Route 66 - die Reise unseres Lebens
LA Sightseeing Griffith, Mulholland & Malibu
Morgens um halb 5 in Santa Monica. Unser letzter Tag ist angebrochen. Und wir sind wie immer früh unterwegs. Diesmal sogar noch früher. Sehr, sehr früh. Denn wir haben viel vor. Griffith Observatory, Mulholland Drive, Malibu. Soweit der Plan. Machen wir auch, trotzdem wird der Tag für uns anders sein. Aber dazu später mehr.
Und auch wenn die Sonne schon am Horizont so langsam ihr Gesicht zeigt, ist es noch dunkel, als wir aufbrechen.
Warum wir sooo früh unterwegs sind? Wir wollen zum Griffith Observatory. Dort soll man einen tollen Blick über LA haben, und besonders beliebt ist es dort am Abend, zum Sonnenuntergang. Beliebt heißt dann auch voll. Und teuer parken, wenn man mit dem Auto hochfährt. Anthony, unser Security-Mann vom Motel hat uns den Tipp gegeben, früh morgens zu fahren. Kaum jemand ist dort, um den Sonnenaufgang über der Stadt zu erleben, also viel entspannter und ruhiger wie tagsüber oder gar am Abend. Und: man kann bis fast ans Observatorium ranfahren und hat bis 10 Uhr morgens keine Parkgebühren. Kostet sonst 10$. Pro Stunde. Also was in Texas grundsätzlich grösser ist wie woanders ist halt in Kalifornien teurer wie woanders. Sollte man wissen.
Erstmal ab auf die Interstate. Auch ein Tipp von Anthony. Geht sowieso schneller, auch so früh am morgen mit weniger Verkehr und vor allem: es ist sicherer, wie im Dunkeln oder in der Dämmerung durch Hollywood zu fahren. Ja, man sollte auf die Einheimischen hier hören. Trotzdem dauert die Fahrt gut eine ¾ Stunde und somit haben wir den Sonnenaufgang schon irgendwie verpasst. Wie so oft haben wir die Fahrerei von der Entfernung her unterschätzt. Vom Kopf her sind wir ja „nur“ in einer Stadt unterwegs. In Wirklichkeit durchqueren wir gerade etwa eine Strecke quer durchs Saarland. Mal so als Vergleich für die Distanzen hier.
Nachdem wir uns durch das Gewirr der Autobahnen einen Weg gebahnt hatten, geht es durch Wohngebiete hoch Richtung Griffith Park. Ja, auch hier sind wir in Hollywood. Und im definitiv schöneren Teil als am Hollywood Blvd. Die Fahrt zum Park geht durch saubere und gepflegte Wohnviertel, der komplette Gegensatz zu „unten“. Unten, weil der Griffith Park als einer der größten Stadtparks Nordamerikas in den Santa Monica Mountains liegt. Und die Sternwarte, das Griffith Observatory, liegt auf gut 300m Höhe auf der Südseite des Mount Hollywood. Den ersten grossen Parkplatz lassen wir links liegen. Wir hören auf unseren netten Security-Menschen und fahren weiter hoch.
Auf dem Weg zum Observatory kommen uns schon erste Wanderer entgegen, die aufgebauten Hütchen und Schilder lassen schon ahnen, was hier tagsüber los ist. Aber…wir haben freie Fahrt. Und dann kommen wir zum Mt Hollywood Tunnel. Der kommt uns bekannt vor, Euch auch? Wären wir im Film „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, würde uns am Ende Toontown erwarten. Viel einprägender ist für uns aber die Szene aus Back to the future 2. Da will Marty McFly Biff den Sporttalmanach abnehmen. Und das passiert genau in diesem Tunnel. Im Film heisst er River-Road-Tunnel. Aber…uns erwartet am anderen Ende weder Toontown noch Doc mit einer Fähnchengirlande, sondern einfach nur das letzte Stück Strasse bis zum Griffith Observatory.
Ja, hier findet man mehr oder weniger zufällig immer wieder markante Punkte aus Filmen, und auch am Observatory wurde viel gedreht. Vielleicht kommt es daher dem einen oder anderen bekannt vor.
Anthony, unser netter Security-Mann, hat uns da wirklich einen coolen Tipp gegeben. Ok, den Sonnenaufgang haben wir verpasst, aber noch weiter vorn können wir gar nicht parken und -es kostet uns keinen Cent. Und nach einem kurzen Fußmarsch nach 3 Tagen in LA nun endlich – der Blick auf das berühmte Hollywood Sign. Zwar in der Ferne, aber immerhin ein freier Blick.
Ursprünglich im Jahr 1923 errichtet, war das Hollywood Sign als riesige Werbetafel für ein Immobilienentwicklungsprojekt namens "Hollywoodland" gedacht. Das ursprüngliche "Land" wurde später entfernt, und das Zeichen entwickelte sich zu einem Symbol für den Glanz und Glamour der Filmindustrie.
Das Griffith Observatory wurde 1935 eröffnet und ist seitdem ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Es dient nicht nur als astronomisches Observatorium, sondern auch als Bildungs- und Kulturzentrum. Besucher haben die Möglichkeit, interaktive Ausstellungen über Astronomie, Raumfahrt und die Geschichte des Observatoriums zu erkunden. Der Eintritt an sich ist frei, nur Führungen oder bestimmte Ausstellungen kosten etwas. Natürlich ist um diese Zeit hier noch alles geschlossen, und ausser uns sind nur ganz wenige Menschen hier oben. Der Außenbereich des Observatoriums bietet eine tolle Aussicht. An klaren Tagen soll man von hier oben sogar den Pazifik sehen können, aber über der Stadt hängt meist eine Dunstglocke, so wie heute. Aber wir mögen es trotzdem hier oben, zumindest zu so früher Stunde. Die aufgehende Sonne wirft ein schönes Licht auf die Umgebung und wir geniessen den kleinen morgendlichen Spaziergang und die Aussicht.
Auf unserm Weg raus aus dem Griffith Park nochmal ein kleiner Stopp. Das Navi mit dem nächsten Ziel füttern. Und dann sind wir plötzlich ganz aufgeregt. Mitten im Park…2 junge Kojoten. Erst nur schwer zu erkennen, fahren wir etwas dichter ran. Natürlich halten wir Abstand um die Tiere nicht zu belästigen. Unglaublich, mitten in der Wildnis haben wir nie welche zu Gesicht bekommen. Und hier liegen die Kerlchen einfach so vor uns in der Sonne. Faszinierend. Vor lauter Aufregung haben wir das Navi natürlich vergessen, ein Kaffeestop an der Tankstelle musste dann unbedingt sein.
Und weiter geht es durch die Strassen von Hollywood. Wir wollen rüber zum Mulholland Drive und am last house on Mulholland starten. Denn hier soll man auch einen tollen Blick auf das berühmte Hollywod-Sign haben. Ganz zufällig entdecken wir das ursprünliche Büro der Hollywoodland Realty Company, die Firma, die 1923 das Hollywoodland Schild baute und von dem heute nur noch der berühmte Schriftzug Hollywood übrig ist. Tatsächlich gibt es die Immobilienfirma heute noch und ist auch noch hier im alten Gebäude ansässig. Aber…es ist hier eine Wohngegend und man kennt das wohl schon mit den Touristenströmen. Durchfahrt fast überall gesperrt, Parken verboten. Mulholland ist in der Woche gesperrt. Also drehen und ein kurzer Stopp, um wenigstens ein Foto mit dem weltberühmten Schriftzug zu bekommen. Wir sind ein wenig enttäuscht, können aber auch die Bewohner hier verstehen. Wir hätten da auch keine Lust drauf.
Wir fahren an der Kreuzung Cahuenga/Woodrow Wilson auf den Mulholland Drive. Der Mulholland Drive ist nicht nur eine gewöhnliche Straße, sondern eine legendäre Strecke, die sich durch die Hügel der Santa Monica Mountains schlängelt. Die Straße wurde nach William Mulholland benannt, einem Ingenieur, der im frühen 20. Jahrhundert eine Schlüsselrolle in der Wasserversorgung von Los Angeles spielte.
Wir halten nicht an jedem Scenic-Point, wir wollen ja auch vorankommen. Malibu Beach wartet ja auch noch auf uns heute. Aber am James C. Daniel Overlook halten wir auf jeden Fall. Hier hat man nicht nur einen wenigstens seitlichen Blick nochmal auf das Hollywood Sign, sondern auch einen Blick auf Hollywood Bowl, 1922 eröffnet und heute noch eine der größten Freilichtbühnen mit Platz für etwa 18.000 Zuschauern.
Mulholland Drive erstreckt sich über knapp 21 Meilen also etwa 34 Kilometer und die Aussichtspunkte bieten Panoramablicke auf Los Angeles, und dem San Fernando Valley. Jeden werden wir nicht ansteuern, sonst kommen wir nicht weiter. Besonders beeindruckend soll der Blick nachts auf dem Mulholland Drive sein, aber ob ich diese enge und kurvige Strasse nachts fahren würde? Ich weiss es nicht
Die Anwohner entlang des Mulholland Drive genießen jedenfalls nicht nur eine atemberaubende Aussicht, sondern auch eine gewisse Abgeschiedenheit und Privatsphäre, die diese Region zu einem begehrten Wohngebiet gemacht hat. Mit dem nötigen Kleingeld natürlich. Die Nachbarschaft von Stars und Sternchen dann aber inbegriffen. Marlon Brando, Warren Beatty, Madonna und Jack Nickolson, Bruce Willis…und viele andere Stars die sicher jeder kennt, lebten oder leben noch immer hier oben.
Es ist ein schönes Gefühl, diese berühmte und auch berüchtigte Strasse zu fahren. Lohnt sich. Und was uns auffällt: hier riecht es gut! Irgendwie blumig und frisch. Also wenn man schon in LA ist, dann sollte man zumindest einmal im Leben den Mulholland Drive gefahren sein. Finden wir.
Wir fahren bis zur Kreuzung Encino Hills Drive. Hier links geht es noch Richtung San Vicente Mountain Park. Etwa noch eine Meile aber die Strasse soll nicht so gut befahrbar sein. Es sei denn, man mag Schotterpisten. Wir fahren rechts.
Von hier soll es nun für uns Richtung Malibu gehen. Im Prinzip immer den Ventura Blvd erstmal geradeaus. Durch Encino und Tarzana, wieder einmal Schlag auf Schlag, wie im Ruhrgebiet aber sehr viel schöner. Wir kaufen noch kurz etwas ein…und dann wird unsere Fahrt erstmal jäh unterbrochen. Unsere Prepaid-Karten sind nach 30 Tagen abgelaufen, aber wir hatten noch eine für die letzten Tage zur Sicherheit im Gepäck. Die für Notfälle, falls was ist. Jetzt ist was. Wir bekommen eine Email. Unser Flug morgen wurde gecancelt. Wir möchten uns bitte umgehend im Lufthansa-Kundencenter in Frankfurt melden. Tolle Wurst. Lange Rede, kurzer Sinn: Ob es an 9 Stunden Zeitverschiebung und/oder an der Unfähigkeit und dem fehlenden Kundenservice der Lufthansa lag, mag dahin gestellt sein. Immerhin landeten wir 2x in der Warteschleife…für jeweils etwa 30 Minuten, dann wurde die Leitung gekappt. Wir hatten Fragen, immerhin hatten wir feste Sitzplätze und weitere Gepäckstücke gebucht und auch schon bezahlt. Der Chatbot bot uns nur Flüge auf Warteposition an, für 2 Tage später. Da mussten wir schon längst wieder auf der Arbeit sein. Nach gut 1 1/2 Stunden Warterei in einem Starbucks kam eine weitere Email. Diesmal mit der „guten“ Nachricht, nämlich dass man uns auf andere Flüge umbuchen konnte. Am nächsten Tag, fast zur gleichen Zeit. Aber…statt nach München sollte es erstmal nach Warschau gehen. Und von dort dann nach Düsseldorf. Ankunft…etwa 2 Stunden später als gebucht. Ok, aber…wie gesagt, wer konnte unsre Fragen beantworten? Niemand. Nach gut 2 Stunden setzen wir unseren Tag fort. Wir konnten jetzt sowieso nichts mehr ausrichten. Aber unser Zeitplan ist total hinüber. Längst hätten wir in Malibu sein müssen. Auch ein Rat von Anthony. Vor 12 Uhr in Malibu hat man noch die Chance auf einen Parkplatz in Strandnähe, auch wenn die was kosten. Nicht vergessen, wir haben Freitag!
Uns war der letzte Urlaubstag so richtig versaut. Aber…wir wären nicht wir, wenn wir nicht versuchen würden, das Beste draus zu machen. Also auf Richtung Malibu, wieder den Ventura Blvd weiter geradeaus und dann ein kurzes Stück über den Freeway. Der führt uns dann schon in eine andere Landschaft und in Agoura Hills geht es dann auf die Kanan Road in die Santa Monica Mountains. Eine schöne Landschaft, eine gut ausgebaute Strasse und…mehr Verkehr wie gedacht. War nix mit einsamer Bergstraße. Und trotz dem Chaos, was die Lufthansa verursacht hat, versuchen wir die Fahrt zu geniessen. Von der Kanan Road geht es fast automatisch auf die Kanan Dume Road. Und dann sind wir auch schon in Malibu. Also in den Ausläufern. Malibu ist für Strände, luxuriösen Anwesen und entspannte Lebensweise bekannt ist. Die Stadt beherbergt einige der teuersten Wohnanlagen in Kalifornien, darunter zahlreiche Anwesen direkt am Strand. Prominente Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche und der Wirtschaft haben sich in Malibu niedergelassen, um die Privatsphäre und den Luxus zu genießen.
Wir stossen auf eine weitere berühmte Strasse. Den Pacific Coast Highway. Oder schlicht „California One“. Eine der schönsten Küstenstrassen der Welt über knapp 1000km entlang der kalifornischen Pazifikküste. Start ist Garberville und Ziel San Diego. Sie steht auch auf unserer Bucketlist. Heute dürfen wir mal kurz dran schnuppern. Aber erstmal nur ganz kurz.
Denn wir wollen zum Point Dume, eine Landspitze mit Felsen und Klippen, mehr oder weniger zwischen Central und Western Malibu gelegen. Von hier soll man einen wunderschönen Ausblick auf den Pazifik und die umliegende Umgebung haben. Bei gutem Wetter und freier Sicht.
Kurz vor dem Ziel zieht sich der Himmel immer weiter zu. So ist das hier mit den Wolken. Obwohl für den ganzen Tag strahlendes Wetter angesagt ist…man sieht von hier kaum das Meer. Uns fehlt wirklich die Motivation, jetzt noch zum Aussichtspunkt zu wandern und darauf zu hoffen, dass sich die Wolken so schnell verziehen wie sie gekommen sind.
Also zurück und kaum dass wir Point Dume den Rücken kehren verziehen sich auch die Wolken.
Die Strände von Malibu gehören zu den schönsten der Welt da wollen wir noch hin heute. Zuma Beach und Surfrider Beach lassen wir aussen vor, wir wollen zum Malibu Beach. Baywatch und so…Da wir aber unnötig Zeit verloren haben, ist es mittlerweile ziemlich voll, wie man am Verkehr sieht. Und rechts runter, da wo es zu den Parkplätzen am Strand geht…abgesperrt, weil voll. Auch dafür nochmal danke an die von uns Steuerzahlern gerettete Airline.
Wir entschließen uns zu einem Besuch im Malibu Country Mart. Eigentlich eine kleine Outdoor Mall, wo sich die Promis tummeln sollen. Ok, gesehen haben wir bewusst keine, aber wer weiss…Promis können wir auch in der Presse sehen, der Grund warum wir hier sind: Wir haben Hunger und von, wie könnte es anders sein, Anthony, unserem netten Security-Menschen, wurde uns Malibu Kitchen mehr wie empfohlen. Es sind die Sandwiches, laut Anthony die besten in ganz Kalifornien. Übrigens auch bezahlbar für Otto Normalverbraucher. Das war mal echt ein Highlight.
Wir haben keine Chance mehr auf einen Strandbesuch, ohne ewig weiten Fussmarsch. Die Zeit die uns fehlt halt…Und bei mittlerweile fast 35 Grad keine gute Idee. Also zurück nach Santa Monica. Vielleicht gibt es unterwegs ja noch die Möglichkeit für einen Stopp. Es werden viele Stopps. Denn irgendwann stauen wir uns nur noch den Highway 1 entlang, statt ihn zu fahren.
Wir halten nochmal kurz am Strassenrand, in der Hoffnung, doch noch mal die Füsse in den Pazifik zu stecken. Aber…dann wussten wir, warum hier plötzlich Parkplötze frei waren. Der Zugang zum Strand wäre nur durch ne Kletterpartie über die Felsen möglich gewesen.
Ehrlich gesagt haben wir heute auf nichts mehr Lust dank dem Chaos, was die Lufthana verursacht hat. Die Reise unseres Lebens endet am letzten Tag traurig und gefrustet. Wir machen noch eine kleine Fahrt durch Santa Monica und dann… Statt wie vorgehabt, den letzten Tag nochmal am Santa Monica Pier zu verbringen und dort ausklingen zu lassen…ab ins Motel.
Koffer packen, ein wenig ausspannen…und dann ab ins Bett. Morgen geht es heim. Leider.