Route 66 - die Reise unseres Lebens
Auf den Spuren von Abrahma Lincoln
Heute führt uns die Etappe in den nächsten Bundesstaat. Nach Missouri. Ziel ist St. Louis, die gesamte Strecke beläuft sich auf gute 110 Meilen. Zumindest geplant. Es kommt etwas anders. Denn auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es Funklöcher.
Wir verlassen das Carpenter Street Hotel mit einer absoluten Empfehlung. Große und saubere Zimmer, Parkplätze kostenlos und obendrauf noch nettes Personal. Ist auch wichtig. Man versorgte uns mit allerlei Tipps für unseren Besuch in Springfield, gutem Kaffee und vor allem sorgt man hier auch gut für die Sicherheit der Hotelgäste. Auch in Springfield gibt es einige obdachlose Junkies, und die versuchen sich vor das Hotel zu schleichen, sobald sie Gäste entdecken. Betteln ist das Ziel, aber da auch hier sofort die Security vor Ort war, haben wir uns keine Minute unsicher oder bedroht gefühlt.
Dass Carpenter Street Hotel ist übrigens besonders stolz darauf, ein McDonald-Haus zu sein. Bedeutet, hier können Angehörige von kranken Menschen, die im in der Nähe liegenden Herzzentrum behandelt werden, besonders günstig bis kostenlos wohnen. Finden wir eine sehr gute Sache, und das haben wir mit einer Spende zum Ausdruck gebracht. So etwas unterstützen wir gerne.
Nach unserem Abschied aus dem Hotel machen wir uns auf den Weg Richtung St. Louis, MO. Natürlich über die Route 66. Und noch in Springfield machen wir gleich nochmal Halt. Das Cozy Dog Drive-Inn hat früh geöffnet, und so gibt es halt zum Frühstück einen berühmten Cozy Dog. Auch wenn eine frittierte Bockwurst überzogen mit einem knusprigen Maisteig nicht gerade unsere Idealvorstellung von Frühstück ist - das musste jetzt einfach sein. Schliesslich wurde der Cozy Dog hier erfunden, und zwar von keinem anderen als dem Vater des berühmten Route-66-Künstlers Bob Waldmire. Noch heute wird das Cozy Dog von der Familie betrieben und wir hatten das Vergnügen, mit der Enkelin von Bob zu sprechen. Wir haben viel über das Drive-Inn erfahren, unsere Fahne wurde mit Freude und guten Wünschen signiert. Natürlich gibt es den Cozy Dog in den USA an fast jedem Fast-Food-Stand, aber da heisst er Corn-Dog, aber man isst ihn nicht in einer der ältesten Route-66-Attraktionen. Ein Besuch gehörte einfach für uns zum Pflichtprogramm. Geschmeckt hat er übrigens ganz ok. Wird sicher nicht unser Lieblingsessen, aber das ist halt Geschmackssache.
Wir sagen Bye Baye Springfield, hello Route 66…und machen uns auf zu unserem nächsten Punkt auf der Liste. Wir fahren Richtung Auburn, wo noch ein ganz ursprüngliches Stück der Route 66 sein soll. Zu Anfang wurden die Strassen nämlich nicht geteert oder betoniert, der Belag bestand aus roten Ziegelsteinen. Deshalb der Name Red Brick Road. Wir hatten mit ein paar Ziegelsteinen gerechnet, aber dieses Stück hier gehört zur ganz offiziellen Straße und ist befahrbar. Schätzungsweise 2 Meilen geht es über dieses historische Pflaster.
Wir kommen nach Girard, hier war eigentlich ein längerer Stopp geplant. „Docs Soda Fountain“, eine alte Apotheke, die vor allem mich brennend interessierte. Aber…leider geschlossen. Umbauarbeiten. Wie wir erfahren haben, soll sie aber mittlerweile wieder geöffnet sein. War halt der falsche Zeitpunkt, aber nicht zu ändern. Schade.
Also geht es weiter durch die Felder Illinois. Zu den Spuren des Truthahns! In geraumer Vorzeit betonierte nämlich ein Bauer die Straße vor seinem Haus neu. Und da es in Amerika wilde Truthähne gibt, latschte natürlich einer davon durch den frischen Beton und hinterliess seine Tapsen. Statt den Beton gerade zu ziehen wurde einfach eine Linie um die Stelle gemalt und zack – Attraktion! Mussten wir natürlich unbedingt sehen! Aber ganz ehrlich, ohne Navi hätten wir nie im Leben diese Stelle gefunden. Zwar steht etwa eine Meile davor ein Hinweis „Turkeytracks 1 Mile“, aber hier zwischen den Feldern verläuft tatsächlich die alte 66, ausgeschildert ist sie hier aber nicht gerade gut. Eher gar nicht. Und das sollte gleich noch zu einem Problem werden, also die Beschreibung.
Auf dem Weg Richtung Carlinville, unserem nächsten Punkt auf dieser Etappe, hatten wir plötzlich kein Internet mehr. Das wäre ja gerade im Urlaub vertretbar, wenn wir keine spezielle App für die Route 66 gekauft hätten. Die navigiert einen sehr zuverlässig. Aber eben nicht offline. Außerdem folgen wir der Beschreibung, die bisher meist zusätzliche Orientierung bietet. Dachten wir. Denn nach dem letzten Schild folgte an der nächsten Kreuzung…NICHTS! Etwas orientierungslos waren wir plötzlich in Illinois verloren. Statt einfach Links abzubiegen sind wir natürlich immer weiter geradeaus. Und landeten zwischen Feldern auf Strassen, die teils fast einen Offroader gebraucht hatten. Aber da immer wieder Häuser auftauchen, sind wir erstmal davon ausgegangen, dass da ja auch irgendwann mal eine größere Straße auftaucht. Als fast nichts mehr ging, hatten wir plötzlich wieder ein GPS-Signal. Unser einziger Orientierungspunkt. Uns hat einzig und allein der Straßenzustand davon abgehalten, die Strecke wieder zurück zu fahren.
Einmal waren wir ja zumindest heil da durchgekommen. Und plötzlich bewegte sich unser GPS-Punkt auf eine größere Straße zu. Abgebogen und dann waren wir in Carlinville. Das hat uns tatsächlich fast eineinhalb Stunden gekostet. Auweia. Dass wir ganz klassische Strassenkarten griffbereit im Kofferraum hatten, haben wir in der Ausfregung komplett vergessen.
Carlinville ist eine typische amerikanische Kleinstadt, so wie man sie sich aus dem Fernsehen vorstellt. Gemütlich, mit der einen oder anderen Sehenswürdigkeit. Hat uns gut gefallen. Wir machen einen längeren Spaziergang, ein wenig Beine vertreten tut uns gerade nach der Irrfahrt besonders gut.
Es geht weiter, nach Litchfield. Dort ist an der Route 66 noch ein altes Drive-In Kino in Betrieb. Natürlich erst abends. Ein kurzer Fotostopp und weiter zum obligatorischen Besuch im Besucherzentrum und Picknick in der dortigen hübsch aufgemachten Picknick-Area. Im Visitor Center selbst werden wir herzlich empfangen und eingeladen, uns alles anzusehen. Eine Ausstellung natürlich, die vor allem -wie häufig üblich- über die örtliche Geschichte berichtet. Es ist wirklich interessant, wir lernen viel. Und die beiden älteren Damen waren zum Plaudern aufgelegt. Mal wieder verbringen wir mehr Zeit an einem Ort wie geplant. Aber das ist es, was diese Reise ausmacht.
Noch liegt ein wenig Illinois vor uns und wir besuchen Henry's Rabbit Ranch in Staunton. Eine alte Tankstelle an der Route 66, von Henry gut in Schuss gehalten. Und hier gibt es kein Karnickel zu sehen, das war wohl früher mal wie der Name vermuten lässt. Hier gibt es VW-Golf's jeder Altersklasse. Die kann man sich ansehen, denn wie wir von Henry gelernt haben, in Amerika nennt man diese liebevolle „Hasen“. Häschen eben. Süß. Henry nimmt sich viel Zeit, uns alles zu zeigen und signiert sehr stolz unsere Fahne. Irgendwie hatte wohl noch keiner diese Idee und jeder, der sie signiert, findet es eine tolle Idee. Macht uns ja schon ein wenig stolz. Wir sind froh, dass wir Henry noch kennenlernen durften. Er ist mittlerweile verstorben.
Richtung St. Louis müssen wir leider über die Interstate. Die Route 66 ist nicht mehr durchgängig befahrbar bzw verschwindet auf der Interstate. Wir kommen an einer Antikmall vorbei. Da mussten wir natürlich mal anhalten, denn schon von außen ist es absolut sehenswert. Innen fanden wir es ehrlich gesagt nicht so dolle, man wird von Antiquitäten, Nippes & Souvenirs erschlagen. Und die Eisdiele war auch zu, also ging es weiter.
Und dann waren wir dort, wo wir ein bißchen Bammel vor hatten. Auf dem Parkplatz der Chains of Rock Bridge. Wir sind vor den Toren St. Louis. Aber noch in Illinois.
Warum Bammel vor dem Parkplatz? Die Gegend hat nicht den allerbesten Ruf, gerade ab der Dämmerung treiben sich hier gerne zwielichtige Gestalten herum und hier wird dann gerne in die Autos eingebrochen. Aber: unser lieber Freund Dietrich gab uns den Rat: „kommt im Hellen, lasst nichts im Auto liegen und haut ab, wenn euch nicht wohl bei der Sache ist“.
Es war noch früh am Tag, außer uns noch zwei Touristenpärchen aus Italien, die uns vorschwärmten, wie toll es ist, über diese Brücke zu laufen und die Aussicht wäre unbeschreiblich. Na dann mal los.
Die Chains of Rock Bridge war der Weg der Route 66 über den Mississippi, seit 1970 ist sie aber nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben. Der Schiffsverkehr ist hier stark durch die unter Wasser liegende Felsenkette beeinträchtigt, deshalb gibt es den Chains of Rocks Kanal. Die Felsenkette gab der Brücke im Übrigen ihren Namen. Und die Brücke hat eine Besonderheit: ein Knick in der Mitte.
Wir machen uns zu Fuss auf die Brücke, immerhin gut 1,5km lang. Und sehen Sie das erste Mal den Mississippi. Den wohl bedeutensten Fluss der USA.
Absolut beeindruckend. Kein Vergleich mit deutschen Flüssen, Gevatter Rhein ist dagegen ein klägliches Rinnsal. Und zwar bei Hochwasser.
Etwa die Mitte des Mississippi bildet die Grenze zwischen den Staaten Illinois und Missouri. Wir gehen auch schonmal kurz zu Fuß rüber nach Missouri. Und wieder zurück nach Illinois. Leider gibt es aber kein Welcome-Sign. Schade.
Die Ausblicke sind der Wahnsinn, absolut beeindruckend. Und auch die Route 66 ist hier natürlich Thema. Wir vertrödeln hier eine Menge Zeit, weil es einfach zu schön ist. Wir sind wirklich froh, dass wir das Abenteuer Chains of Rocks Bridge gewagt haben. Und auch für Menschen mit Höhenangst absolut zu bewältigen. Das sage ich aus eigener Erfahrung.
Wir verlassen den menschenleeren Parkplatz, unserem Mr Capone geht es gut. Aber als wir losfahren bemerken wir ein Auto, daß mit 3 oder 4 merkwürdigen Gestalten beladen sich langsam Richtung Parkplatz bewegt. Wir geben ein bißchen mehr Gas. Keine Ahnung, wer das war oder was die wollten. Unheimlich war es schon ein wenig, also schnell weiter.
Wir fahren zu unserem Hotel, gut 30 Fahrminuten von der Innenstadt von St. Louis im Stadtteil Clayton. Ok, wir fahren durch Eckchen, da möchten wir nicht unbedingt anhalten. Und St. Louis hat nicht den allerbesten Ruf. Aber unser erster Eindruck ist nicht so schlecht. Wir lassen den Abend im Hotel ausklingen, geniessen den Outdoor-Pool und machen es uns gemütlich. Hier sind wir ja auch 2 Nächte, nicht vergessen: wir haben ja auch Urlaub!
Sightseeing gibt es morgen und wir haben uns einiges vorgenommen.