Route 66 - die Reise unseres Lebens
Eins haste immer dabei
Früher morgen in ABQ, unsere Strecke wird heute nicht allzu weit sein. Aber aufregender, wie wir dachten. Leider.
Unser Motel die Econo Lodge Old Town ABQ können wir übrigens empfehlen! Fußläufig nur ein paar Minuten zur historischen Altstadt und direkt an der Route 66 gelegen. Überraschenderweise wurden wir ja auf Deutsch empfangen, aber das nur am Rande, das erwarten wir auf all unseren Reisen generell nicht und sollte auch niemand erwarten! Sauber, ordentlich, herzlich. Vor allem auch bezahlbar, bei der Lage!
Wir machen noch einen kurzen Abstecher zu der berühmten Waschanlage aus „Breaking Bad“. Grüße nach Deutschland senden, da sitzen ein paar Fans und warten darauf.
Und dann geht es auf Etappe 12, geplante 190 Meilen. Es werden aber weniger, denn wir verzichten auf einen allzu großen Umweg über die ganz alte Streckenführung vor 1937 und die Interstate, die parallel zur Route 66 verläuft. Auch aus Sicherheitsgründen, denn manchmal hört die historische Straße einfach auf, Sackgasse. Und dann heißt es wieder zurück. Umwege hatten wir gestern genug. Wir freuen uns auf Gallup. Gestern haben wir auf dem Campingplatz die Tourismus-Managerin von Gallup kennengelernt. Sie hat uns einige Tipps für unseren Aufenthalt gegeben. Was ist sehenswert, wo kann man gut essen, was gibt es auf dem Weg dorthin.
Bei Mesita soll es dann aber wieder endgültig auf die Motherroad gehen. Aber es soll anders kommen.
Wir fahren ab und können bei Laguna lesen, dass die Stadt für Besucher gesperrt ist. Eine Native Town. Kein Problem, wir wollen ja auch nicht hin.
Am Owl Rock dann ein kurzer Stopp. Zumindest geplant. Der Owl Rock sieht wie der name sagt, einer Eule ähnlich. Und Eulen haben für mich eine besondere Bedeutung. Deshalb wollte ich Owl Rock gerne sehen...und wurde bitter enttäuscht. Die Form stimmte. Nette Felsformation, beim genaueren Hinsehen aber umrahmt von Müll und mit Kritzeleien beschmiert. Schön ist anders. Aber auf der Straße ein wunderschönes großes Route-66-Schild. Ein tolles Fotomotiv. Und dann wurde es aufregend. Im Nachhinein können wir darüber lachen. Aber in dem Moment bekamen wir es mit der Angst zu tun.
Die Kurzfassung: ein verdreckter, schrottreifer Pickup kommt angerast und hält. Erst dachten wir, der Fahrer hält an, weil er denkt, wir haben eine Panne und möchten helfen. Das sind wir mittlerweile schon gewohnt und das macht die Menschen hier aus. Doch weit gefehlt! Im Nachhinein hätten wir den 911 rufen sollen. Wie gesagt, wir waren in dem Moment geschockt. Aus dem Auto springt nämlich ein Typ mit langen, wehenden Haaren und schreit uns an, wir dürfen nicht in seine Stadt, ob wir nicht lesen könnten, überall stünden Schilder. Ich bin nicht auf den Mund gefallen und meinte nur: „Doch, lesen können wir, aber diese Schilder stehen am Ortseingang und die Stadt wollen wir gar nicht sehen.“ Interessiert uns nicht. Wir bereisen die Route 66 und mehr nicht.“ Mich als Frau ignorierte er erstmal und schnauzte Thommy an. Doch der reagierte erstmal nicht, er spricht halt nicht fließend englisch. Also MUSSTE dieser Winnetou auf Ecstasy mit mir vorliebnehmen. „Das ist alles Privatgelände und die Straße gehört mir auch. Wenn ihr weiterfahrt, lasse ich Euch von der Homeland Security festnehmen.“ Schnauzte er mich an „Ach, interessant, ich dachte, die Straße gehört allen Menschen. Ist doch staatlich.“ war meine Antwort. Gefiel ihm aber nicht, meine Gegenwehr. Er geht zurück zu seinem Auto. An eine Waffe wollte ich in dem Moment lieber nicht denken. Aber man muss auf alles gefasst sein. „Ich gebe Euch die Erlaubnis, auf meiner Straße zu fahren! Ich gebe Euch diese Karte, dann seid ihr sicher. Und ihr gebt mir 150$““ Sprachs, und hält mir einen zerknitterten Zettel mit irgendwas handgeschriebenem Hin. Ich reagierte erstmal nicht. „Dein Mann muss alle Bilder löschen, das Schild gehört mir auch! Sonst nehme ich die Kamera mit. Aber ihr könnt die Erlaubnis kaufen, dann ist alles in Ordnung!“ versuchte er es nochmal. Ich lachte, übersetze erstmal, was der Typ von uns wollte. Thommy löschte die Bilder, der Typ sah ziemlich verwirrt aus und bedankte sich dann auf einmal sehr höflich auf deutsch "Dankeschön!" Hä!? Er wollte uns nochmal seine „Erlaubnis“ geben. Wie gesagt für 150$! „Nein danke,“ entgegnete ich höflich wie er „wir fahren dann doch lieber die Interstate, so schön ist die Straße sicher nicht.“ Hat er wohl nicht mit gerechnet oder versteht keine Ironie. Oder beides. Wir sind ins Auto und lassen diesen Vollhonk zurück. Er rief uns nach, dass er noch ein Foto von uns macht, für die Homeland Security, falls wir doch ohne seine Erlaubnis weiterfahren. Leider musste ich mich im Vorbeifahren in dem Moment mit dem Mittelfinger an der Schläfe kratzen. Also ein…na ich sag es lieber nicht, wäre nicht jugendfrei! Von dieser Art von Einschüchterung haben wir in diesem Gebiet mehrfach gelesen. Aber nicht am frühen Tag! Also Leute: wer jemals die Route 66 befährt: auch wenn hinter dem Owl Rock ein schönes Stück der Motherroad bis nach Grants führen soll, fahrt nie in Mesita ab. Nehmt den Interstate! So eine Begegnung braucht niemand!
Ja, wir sind immer wieder vielfältigen Meinungen zu Natives begegnet. Vor allem weniger gut. Wir haben uns aus dieser Diskussion immer herausgehalten. Wir sind tolerant und respektvoll gegenüber anderen Kulturen. Nach der Begegnung aber müssen wir sagen: Wir sind Natives gegenüber mittlerweile sehr sehr misstrauisch. Und auch im Laufe einiger Reisen durch die USA mussten wir immer wieder feststellen: unfreundlicher sind keine anderen Menschen in den USA gewesen. Wir haben es nicht nur selbst erlebt, sondern auch beobachtet, ohne selbst daran beteiligt zu sein! Niemand hat das Recht, von jeder Menschenseele, die ihm über den Weg läuft, mit der Geschichte als Rechtfertigung Wiedergutmachung auf Lebenszeit zu fordern. Vor allem nicht in Form von Geld. Wer am meisten danach schreit, respektiert zu werden, der sollte dies nicht einfordern, ohne selbst dazu bereit zu sein. Nirgendwo auf der Welt. Punkt. Und das ist das einzige politische Statement, was wir abgeben. Weil wir eben diese Erfahrung machen mussten.
Wir sagen aber auch: Wir haben auch andere Erfahrungen mit Natives gemacht. Nett, zuvorkommend, neugierig. An diese erinnern wir uns gerne zurück. Es sind nicht alle gleich. Aber: ein schlechtes Korn kann die ganze Ernte verderben!
Aber genug jetzt davon!
Und uns hat der Typ mächtig den Tag versaut. Wir fahren weiter Richtung Gallup, auf das wir uns sehr gefreut haben. Vor allem auf unserer Unterkunft.
Wir fahren durch Grants. Hier soll es am Abend viele bunte Neonschilder geben. Können wir uns so am Tag nicht wirklich vorstellen. Auch sonst macht Grants auf uns einen eher verlassenen Eindruck. Aber am großen Fotobogen, da halten wir natürlich! Und weiter geht's.
Wir halten kurz an der Kontinentalscheide. Ab hier heißt es: Wenn man davor rechts steht, fliesst alles Gewässer in den Atlantik, Links in den Pazifik. Hier soll es sogar 2 Toiletten nebeneinander geben. Für das besondere Continental Divide Erlebnis. Aber…alles betrieben von Natives, Toilettenbenutzung 5$! Unser Bedarf an schlechtem Eindrücken ist für den Rest der Reise gedeckt! Um dem aus dem Weg zu gehen verzichten wir lieber auf einen Besuch in diesen Geschäften und fahren weiter.
Auf dem Weg nach Gallup halten wir kurz an den Pyramiden. Wunderschöne rote Felsen, hier könnte man wandern. Aber nicht vergleichbar mit den hiesigen Verhältnissen. Mittlerweile haben wir Mittagszeit, die Sonne brennt und Schatten wäre dort auch kaum. Uns ist das zu gefährlich. Ein paar Fotos und dann das letzte Stück Richtung Gallup.
Da es noch zu früh ist, um in unserem Hotel einzuchecken, machen wir eine kleine Fahrt durch Gallup. Die Tourismusmanagerin hat uns die Coffee Company empfohlen. Eine kleine Kaffeerösterei, wo es richtig guten Kaffee geben soll. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Bar vorbei, die unser Ziel für den heutigen Abend sein sollte. Aber…geschlossen. Scheint nicht unser Tag zu sein. Gallup ist leider eine einzige Baustelle, das hat die tourismus-Managerin scheibar vergessen...Deshalb gibt es nun einen wenig sehenswerten Fußmarsch. Aber der lohnt sich! Der Kaffee in der Coffee Company schmeckt nicht nur verdammt gut, er ist nach diesem Morgen Balsam für unsere Seele. Also ein Punkt in Gallup, den man mal besuchen sollte.
Langsam wird es Zeit für unser Hotel.
Wir haben ein Zimmer im El Rancho bekommen. Und das El Rancho ist wohl auch die größte Attraktion in Gallup. Wir checken ein und genießen erst einmal ein überraschend günstiges, sehr umfangreiches und sehr sehr leckeres Mittagessen im hoteleigenen Restaurant. Und dann erkunden wir unser Hotel. Es ist nämich etwas ganz besonderes. Es wurde im Januar 1988 ins National Register of Historic Places aufgenommen und steht unter Denkmalschutz
Eröffnet wurde das El Rancho 1936 und zahlreiche Filmstars haben hier gewohnt, denn hier in der Gegend wurden bis etwa Mitte der 1960er Jahre zahlreiche Western gedreht. Heute gibt es noch eine beindruckende Bildergalerie. Und es fühlt sich sehr historisch an, über Flure zu wandeln, wie einst so berühmte Menschen, die heute noch so einige kennen dürften! Burt Lancaster, Jane Fonda, Gregory Peck, Doris Day, Katherine Hepburn und Kirk Douglas sind nur einige der Namen, die Liste ist sehr, sehr viel länger.
In den 1980er Jahren sollte das El Rancho abgerissen werden. Aber…es liegt an der Route 66, so veränderte sich die Gästepopulation. Statt Filmstars und Produktionsteams kamen nun die Reisenden. Armand Ortega kaufte das Hotel und restaurierte es. Heute noch wird es von der Familie Ortega betrieben und erhalten. Die Zimmer sind alle renoviert und so restauriert wie sie waren, als alle Filmstars hier wohnten. Unser Zimmer bewohnte einst Joseph Cotton. Der Schauspieler hatte seine Höhepunkte in den 1940er Jahren und seine bekanntesten Filme sind Citizen Kane und Der dritte Mann.
Gallup ist übrigens einer der ältesten Orte der USA! Bis 2500vChr. kann die Bevölkerung zurückverfolgt werden! Natürlich blühte auch Gallup mit der Eisenbahn auf, der Name kommt von dem Zahlmeister der Eisenbahn David Gallup. Wir sind in einem Gebiet, wo die Bevölkerung zu gut 70 % aus Einheimischen besteht. Nach unserem Erlebnis heute morgen…naja, aber hier gibt es sehr viele freundliche Menschen, die nichts für diesen Idioten können. Leider gehört Gallup zu den weniger sicheren Städten der USA, deshalb wollen wir nicht zu Fuß durch den Ort. Wir machen noch eine kleine abendliche Spazierfahrt, aber…viel zu sehen gibt es für uns nicht wirklich. Wir sind nicht an irgendwelchen Tineff-Souvenirs interessiert, sondern lassen den Abend in der wirklichen Attraktion des Ortes ausklingen. Der Tag hat uns geschafft, aber…morgen ist ein neuer Tag. Wir werden die Route 66 verlassen. Wenn wir schon mal in der Nähe sind, werden wir einen Abstecher machen. Morgen geht es über das Four-Corners-Monument ins Monument Valley, wo wir eine Nacht bleiben werden. Noch sind wir etwas skeptisch, der Idiot heute morgen hat uns gründlich die Freude darauf versaut. Da ist nämlich auch Indianer-Gebiet. Wir sind etwas misstrauisch, was uns dort erwarten wird. Vor allem wer. Wir wollten den Abstecher schon absagen, aber unser lieber Freund Dietrich hat uns versichert, dass es ein sicheres Gebiet ist.