Route 66: Monument Valley & Forrest Gump Point

Route 66 - die Reise unseres Lebens

Monument Valley und der lange Weg zurück

Der Sandsturm hat sich gelegt, es ist klare Sicht bei strahlend blauem Himmel. Dass unser Motel in Bluff zwischen roten Felsen liegt, das sehen wir erst heute morgen. Wunderschön ist es...und noch verdammt früh, erst kurz nach 6 Uhr morgens. Kaffee bekommen wir noch nirgendwo, selbst die kleine Tankstelle hat noch Nachtbetrieb...hier mitten im Nirgendwo. Aber wer weiss, warum.

Wieder mal eine Planänderung, aber diesmal wirklich dem Wetter geschuldet. Wir werden heute also nicht zurück nach Gallup fahren, sondern ins Monument Valley. Ursprünglich hätte der kleine Ausflug ja gestern stattfinden sollen, aber der Sandsturm hat unsere Pläne durchkreuzt. 

Wir fahren jetzt mit Ulrike und Lars, die wir gestern im Motel kennengelernt haben, zügig ins Monument Valley. Wir wollen die Morgensonne mitnehmen, die die Felsen richtig zum Leuchten bringt. Und wir wollen am Forrest Gump Point Fotos machen, bevor zuviele Touristen den berühmten Aussichtspunkt stürmen. 

Irgendwo unterwegs werden wir uns von Ulrike und Lars verabschieden, dann trennen sich unsere Wege wieder. Weiter geht es dann für uns Richtung Lupton, der Grenze zu Arizona, damit wir unser heutiges Ziel Holbrook erreichen. Und wieder auf die Route 66 stoßen. Ok, uns werden ein paar Meilen der berühmten Straße fehlen. Aber das können wir verkraften.

Unser kleines Mokee Motel ist uneingeschränkt zu empfehlen. Sauber, gepflegt und richtig gemütlich. Und hier übernachtet man zu einem fairen Preis. Ist in dieser Gegend nicht selbstverständlich. Die beiden alten Leutchen, die dieses Motel betreiben, sind wirklich rührend und wir hoffen, dass es ihnen noch viele Jahre gut gehen wird.

Verpflegen sollte man sich hier lieber selbst. Zur Not tut es mal ein Abendessen aus der Mikrowelle, die es ja in jedem Zimmer irgendwie gibt. Essen ist hier nicht so einfach, weil es kaum Auswahl gibt. Und dann sind die Preise selbst für amerikanische Verhältnisse astronomisch. Ein 220gr Steak für über 40$...da vergeht zumindest uns der Appetit.

Wir fahren durch einsame, aber wunderschöne Landschaften. Die Felsen leuchten tiefrot in der Morgensonne. Unmöglich, das alles aufzusaugen. 

In Mexican Hat gibt es endlich Kaffee. Mitten im Nirgendwo eine kleine Ortschaft. 

Und dann sind wir am berühmten Forrest Gump Point. Dieser Film wird hier schon noch irgendwie gelebt. Er begegnet uns immer wieder. Der Forrest Gump Point ist der Punkt im Monument Valley, in der die von Tom Hanks gespielte Figur nach drei Jahren, zwei Monaten, 14 Tagen und 16 Stunden plötzlich beschloss, aufzuhören zu laufen. Daher der Name. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Aber eine wahnsinnige Aussicht. Im Übrigen wird diese Aussicht gerne mal immer wieder als Route-66-Bild angezeigt. Lasst Euch nicht veräppeln. Dieser Punkt ist von der Motherroad gute 190 Meilen entfernt! Und wenn ein Bild dieser Szenerie mit Route-66-Straßenbemalung sieht -es ist FAKE!

Wir fahren weiter, sind fasziniert und halten immer wieder an. Kurz vor der Grenze zu Arizona gibt es einen kleinen Ort, mit Übernachtungsmöglichkeiten zu horrenden Preisen. Denkt Euch mal selbst, wer da die Betreiber sind…Und kaum in Arizona, bekommen wir eine Stunde geschenkt. Andere Zeitzone. Arizona ist nämlich eine Ausnahme. Hier gibt es keine Sommerzeit. Also heisst es hier, die Uhr eine Stunde zurück und so gewinnen wir etwas Zeit an diesem langen Tag.

So langsam kommen wir raus aus dieser faszinierenden Landschaft. Nochmal wie ein kurzes Aufbäumen oder besser ein Winken zum Abschied tauchen die letzten Felsen auf.

Und ab hier geht es nur noch…geradeaus! Zwischendurch erzählt uns das Navi, dass wir in 40 Meilen abbiegen dürfen. Zwar sehen wir später bei Relive, dass es nicht gerade schnurgerade geht, aber…wenn man rechts und links nur Steppe hat, ab und an einen Felsen… fühlt es sich so an. Eben schnurgeradeaus. Vo Kayenta bis Lupton, wo wir uns wieder auf die 66 treffen, sind es noch knapp 150 Meilen. Oje.

Wir wundern uns tatsächlich immer wieder über die vielen kleinen Orte. Hier wohnen tatsächlich Menschen, irgendwo im Nirgendwo.

Man freut sich, wenn mal eine Tankstelle auftaucht. Unterwegs anzuhalten ist nicht ganz ungefährlich, ist ja mal wieder alles Indianer-Gebiet. Man weiss ja nie…und selbst hier an der Tanke muss man vorsichtig sein…wir sind selten so unfreundlich bedient worden wie hier -typisch Native-Art- und dann hält auch noch ein Auto und man will uns irgendwelche Schmuckstücke andrehen…nene, abzocken lassen wir sind uns nicht. Übrigens herrscht hier im Navajo-Gebiet auch noch Maskenpflicht. Ja, sie haben Angst. Vor dem Virus. Hier gab es viele Tote. Also ist die Angst natürlich verständlich. Aber wenn man lieber nen Tanz veranstaltet, um den Virus auszutreiben, statt sich impfen zu lassen und die ansonsten üblichen Maßnahmen zu ergreifen…fehlt es uns dann doch am Verständnis. Aber das nur am Rande.

Es geht weiter, und weiter und weiter. Noch eine Pause, die Strecke schafft uns. Und dann, in St. Michaels, geht es rechts und dann sind wir quasi auf der geraden Richtung Route 66. Wir kommen durch fast alpine Landschaft, eine Abwechslung zur Wüste und den roten Felsen. Und dann sind wir in Arizona. An der Route 66. Das zählt für uns. Und damit haben wir New Mexico endgültig und offiziell verlassen. Hier führt die Route 66 übrigens mit über 400km das größte Stück durch. Wir machen halt an der sogenannten Grenzstation, mittlerweile eine Ansammlung von bunten Holzhütten und voll mit -wie könnte es anders sein- Indianernippes und sonstigem Ramsch. Wir halten kurz am offiziellen Welcome-Center und dann sind wir wieder unterwegs. In Arizona führt die Route 66 durch einen Nationalpark, dem einzigen auf der ganzen Strecke. Wir freuen uns auf den Besuch um Petrified Forest – so heißt der Nationalpark – und werden bitter enttäuscht. Petrified Forrest heisst nichts anderes wie versteinerter Wald. Und hier sind über Millionen von Jahren durch den Lauf der Zeit und der Begebenheiten die Bäume versteinert. Die stehen natürlich nicht mehr wie einst als Wald, sondern sind quasi umgekippte Stämme und als Steine sichtbar. Trotz Bildern und Recherche haben wir wahrscheinlich zu viel erwartet und sind ziemlich enttäuscht.

Klar, es gibt einige sehenswerte Landschaftsstopps. Aber die Hitze tut ihr übriges und ehrlich gesagt haben wir keine große Lust, auch noch durch die pralle Sonne zu wandern. Das müssten wir nämlich, um die berühmten versteinerten Bäume zu sehen. Wir legen den einen oder anderen Stopp ein und sind froh, dass wir nach gut 2 Stunden da durch sind. Nach der Ausfahrt die üblichen Nippesbuden und ein Halt im Schatten – gibt uns dann den Blick auf das Holz, den wir erwartet hätten. Und wir können es anfassen und bestaunen. Ehrlich: Das Geld hätten wir uns besser gespart. Ins Visitor Center kommt man ohne Parkeintritt, da gab es einen weiteren unserer Stempel in den Passport. Und ein Souvenir, das versteinerte Holz ist ja schon was besonderes. Und der Snack, den wir uns gegönnt haben, war ja auch ok. Aber der Rest: Wie gesagt, schade ums Geld um um die Zeit. Uns hat es nicht gefallen. Aber offiziell ging hier mal die Route 66 durch, also machen wir das auch.

Und dann – wir haben die Nase voll nach mittlerweile rasanten 10 Stunden Fahrt. Vom Fahren, von einsamen Strassen und von Steinen. 330 Meilen haben wir heute hinter uns gebracht. Mehr wie gedacht und geplant.

Wir fahren nach Holbrook, unser heutiges Ziel. Auch hier noch ein Stempelstopp und dann ins Motel. Brads Desert Inn. Ein besonderes Zimmer gibt es hier und ein Abendessen im Butterfield Steak House. Steaks und Rippchen im Westernambiente, wirklich lecker. Das haben wir uns heute verdient. Und dann fielen wir hundemüde ins Bett. Zeit für Sightseeing ist auch morgen noch. 

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