser typisch amerikanischen Momente, die man nicht planen kann. Am Ortsschild, wo wir natürlich ein Foto machen müssen, hält plötzlich ein freundlicher Biker auf der Straße an, bemerkt unsere Selfieversuche und bietet ganz selbstverständlich an, ein Foto von uns zu machen. Einfach so. Genau diese ungezwungene Hilfsbereitschaft erleben wir auf unseren USA-Reisen immer wieder und sie zaubert uns jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.
Hinter Sturgis verändert sich die Landschaft deutlich. Die kurvenreichen Straßen und bewaldeten Hügel der Black Hills weichen einer scheinbar endlosen Prärie. Meile um Meile geht es fast nur geradeaus. Zugegeben, landschaftlich wird die Strecke jetzt ziemlich eintönig. Doch genau diese unendliche Weite hat auch ihren eigenen Reiz. Man versteht plötzlich, warum Entfernungen in den USA ganz anders wahrgenommen werden.
Irgendwo im sprichwörtlichen Nirgendwo entdecken wir einen alten Mercantile, der auf den ersten Blick wie ein uriges Diner aussieht. Natürlich müssen wir anhalten. Kaffee ist alle. Leider hat das Gebäude geschlossen, doch allein die Fassade, die alten Schilder und der Charme machen den kurzen Stopp lohnenswert. Solche kleinen Orte erzählen oft ihre ganz eigenen Geschichten.
Nach knapp zwei Stunden verlassen wir schließlich South Dakota und begrüßen den zwölften Bundesstaat unseres Roadtrips: North Dakota. Die Straßen werden noch leerer und der Verkehr verschwindet fast vollständig.
Kurz vor der Grenze nach Montana fahren wir durch den winzigen Ort Marmarth. Sofort stellen wir uns dieselbe Frage: Ist das hier eine Geisterstadt? Verlassene Gebäude, kaum Autos und fast keine Menschen sind zu sehen. Tatsächlich leben hier heute noch rund 100 Einwohner. Marmarth war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, heute scheint die Zeit hier einfach stehen geblieben zu sein.
Wenig später erreichen wir wieder Montana. Eigentlich waren wir erst vor gut einer Woche hier, auf unserem Weg zum Yellowstone Nationalpark. Damals wurden wir mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schneeschauern und Winterjacken empfangen. Heute begrüßt uns Montana mit strahlendem Sonnenschein und rund 30 Grad mehr auf dem Thermometer. Verrückt, was eine Woche in den Rocky Mountains ausmachen kann.
Die Landschaft wird langsam wieder abwechslungsreicher, doch die Kilometer bis zur Interstate 94 ziehen sich. Deshalb legen wir in Baker eine Pause ein. Bei sommerlichen Temperaturen genießen wir die angenehm klimatisierte Tankstelle, kühlen uns etwas ab, holen uns eine Kleinigkeit zu trinken und buchen spontan unser Hotel für die Nacht in Billings.
Viel erleben wir heute zwar nicht, es ist einer dieser klassischen Fahrtage, aber genau solche Tage gehören zu einem echten Roadtrip eben auch dazu. Sie verbinden die großen Highlights miteinander und zeigen uns die Weite Amerikas auf eine ganz besondere Art.
Vor Billings wird die Landschaft wieder richtig schön. Und auch wenn wir mittlerweile auf der Intertstae unterwegs sind, viele Alternativen gibt es in diesen einsamen Gegenden nicht, geniessen wir die Fahrt und die schönen Ausblicke.
Bevor wir ins Motel fahren, gibt es einen Stopp bei "Wendy's" in Billings. Fast unser Lieblings-Fastfood-Tempel. Und bedient werden wir von einer jungen Dame, die Wendy in Persona sein könnte.
Ja, mit Selbstverpflegung ist es mittlerweile schwierig. Habe ich erwähnt, dass unser geliebter roter Sandwichtoater den Sturz von einem Gepäckwagen nicht überlebt hat? Yepp, und wir vermnissen ihn. Sandwiches gehörten mittlerweile zu unserem Abendritual. Nicht jeden Tag, aber man glaubt gar nicht, was man für variationen zaubern kann. Ja und für die wenigen verbeleibenden Tage wollen wir keinen neuen kaufen. Nach Deutschland hätte er sowieso nicht mitgekonnt, andere Stromspannung, wie man weiss...
Wir lassen den Tag ruhig im Motel ausklingen. Wäsche waschen, Plaudern, Revue passieren. Was man so macht. UNd langsam schleicht sich Wehmut ein. Montana ist der Rückweg nach Seattle. Aber noch haben wir eine ganze Woche in diesem wunderbaren Land.
Heute ist Memorial Day in den USA, ein landesweiter Feiertag. Trotzdem haben wir ein Motel zu einem akzeptablen Preis gefunden. Das Super 8 by Wyndham Billings (5400 Southgate Drive, Billings, MT 59102) berechnet uns für eine Nacht mit Frühstück gerade mal 85€.































































