Route 66: Auf den Spuren von Abraham Lincoln

Route 66 - die Reise unseres Lebens

Auf den Spuren von Abrahma Lincoln

Eine unruhige Nacht liegt hinter uns. Unsere Zimmernachbarn haben die halbe Nacht Party gemacht, das Super8-Motel in Pontiac war also keine gute Wahl. Zwar sauber, aber hellhöriger wie andere und das Personal…zwar freundlich, jedoch wortkarg und etwas spuky. Aber der Kaffee war gut. Wir machen uns früh auf, um uns Pontiac etwas näher anzuschauen und danach auf Etappe 2 zu starten.

Dass es eine gute Idee ist, das Sightseeing vor Ort auf die frühen Morgenstunden zu verschieben, haben wir schnell gemerkt. Kaum Menschen auf der Straße, perfekt für schöne Fotos und Aufnahmen.

In Pontiac parken wir wieder am Museum und folgen den Fußspuren, die durch den Ort führen. Schnell merken wir, dass der Ort nicht nur von Bob Waldmire geprägt ist, sondern hier auch schon Abraham Lincoln seine Spuren hinterlassen hat.

Eine hübsche kleine historische Innenstadt, im Mittelpunkt das County Courthouse. Sehr gepflegt. Und immer wieder Wandgemälde, die hier Murals heissen. Wir erfahren später von einem amerikanischen Freund, dass man diese hauptsächlich in Illinois und Missouri findet. Wir mögen diese kleine, gepflegte Stadt.

Dann geht es auf Etappe 2, die uns nach gut 110 Meilen nach Springfield, der Hauptstadt Illinois, bringt. Und in Springfield bleiben wir 2 Nächte, wir wollen es ja ruhig angehen lassen.

In Lexington fahren wir auf einem erhaltenen Originalabschnitt der Route 66. Viel gibt es rechts und Links nicht mehr zu sehen, aber es ist schon ein besonderes Gefühl hier zu fahren.

In Towanda geht es weiter durch Dead Man's Curve. Der Belag hier war früher reiner Schotter, und hier gab es in damaligen Zeiten viele Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit. Deshalb der Name. Mit Glück war nur das Auto Schrott.

Hier begegnen uns auch wieder die Minireime auf kleinen, roten aufeinanderfolgenden Schildern mit weißer Schrift. War es damit auf sich? Nichts weiter als ein Werbetrick einer Firma für bürstenlose Rasiercreme – Burma Shave. Und heute Kult. Die Firma gibt es so heute natürlich nicht mehr, eine lange Geschichte, aber so bleibt sie irgendwie unvergessen. Ein charmantes Überbleibsel der damaligen Zeit.

Wir fahren nach einem kurzen Stempelstop bei Sprague's Super Service weiter durch die Zwillingsstadt Normal-Bloomington. Bei Sprague's bekomme ich auch endlich einen Druck eines Gemäldes von Bob Waldmire. Das hatte ich mir gewünscht, denn es ist ein ganz besonderes Andenken. Auch in Normal-Bloomington begegnet uns wieder Mr Licnoln, also ein weiterer kurzer Stopp. Viel weckt hier sonst nicht unsere Aufmerksamkeit, also weiter zu einem kleinen Highlight für uns. Denken wir zumindest. Funks Grove. Hier soll es den weltbesten Ahornsirup geben. Uns erwartet eine kleine Geisterstadt und – wir nehmen natürlich den falschen Weg. Durch den Wald hindurch landen wir an einem Ausflugspunkt, sehr schön gelegen. Ok, hatten wir nicht gesucht, aber Zeit für ein Picknick nehmen wir uns. Das Frühstück war ja sehr spärlich.

Wir fahren den ganzen Weg zurück und dann sind wir am Ziel. Funks Grove – und nix ist mit Ahornsirup. Es ist Sonntag und da wird der Laden erst um 13:00 Uhr geöffnet. Aber hier ist Halbzeit auf der Route 66 in Illinois. Sagt zumindest ein Schild. Ob es stimmt? Nachgemessen haben wir natürlich nicht…

Es geht weiter durch die Felder von Illinois. Nächster Stop ist Atlanta. Bei Spragues erzählte man uns, daß hier in Atlanta eine Autoshow sein soll. Entweder haben wir sie verpasst oder nicht entdeckt. Zwar sehen wir einige kurios aussehende Gefährte, aber Show? Nicht wirklich.

Aber hier steht wieder ein Muffler Man. Eine dieser riesigen Glasfaser-Figuren. Wir parken direkt davor, denn Atlanta ist ansonsten eigentlich wie ausgestorben. Wir vertreten uns kurz die Füsse, machen ein paar Fotos und es geht weiter.

Nächster Stop ist Lincoln. Auch hier ein wenig Sightseeing, kurze Stops und ein paar Fotos. Mehr gibt es nicht zu sehen für uns. Unsere Etappenliste ist schnell abgearbeitet. Etwas enttäuscht sind wir schon. Soviel zum Thema „das muss man gesehen haben“. Ne, muss man nicht. Also wir nicht. Da sind wir schon ehrlich.

Die Etappe ist kurz und so wirklich interessant ist sie nicht. So langsam verstehen wir, warum viele von „boring Illinois“ sprechen. Etwas langweilig ist es wirklich. Aber umso mehr Zeit haben wir heute Abend in Springfield.

Zwischen Lincoln und Williamsville liegt der kleine Ort Elkhardt. Eigentlich nur eine Straße. Aber: Hier hat vor vielen vielen Jahren der Kinderstar Shirley Temple zum Mittagessen einen Stop eingelegt. Und davon lebt der Ort noch heute. Ein kleines Denkmal gibt es, das schauen wir uns natürlich an. Denn…das ist es in unseren Augen, was diese kleinen Orte dann ausmacht. Der Stolz auf einen kurzen Augenblick in der Geschichte.

Und schnell sind wir in den Ausläufern von Springfield. Diese Ortsbezeichnung gibt es tatsächlich 64x verteilt auf 35 Bundesstaaten in den USA. Aber dieses Springfield hier, das ist schon etwas besonderes. 

Es ist geprägt von Abraham Lincoln, der noch heute wohl beliebteste Präsident der USA, wenn man Umfragen glauben schenken darf. Und es ist die Hauptstadt von Illinois. Und hat gleich zwei Capitol Buildings. Gibt es sonst auch nicht nochmal.

Wir checken erstmal in unser Hotel ein, wir bleiben zwei Nächte. Wir wollen uns ja, wie schon erwähnt, Zeit lassen. Und Urlaub haben wir schliesslich auch. Gewählt haben wir übrigens das Carpenter Street Hotel. Und es war eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Ziemlich zentral gelegen, für unsere Unternehmungen ideal. Parkplatz wieder kostenlos.

Und hier in Springfield starten wir direkt mit unserem Sightseeing. Schliesslich sind wir recht früh angekommen. 

In Springfield trifft die Route 66 auf viel Geschichte. Und diese Geschichte dreht sich in erster Linie um den 16. Präsidenten der USA, denn hier lebte und arbeitete kein anderer als Abraham Lincoln. Und er ist hier begraben. Lincoln wird von den meisten Amerikanern verehrt. Von Beruf war er Anwalt und sein größter Verdienst war wohl, dass er die Sklaverei abgeschafft hat.

Wir fahren zum Oak Ridge Cemetery, dort befindet sich die Grabstätte von Abraham Lincoln. Vor dem Grab wurde ein gut 36m hoher Obelisk errichtet, davor befindet sich eine goldene Büste von Lincoln. Das Reiben der Nase ist Tradition und soll Glück bringen. Deshalb glänzt sie auch so golden.

Präsident Lincoln verstarb am 15.04.1865 nach einem Attentat in Washington. Man verbrachte seinen Leichnam nach Springfield, wo er zunächst in einem Gewölbe untergebracht wurde. Es dauerte 3 Jahre, diese wirklich beeindruckende Grabstätte zu bauen. Hier erkennt man, dass man Lincoln die Ehre zollt, die ihm gebührt. Der Präsident wurde 1871 erst in einer Krypta eingesetzt und fand 1874 nach der Fertigstellung des Denkmals hier seine letzte Ruhe. Drei seiner Kinder und seine Frau sind ebenfalls hier beigesetzt. Die Gebeine Lincolns und seiner Frau liegen etwa 3 Meter unter einem riesigen Marmorsarkophag im Beisetzungsraum.

Der Eintritt ist natürlich kostenlos und wenn man schon in Springfield ist, dann sollte man einmal hierher kommen. Am Eingang wurden wir von zwei jungen Männern begrüsst, die uns ein wenig über das Mausoleum und das Wirken Lincolns erzählten. Als sich herausstellte, daß wir aus Deutschland kommen, freuten sie sich, daß auch wir uns für diesen wichtigen Teil amerikanischer Geschichte interessieren. Wie sich herausstellte, war einer der beiden für ein Jahr in Deutschland als Gaststudent gewesen und er freute sich, mal wieder einige seiner Deutschkenntnisse anbringen zu können. Wir plauderten mal wieder länger wie geplant…aber so ist das nunmal auf so einer Reise. 

Der Besuch an Lincolns Grabstätte hat uns doch sehr beeindruckt. Die Ehre, die Lincoln heute noch entgegen gebracht wird, ist definitiv etwas Besonderes und vor allem Spürbares.

Wir fahren weiter zur Lincoln Home National Historic Site. Hier befindet sich das Wohnhaus der Lincolns, übrigens das einzige Haus, das Lincoln je besessen hat. Hier lebte er 16 Jahre mit seiner Familie, bevor er 1860 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Die Straßen wurden so erhalten, wie sie waren, als Lincoln nach Washington ging. Man kann das Haus der Lincolns mit einer kostenlosen Führung besichtigen. Leider waren wir zeitlich zu spät dran und konnten kein Ticket mehr ergattern. Die sind nämlich ziemlich gefragt. Aber es macht auch so viel Spaß, in die damalige Zeit abzutauchen und sich die Nachbarschaft von damals anzuschauen. Wir bleiben auch hier länger wie geplant. Also alles weitere am nächsten Tag.

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