24. Mai 2026
Deadwood: Goldrausch, Revolverhelden und unser erstes Rodeo
Heute führt uns unser Roadtrip zurück nach Deadwood, einer der berühmtesten Wildweststädte der USA. Mitten in den Black Hills von South Dakota scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Holzbalkone, historische Fassaden und Saloons erinnern an die Zeit des großen Goldrauschs.
Deadwood entsteht im Jahr 1876, als in den Black Hills Gold gefunden wird. Innerhalb kürzester Zeit wächst aus einem wilden Goldgräberlager eine gesetzlose Stadt voller Glücksritter, Glücksspieler, Revolverhelden und Abenteurer. Berühmte Persönlichkeiten wie Wild Bill Hickok, der hier erschossen wird, oder Calamity Jane leben in Deadwood und prägen bis heute die Geschichte der Stadt.
Natürlich lassen wir uns den Mount Moriah Cemetery nicht entgehen. Dort liegen Wild Bill Hickok und Calamity Jane Seite an Seite begraben. Der Friedhof macht seinem Namen allerdings alle Ehre. Er liegt hoch oben auf einem Berg. Alter Falter… der Aufstieg hat es wirklich in sich. Damals gab es eben keine Shuttlebusse. Die gibt es heute, allerdings wohl eher für die ganz Faulen. Wir entscheiden uns natürlich für den Fußweg und werden oben mit einem großartigen Blick über Deadwood belohnt.
Zurück am Eingang des Friedhofs kommen wir mit Keith aus Chicago ins Gespräch. Aus einem kurzen Hallo entwickelt sich eine richtig nette Unterhaltung. Genau solche zufälligen Begegnungen machen für uns das Reisen in den USA immer wieder besonders.
Danach wartet ein weiteres Highlight auf uns. Heute erleben wir etwas, das schon lange auf unserer Wunschliste steht: unser erstes echtes amerikanisches Rodeo.
Gibt es etwas Amerikanischeres? Wahrscheinlich kaum. Sportveranstaltungen gehören hier einfach zur Kultur, und ein Rodeo wollten wir schon immer einmal besuchen. Bisher sind wir allerdings immer zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Heute passt endlich alles zusammen.
Natürlich sehen wir den Umgang mit Tieren grundsätzlich kritisch. Einen Stierkampf würden wir uns niemals ansehen. Deshalb beobachten wir ganz genau, wie mit den Pferden umgegangen wird. Unser Eindruck ist eindeutig: Die Tiere werden vor und nach ihren Einsätzen aufmerksam betreut und sorgfältig versorgt. Das nimmt uns viele Bedenken und wir können die Veranstaltung genießen.
Die Atmosphäre ist einfach einzigartig. Countrymusik, Cowboyhüte, Familien auf den Tribünen und jede Menge Spannung in der Arena. Für uns ist es faszinierend, dieses Stück amerikanischer Kultur einmal selbst zu erleben und nicht nur aus Filmen oder dem Fernsehen zu kennen.
Nach dem Rodeo checken wir in unserem Motel ein und schlendern anschließend noch einmal gemütlich durch Deadwood. Ja, die Stadt lebt heute natürlich vom Tourismus. Trotzdem verliert sie ihren besonderen Charme nicht. Über dieselben Straßen zu laufen, auf denen einst Goldgräber, Glücksspieler und Revolverhelden unterwegs waren, fühlt sich schon ziemlich besonders an.
Und natürlich gibt es in Deadwood ein Casino nach dem anderen. Wir haben Hunger und betreten scheinbar ein Restaurant. An der Theke kann man sich niederlassen, das finden wir aber zu ungemütlich und wir gehen in den angrenzenden Casinobereich. Anders als in Las Vgas bekommt man hier tatsächlich etwas zu Essen angeboten, wenn man spielt. Das wussten wir aber bis dahin noch nicht. Wir setzen uns an einen Automaten und werfen 20$ ein. Eine junge Dame kommt und fragt, ob wir etwas trinken möchten. Alkohol gibt es hier in South Dakota im Casino nicht kostenlos, aber wir möchten zwei kühle Cola. Es ist wirklich heiss heute. Sie kommt wieder und meint "We offer Shrimps and Pizza for free for the gamblers. You can take so much you want. We've just restocked and it tastes really delicious! Enjoy your time!" Sagt es und entschwindet. Wir lassen es uns schmecken und ja, es ist frisch und lecker. Abzüglich des Tipps und Gewinn/Verlust unseres Spiels haben wir sage und schreibe 1,22$ für ein gutes und reichliches Abendessen bezahlt. Unglaublich.
Wir bummeln zurück zu unserem Motel. Es ist noch früh nund bereuen ein wenig, dass wir nicht noch einmal das Deadwood Gulch resort gebucht haben. Das wäre noch frei gewesen, lag uns aber für einen Fußmarsch zu weit draußen. Wir übernachten diesmal fast in der Stadt im Gold Country Inn (801 Main Street, Deadwood, SD 57732, USA) für 80€ ohne Frühstück. Versteht mich nicht falsch. Unser Motel ist uralt und könnte ein wenig Farbe und Renovierung vertragen. Wir werden freundlich empfangen, es ist sauber, und für eine Nacht absolut in Ordnung. Aber das Zimmer ist wirklich sehr klein. Das Kingsize-Bett füllt fast den ganzen Raum. So beschliessen wir, noch einmal zum Spielen ins Deadwood Gulch zu fahren. Und gewinnen wieder eine nette Summe.
Zurück in unserem Motel setzn wir uns noch vor unser Zimmer und lassen den Tag Revue passieren. Aufregend war es, aber auch gemütlich. Wir haben es wirklich genossen.
Und dann merken wir, daß die Amerikaner wirklich feiern an diesem Wochenende. Ein Mann kommt telefonierend auf das Motelgelände getorkelt, im Schlepptau eine Frau. Die trägt seine Golftasche und lässt sie vor unserem Nachbarzimmer fallen. Der Mann kommt hinterher und hält uns plötzlich sein Handy hin. Wir sollen seiner Frau erklären, dass er mit seiner Schwester wirklich nur Golfspielen war und ein wenig zu viel getrunken hat. Ist klar. Natürlich nehmen wir das Telefon nicht. Da legt er es einfach vor uns hin und...verschwindet in unserem Nachbarzimmer. Anscheinend seines. Die Frau, die er im Schlepptau hat, wohnt ein Zimmer weiter. Sie entschuldigt sich noch bei uns für sein Verhalten, meinte, sie wäre seine Schwester und will gehen. ich zeige auf das Handy, am anderen Ende hat man aber scheinbar aufgelegt. Achselzuckend geht sie zum übernächsten Zimmer und meint: ""His wife, his phone, his problem." Und ist weg. Hm.
Plötzlich öffnet sich wieder die Tür unseres Nachbarzimmers. Der Mann kommt rausgetorkelt, schliesst sein Auto auf...und fährt weg. Hallo? Der ist toal betrunken! Wir hoffen, dass er bei seiner Rückkehr nicht unseren George rammt, der parkt direkt vor unserem Zimmer. Wir sitzen noch eine gute Stunde in der warmen Abendluft, bevor wir schlafen gehen. Wir legen das Handy noch vor die Tür unseres Nachbarn und hoffen auf eine ruhige Nacht.
Er war ja nicht unfreundlich, im Gegenteil. Irgendwie tat er einem schon fast leid, wie er da am Telefon gebettelt hat. Aber so eine Begegnung braucht es nicht unbedingt, oder?
Ein kleiner Filmtipp darf zum Schluss natürlich nicht fehlen: "Deadwood" gehört zu den aufwendigsten und authentischsten Westernserien überhaupt. Auch wenn nicht alles historisch exakt ist, vermittelt sie die Atmosphäre dieser wilden Zeit unglaublich gut. Wer sich für den Wilden Westen interessiert, sollte unbedingt einmal hineinschauen.



































































































































































































