Route 66 - die Reise unseres Lebens
Die Anreise und der Hancock Tower
Heute, am 25. Mai 2022 geht es wirklich und tatsächlich los.
Ehrlich gesagt, gebangt haben wir bis zur letzten Minute. Bzw wir bangen immer noch, wir sind ja noch nicht durch die Immigration in den USA…
Aber wir stehen endlich hier in Neuss am Hauptbahnhof und warten auf die S-Bahn, die uns nach Düsseldorf zum Flughafen bringt.
Von dort geht es weiter nach Frankfurt. Und dann – endlich auf nach Chicago.
Ein langer Tag ist uns schonmal sicher. Zwar geht der Flug zu humanen Zeiten, aber die Aufregung hat dann doch die Nacht zum Tag gemacht.
Und ja, wir hätten auch mit der Bahn nach Frankfurt anreisen können. So können wir aber unser Gepäck schon in Düsseldorf bis Chicago durchchecken und ganz bequem umsteigen. Zum Zeitpunkt unserer Abreise war die Lufthansa sogar noch zuverlässiger als die Deutsche Bahn, und so mussten wir nicht auf dem ganzen Weg Angst haben, daß wir unseren Flug nach Chicago durch irgendwelche sagen wir mal Vorkomnisse bei der Bahn vielleicht verpassen.
Auch wir gönnen uns mal die kleine Dekadenz, und solange unsere Politiker durch die Welt jetten statt ihre Meetings online abzuhalten – was sollen wir uns dann Sorgen um irgeneinen CO2-Abdruck machen? Der Flieger wäre so oder so geflogen, ob wir jetzt umweltfreundlich die Bahn genommen hätten oder nicht. Soviel zu diesem Thema. Und klärt hoffentlich die bereits aufgekommene Frage…
In Düsseldorf erwartet uns dann ein wenig Chaos, allerdings kein Vergleich mit dem in der Ferienzeit. Aber leider sorgt auch die Dummheit der Menschheit für Verzögerungen, oder ist es so neu, daß man Flüssigkeiten nicht im Handgepäck hat und ist es so schwer das umzusetzen, was einem gebetsartig aber freundlich vom Sicherheitspersonal gesagt wird!? JA! Schuhe und Gürtel muss jeder ausziehen, akzeptiers, bereite dich vor und fertig, da diskutiert man nicht!
Hinter der Schleuse arbeiten dann allerdings auch nicht unbedingt die hellsten Sterne am Firmament. Wir durften von einem knapp 20jährigen Knäblein lernen, daß 50g Senf (ein Mitbringsel für einen Freund) und Kameras in den Koffer gehören. Beides somit im Handgepäck verboten. Senf gilt zwar als Flüssigkeit, aber 50g liegen ja dann doch wohl unter der zulässigen Menge von 100ml, oder!?
Was das Knäblein da von sich gab, war natürlich Kokolores, musste dem Knäblein ein netter Kollege erklären, dem die Dummheit seines Kollegen sichtlich peinlich war. Das Knäblein war wohl gefrustet, dass andere Menschen in Urlaub fliegen und er muss arbeiten…ja, und noch viel lernen!
Der Flug ging pünktlich los, war ruhig und angenehm. Und dann waren wir auch schon in Frankfurt.
Bis zur Zollkontrolle lief es trotz Rennerei durchs halbe Terminal prima. Freundliche Menschen stempelten die Reisepässe ab und dann waren wir offiziell schonmal raus aus der EU.
Und dann kam die Sicherheitskontrolle der USA. Die, mit den Befragungen. An sich kein Problem. Wenn nicht gerade drei Maschinen – und zwar die „kleinen“ 747 – fast gleichzeitig gen USA starten sollten. Und von den 6 Schaltern waren gerade mal 2 besetzt. HolladieWaldfee, das Ende vom Lied: gestartet sind alle 3 Maschinen natürlich mit Verspätung. Aber sie sind gestartet. Unsere auch, und vor uns lagen 9 Stunden Flug.
Die Fahne der Route 66, die wir ja 2019 von Angel Delgadillo als Glücksbringer geschenkt bekommen haben, soll ein besonderes Souvenir werden. Wir wollen so viele Unterschriften unterwegs sammeln, wie es nur geht. Von Menschen, die wir treffen. Überall und an besonderen Orten.
Und da uns Flug LH430 mit einer äusserst netten Crew endlich nach Chicago bringt, haben wir auch dort nach Unterschriften gefragt. Und die komplette Crew, einschließlich Pilot und Co-Pilot waren von der Idee begeistert, alle haben nicht nur unterschrieben, es gab viele Wünsche mit auf die Fahne dazu. Und Schokolade! Nicht auf die Fahne, aber als kleines Geschenk.
Der Flug war recht entspannt, wir haben dann doch etwas Schlaf nachgeholt. Pünktlich wach geworden kurz vor Grönland und bei bester freier Sicht drüber hinweg. Ein wahnsinnig toller Anblick!
Die freie Sicht wurde dann ab der Grenze zu Kanada immer mehr zum Blick auf die Wolkendecke, und zur Landung in Chicago war dann nix mit ersten Blick auf die Skyline und so. Chicago empfing uns nämlich mit Regen und Tornadowarnung!
Die Einreise ging zügig und als der nette Herr sagte „Welcome to the USA and have a great time!“ waren auch die allerletzten Zweifel weg. Die Reise unseres Lebens wird wirklich wahr!
Wir holten unser vorgebuchtes Auto, bis Oklahoma City wird ein schwarzer Toyota Camry unser Reisebegleiter sein. Den Camry haben wir Mr Capone getauft, schliesslich sind wir ja in Chicago.
Und dann ging es flott Richtung Motel. Wir sind ja auf einem Roadtrip. Da macht man das so. Aber ehrlich gesagt sind uns auch die Hotelpreise in Chicago selbst etwas zu überzogen gewesen.
Für 3 Nächte, wie wir sie geplant haben, nichts unter 600€ und on top darf man dann auch noch den Parkplatz bezahlen. Der günstigste lag bei 30€ pro Tag als Hotelgast. Nö.
Da sind wir nur zum Schlafen, ein Motel in Morton Grove, knapp 15 Meilen oberhalb von Downtown Chicago, wurde unser Domizil für die ersten Nächte. Und es war eine gute Wahl. Sauber, freundlich und in einer guten Gegend. Auch das sollte man vorher nachlesen. Es gibt gerade in grösseren Städten Bezirke, da muss man nicht unbedingt hin.
Kaum am Motel angekommen mussten wir dann auf dem Parkplatz ausharren. Der Platzregen, der da runterkam liess uns keine Chance auszusteigen. Na prima. Aber wenigstens war die Tornadowarnung nur eine Warnung, also konnten wir mit dem Regen leben.
Wie wir dann im Laufe der Reise gelernt haben, ist das, was in Deutschland schon als halbe Vollkatastrophe in den Nachrichten kommt, in den USA nicht mehr als nur ein Schauer, der gleich wieder vorbei ist. It’s just water. Und so war es.
Eingecheckt, einen leckeren Kaffee genossen, der gehört hier überall zum Service, und ein wenig eingerichtet.
Lange haben wir uns erstmal nicht im Motel aufgehalten. Wir hatten ja noch etwas vor und dann war da ja auch noch diese Sache mit dem Jetlag. Chicago liegt 7 Stunden hinter Deutschland. Und Ortszeit hatten wir knapp 17 Uhr. Also waren wir schon über 24 Stunden auf den Beinen!
Es geht rein nach Chicago. Wir hatten uns schon auf Chicago gefreut, die Fahrt von Morton Grove rein führte uns durch wirklich schöne Ecken. Wir ärgern uns etwas, dass wir die Fahrt noch nicht gefilmt hatten.
Es geht zum Hancock Tower. Tickets hatten wir von Deutschland aus gebucht. Genauso wie den Parkplatz. SpotHero ist da eine ganz prima Sache, so als Tipp! Aus Versehen hatten wir direkt im Hancock Tower das Parkhaus gebucht, guter Preis, wir hätten für 15$ bis zum nächsten Morgen dort parken können. Also mussten wir gar nicht weit laufen, dafür haben wir aber auch noch nicht viel von Chicago gesehen.
Der Hancock Tower ist ein Wolkenkratzer mit 100 Stockwerken, auf der 94. Etage befindet sich die Aussichtsplattform. Bekannt als 360 Chicago, denn von hier hat man tatsächlich einen 360 Grad Ausblick. Und was für einen! Die Wolkendecke hatte sich mittlerweile in höhere Sphären verzogen, der Regen hörte auf und sogar die Abendsonne kam raus. Und wow…was wir hier gesehen haben…der absolute Wahnsinn! Wolkenkratzer von oben, die großen Straßen wirken wie kleine Gässchen und der Lake Michigan strahlt.
Chicago ist eine unserer Lieblingsstädte auf der ganzen Welt geworden. Spätestens, als wir runter und kurz auf der berühmten Magnificent Mile in der Abenddämmerung spaziert sind, hatte Chicago uns in den Bann gezogen. Aber für heute soll es das erstmal gewesen sein.
Zum Sightseeing haben wir übermorgen einen ganzen Tag eingeplant.
Der Jetlag hat uns jetzt total im Griff und wir wollen nur noch ins Bett.
Unterwegs ein schneller halt an einem Burgerladen und dann fallen wir einfach nur noch ins Bett. Es wird eine aufregende Nacht.