Route 66 & Mal schnell nach London - Reiseblog (46 Zeichen)

Route 66 - die Reise unseres Lebens

Mal schnell nach London

Wieder einmal Earlybird Sightseeing. Obwohl wir gut geschlafen haben, sind wir früh wach. Oder gerade deswegen. Das Motel 6 kann man empfehlen, nichts weltbewegendes, aber saubere Zimmer und freundliches Personal. Und: kostenfreier Kaffee an der Rezeption. Das reicht uns schon und wir machen unser typisches Earlybird Sightseeing. In Kingman sind wir nicht zum ersten Mal, also klappern wir nur ein paar Stellen ab, die es entweder 2019 noch nicht gab oder die wir nicht gesehen haben. Wir waren nur auf der Durchreise. Empfehlen würden wir auf jeden Fall einen Besuch im Visitor Center im Historic Powerhouse! Die Ausstellung zur Route 66 ist – so finden wir – eine der sehenswertesten, die Zeit lohnt sich zu investieren. Das haben wir nämlich 2019 gemacht.

Heute werden wir nochmal einen kleinen Abstecher machen. Unsere letzte Nacht in Arizona verbringen wir in Lake Havasu City, wir wollen die London Bridge ansehen. Was es damit auf sich hat? Dazu später. Erstmal geht es in Kingman wieder auf die Route 66. Unser Zwischenstop ist Oatman, ein uriges altes Goldgräberstädtchen. Klar, touristisch. Aber die Menschen dort oben leben von und mit der Route 66 und ihrer Hauptattraktion. Die nämlich besonderen Einwohner. Und denen wollen wir auf jeden Fall nochmal einen Besuch abstatten. Heute ist Samstag, es könnte auch wieder mal ziemlich voll überall werden. Aber die Strecke von etwa knapp 90 Meilen gibt uns genug Zeit, den Tag ruhig angehen zu lassen.

Kurz hinter Kingman wird die Route 66 zum Oatman Highway. Eine der schönsten Abschnitte der Route 66 liegt vor uns, wie wir finden. Und diesmal fahren wir richtig rum. Von Ost nach West. So gehört sich das. Ganz ehrlich: 2019 sind wir diesen Abschnitt schonmal gefahren. Aber eben von Oatman nach Kingman also von West nach Ost. Auf der Route 66. Für uns hat sich das gefühlt, als wenn wir falsch rum eine Einbahnstraße fahren.

Unterwegs sind hier wieder viele Warnschilder angebracht. Die sind vom National Weather Service und warnen in besonders gefährdeten Gebieten davor, diese Straße weiterzufahren, wenn sie überflutet ist. Kann man sich bei diesem Wetter kaum vorstellen, aber die Regenfälle können wirklich heftig sein, das haben wir ja in Oklahoma gesehen. Wenn man diese Schilder sieht, dann sollte man vorsichtig sein. Auch bei diesem tollen Wetter sollte man einen Blick auf die Umgebung haben.

Hier in der Wüste können die Regenfälle wirklich reissende Flüsse bilden. Und für uns Europäer sind Straßen, auf dem Wasser steht normalerweise nichts Besonderes. Bei uns in den Städten läuft das Wasser auch relativ gut ab durch die Kanalisierung. Aber die Wüste ist nicht kanalisiert!

Hier bilden sich mitunter reißende Flüsse. Und auch wenn es nur danach aussieht, dass „ein wenig“ Wasser auf der Straße steht: fahrt hier nicht rein! Man kann nicht sehen, ob die Straße unter dem Wasser weggebrochen ist. Das passiert. Eine schnell fließende Flut kann bei einer Wassertiefe von 15cm schon einem Menschen die Füsse wegziehen. Bei 30 Zentimetern werden Autos weggespült und 60cm Wassertiefe reichen aus, um einem LKW sprichwörtlich die Reifen unterm Hintern wegzuziehen.

Wir kommen nach Cool Springs. Cool Springs ist eng mit der Geschichte der Route 66 verbunden, ursprünglich in den 1920er Jahren erbaut, war es ein wichtiger Rastplatz für Reisende auf dieser legendären Straße. Das alte Tankstellengebäude wurde in den 1960er Jahren geschlossen und verfiel, aber es wurde später liebevoll restauriert und wiedereröffnet. Man kann es sich kaum vorstellen, aber für den Film „Universal Soldier“ wurde das hier alles in die Luft gesprengt! Und dann wieder neu aufgebaut. Das restaurierte Tankstellengebäude verwaltet heute das Cool Springs Museum und natürlich einen Souvenirladen.

Hier hatten wir 2019 ein tolles Erlebnis. So typisch amerikanisch und es zeigt, wie warmherzig und freundlich die Amerikaner sind.

Wir waren schon etwas spät dran. Aber ein Halt musste mit meinen Eltern sein. Leider war Cool Springs wohl schon geschlossen, Crazy Ray und seine Frau waren gerade im Aufbruch. Sie sahen uns, stiegen aus ihrem Auto und öffneten den Laden extra nochmal für uns. Leider konnten sie nicht lange bleiben, weil sie einen Termin hatten, aber sie luden uns ein, mit ein paar Route 66 Sodas so lange zu bleiben, wie wir wollten und die Aussicht zu genießen. Unfassbar, das wäre in Deutschland kaum zu erwarten.

Leider betreiben die beiden Cool Springs wohl nicht mehr, aber das kleine Museum wollten wir schon sehen. Es wurde gerade geöffnet, wir konnten auch rein, aber der Dame waren so frühe Besucher scheinbar nicht so ganz recht. Da machen wir uns lieber auf den Weg nach Oatman. 

Weiter über den Oatman Highway und über den Sitegreaves Pass. Eigentlich eine schöne Panoramafahrt. Als Fahrer sollte man sich allerdings nicht ablenken lassen. Schmal, teils schwer einzusehen und Leitplanken…nur stellenweise. Ja, der Sitegreaves Pass ist nicht ohne. Aber schön und der einzige Weg von dieser Seite hoch nach Oatman. 

Oatman wurde in den 1860er Jahren während des Goldrausches in Arizona gegründet. Die Stadt war ein blühendes Bergbaucamp, das nach Olive Oatman benannt wurde, einem Mädchen, das von den Yavapai-Indianern entführt und später freigelassen wurde. Die Stadt erlebte ihren Höhepunkt während des Gold- und Silberbergbaus in der Region. Eine der Hauptattraktionen von Oatman sind die wilden Esel, die die Straßen der Stadt bevölkern. Diese Esel sind Nachkommen der Arbeitsesel, die während der Bergbauzeit verwendet wurden. Sie wurden nicht vertrieben und die Menschen hier kümmern sich wirklich rührend darum, dass es den Tieren gut geht und sie trotzdem ihre Freiheit behalten können. Leider werden immer wieder Esel durch rücksichtslose Auto- und Motorradfahrer verletzt. Nicht umsonst stehen Warnschilder am Straßenrand. Wer durch die Berge fährt, sollte nicht rasen. Die Aussicht genießt sich viel besser bei langsamerem Tempo und man gefährdet keine Tiere, die hier ihren Lebensraum haben. Esel kennen keine Verkehrsregeln, die Menschen schon.

Besucher können übrigens Futter für die Esel kaufen und sie füttern. Sie sind zutraulich, aber trotzdem sollte man nicht vergessen, dass es wild lebende Tiere sind.

In Oatman lebt ein ganz besonderer Esel. Walter ist ein Eselwaise, der von seiner Mutter nicht angenommen und in die Wüste gelassen wurde. Man fand ihn, erst ein paar Tage alt und das Ehepaar Brad und Kelly adoptierten ihn. Seitdem lebt er bei und mit ihnen, tobt mit den Hunden und ist eine gute Seele durch und durch.

Fotos von unserem zufälligen Fotostopp bei Walther gibt es natürlich. Brad und Kelly waren nicht da, aber ein junger Mann war so freundlich und erlaubte uns, dem kleinen Esel, dessen Schicksal wir über die sozialen Medien verfolgen und der so uns so ans Herz gewachsen ist, Hallo zu sagen und Fotos zu machen.

Oatman hat gut erhaltene historische Gebäude, darunter Restaurants, Souvenirläden und Bars, die den Wild-West-Charme der Stadt bewahren. Das Oatman Hotel, in dem Clark Gable und Carole Lombard in den 1930er Jahren ihre Hochzeitsnacht verbracht haben, ist ein besonders bekanntes historisches Gebäude. Das Zimmer ist noch im Original erhalten, rein kann man nicht, aber alles durch eine Scheibe von außen betrachten. 2019 haben wir schon alles Mögliche erkundet, deshalb bummeln wir einfach durch die Straße und genießen es, hier zu sein. Wir schaffen es sogar endlich, einen der Gunfights zu sehen. Bisher haben wir es immer wieder erfolgreich verpasst, einen zu erleben. 

Eine kleine Westernshow von Laiendarstellern, die die im Anschluss gesammelten Spenden einem wohltätigen Zweck zuführen. Oatman veranstaltete jedes Jahr verschiedene Veranstaltungen, darunter das Oatman Sidewalk Egg Fry, bei dem Eier auf dem heißen Gehsteig gebraten werden, um die Hitze der Wüste zu demonstrieren.

Und als wir uns wieder auf den Weg machen, erfahren wir selbst, warum man so auf der Hut sein muss. Ok, die Tiere sind Menschen gewohnt, sie sind neugierig und wollen natürlich betteln. Aber bitte nicht füttern! Die wilden Eseln vertragen unser Essen nicht. Auch wenn es noch so schwer fällt: Ihnen nichts zu geben hilft ihnen!.

Und nach dem netten Abschied aus Oatman sind wir wieder on the road. Weiter auf dem Oatman Highway. Bzw der Route 66. Unser nächster Stopp ist Topock 66. Nicht nur, weil es dort wieder einen Stempel gibt. Langsam wird es Zeit für einen kleinen Lunch.

Topock 66 ist eine Bar und ein Restaurant, direkt am Colorado-River mit Blick nach Kalifornien. Ja, der Colorado trennt nämlich hier Arizona und Kalifornien, unser letzter Bundesstaat auf dieser Reise. Aber heute schauen wir nur rüber, wir bleiben ja noch in Arizona.

Wir haben gut gegessen, den kühlen Schatten genossen…und uns geärgert! Weil wir unsere Badesachen irgendwo im Koffer hatten und so nicht ins kühle Nass springen konnten. Es war zwar recht voll, klar bei der Hitze und dann auch noch Wochenende. Aber das hätte uns gut getan. Vor allem, weil dann auch noch eine Liveband auftrat und für richtig gute Stimmung gesorgt hat. Am und im Pool. Aber wir mussten irgendwann auch mal weiter. 

Von Topock bis Lake Havasu City ist es nicht mehr weit, knapp 30 Meilen und recht unspektakulär. Wir halten an einem Walmart. Wir benötigen neue SIM-Karten, denn unser Inklusiv-Volumen scheint langsam aufgebraucht. Wir werden sehr nett beraten, aber niemand weiss, ob amerikanische Prepaid-Karten in europäischen Handys funktionieren. "Probiert es einfach aus. Wenn es nicht funktioniert, dann bringt ihr die Karte einfach zurück." Na, wir sind gespannt...ob es funktioniert und ob wir die Karte wirklich zurückgeben können.

Warum wollen wir eigentlich dort hin?

Die Stadt erstreckt sich entlang des Colorado River und ist bekannt für den künstlichen See, den Lake Havasu, der durch den Bau des Parker Dams am Colorado River entstanden ist, der See erstreckt sich über etwa 45 Kilometer. Ebenfalls berühmt ist Lake Havasu City auch für die London Bridge, die in den 1960er Jahren von London nach Arizona verlegt wurde und nun ein Wahrzeichen der Stadt ist.

Wir hatten ein ganz nettes Motel gewählt, Lake Havasu City ist gerade am Wochenende nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Zumindest im Sommer. Aber…für uns war es der pure Luxus! Der Pool war super temperiert und im Whirlpool haben wir uns mit einer mexikanischen Familie total verquatscht. Super entspannt und vor allem erfrischt konnten wir zur London Bridge aufbrechen.

Die London Bridge wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert in London erbaut. Sie überspannte die Themse und diente als eine der bekanntesten Brücken der Stadt. In den 1960er Jahren wurde die London Bridge aufgrund von Verkehrsanforderungen und ihrem Zustand für den Verkehr in London unzureichend. Sir Peter M. Studd, der Vorsitzende von Lake Havasu City, kaufte die Brücke im Jahr 1968 für etwa 2,5 Millionen US-Dollar. Die Brücke wurde sorgfältig demontiert, nummeriert und in Einzelteilen von London nach Lake Havasu City transportiert. Dort wurde sie am Lake Havasu River Channel wieder aufgebaut und 1971 offiziell eröffnet. Die London Bridge ist heute eines der bekanntesten Wahrzeichen von Lake Havasu City und ein beliebter Touristenmagnet. Sie erstreckt sich über den Lake Havasu und kann von Fußgängern und Fahrzeugen überquert werden.

Wir bummeln am Ufer des Colorado entlang, bestaunen die Brücke mit ihrer einzigartigen Geschichte und laufen natürlich auch einmal drüber. Ein toller Ausblick auf einen wunderschönen Sonnenunergang. Das hat sich schonmal gelohnt. Aber ansonsten ist der Spaziergang durch den Verkehr laut und so gar nicht romantisch, unterhalten ist da kaum möglich. Also lassen wir den Tag so ruhig, wie er begonnen hat, im Motel ausklingen. Unsere letzte Nacht in Arizona, aber abseits der Route 66. Dafür schnell an der Grenze zu Kalifornien.

© 2026 Silke & Thomas Geipel – Alle Rechte vorbehalten

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.